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Freitag, 3. April 2020

Blake, Howard - Diversions

Vielschreiber


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Cellist Benedict Kloeckner spielt Werke von Howard Blake, der Komponist selbst übernimmt den Klavierpart: Das Ergebnis ist rundum schön, aber eben oft zu schön und rund geschmirgelt.

Der Komponist Howard Blake ist in seiner Heimat Großbritannien nicht gerade der berühmteste Name. Der 1938 in London Geborene war Schüler von Howard Ferguson am Londoner Royal College of Music, und mit derselben zurückhaltenden Art wie sein  Lehrer hat er sich einen Platz in der Musikgeschichte erarbeitet. Betrachtet man Blakes Werkverzeichnis, so beeindruckt der schiere Umfang ebenso wie die Vielfalt. Gleichzeitig fällt auf, dass Blake nicht gerade in die Kategorie der Wagemutigsten einzuordnen ist; seine Kompositionen sind immer gut gemacht, doch mangelt es ihnen immer wieder an echter Eigenart oder, um es anders auszurücken, an Ecken und Kanten. Renommierte Interpreten schätzen seine Musik, nicht zuletzt weil er ‚vernünftig‘ zu schreiben weiß, nicht gegen die Stimme oder das Instrument und nicht gegen ein aus der Tradition heraus zu verstehendes Formgefühl. Auf der vorliegenden CD legt Blake (in seiner Eigenschaft als Pianist seiner eigenen Werke) zusammen mit dem jungen Cellisten Benedikt Kloeckner (das Booklet ist in der Schreibung seines Namens nicht eindeutig) sechs Kompositionen aus dem Werkkorpus der Opera 337 bis 620 (!) vor, von der substanziellen Suite mit dem Titel 'Diversions' op. 337a und der Cellosonate op. 619 über das Variationswerk 'Pennillion' op. 525a (ursprünglich für andere Besetzung) und das programmatische 'The Enchantment of Venus' op. 566a (ursprünglich für Bassettklarinette, für Kloeckner eingerichtet für Cello und Klavier) bis hin zu den kurzen Sätzen 'Walking in the Air' op. 620a aus der Filmmusik zu ‚The Snowman‘ und 'Archangel‘s Lullaby' op. 436a (ursprünglich für drei Celli).

Die achtsätzigen 'Diversions' entstanden 1984-5; es handelt sich um eine Komposition, die, obschon scheinbar historische Satzmodelle wie Präludium, Sarabande oder Marsch bedienend. modische Stile der Zeit (etwa Tanz- und Jazzelemente) mit einer essenziell nachromantischen Sprache verbindet; der 'Marsch' überschriebene dritte Satz etwa erinnert an Weill‘sche Moritatentöne, die Aria nimmt kaum verhohlen Bezug auf Saint-Saëns. Fraglos schreibt Blake attraktiv für die Instrumente, doch wartet der Hörer zumeist vergeblich auf das Unerwartete. Die dreisätzige Sonate (eine 2010 entstandene Adaption seiner Violinsonate) eröffnet mit einem rhythmisch attraktiven, aber ebenfalls nicht wenig eklektischen Abschnitt, schon bald gefolgt von meditativen, fast dem Easy Listening abgelauschten Klängen; überhaupt ist der Kopfsatz überraschend episodisch gestaltet. Höhepunkt ist der langsame Satz, der voller Introspektivität auch zu arge eklektische Anklänge hinter sich lässt. Hier fällt auf, dass Kloeckners Vibrato sich den melodischen Linien gegenüber gelegentlich etwas verselbständigt, anstatt den kargen Klangflächen, die hier in der Komposition vorgegeben sind, mit der gebotenen Konsequenz nachzuspüren. Vergleichsweise zahm bleibt jedoch wieder das Finale, dem man sich formal größeren Mut oder echt schmissigen Elan wünschen würde.

Die strengere Variationenform bei dem modal geprägten 'Pennillion' (1975/2001) bekommt der Musik gut. Blake konzentriert sich hier – ganz im Sinne britischer Variationskunst – auf die Möglichkeiten des thematischen Materials und erreicht so nicht nur stilistische Geschlossenheit, sondern auch eine starke in sich geschlossene Stimmungswelt. Bei 'The Enchantment of Venus' (2006/2011) spürt man hier weitaus stärker den originalen Klangduktus, den Versuch, Disparates miteinander zu verbinden. Gerade hierin ist die Musik jedoch ausgesprochen originell, nicht zuletzt durch die Verwendung der extremen Register des Cellos, mit einem charmanten, überzeugenden Schluss. 'Walking in the Air' (1982/2010-1) ist eine ‚Schmonzette‘ aus dem Bereich der Minimal Music; immerhin gelingt es der Interpretation, dem schlimmsten Kitsch aus dem Weg zu gehen, doch der ‚Espressivo‘-Gedanke drängt sich weiterhin allzu offensichtlich auf. Dahingegen ist das 'Archangel‘s Lullaby' (1991) immerhin von eher ungekünstelter Einfachheit und bringt die CD zu einem einigermaßen befriedigenden Abschluss.

Durch den autoritativen Beitrag des Komponisten am Klavier klingt die Musik vermutlich so, wie Blake sie sich vorstellt; aber gerade hierin offenbart sich ein gewisses Sicherheitsbedürfnis des Komponisten – selbst die in der Musik vorhandenen Abgründe werden nicht in vollem Maße erkundet, dafür die Untiefen mit offenkundiger Spielfreude präsentiert. Dies beeinträchtigt den Gesamteindruck – ebenso wie der Booklettext, in dem viele Informationen, die der Hörer gerne bekommen hätte, fehlen. Da kann auch eine untadelige SWR-Aufnahmetechnik das Ganze nicht zum Guten wenden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Blake, Howard: Diversions

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
06.03.2015
Medium:
EAN:

CD
4260036253467


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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