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Donnerstag, 2. Juli 2020

The Sixteen - Spirit, Strenght & Sorrow

Spannende Chormusik


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Harry Christophers und The Sixteen bringen wieder einmal eine hochinteressante Platte mit einigen frischen Chorwerken junger Komponisten zu Gehör, dieses Mal auf den Text des Stabat Mater. Sehr lohnend.

Schon zum dritten Mal hat Harry Christophers, Gründer und Leiter des famosen Vokalensembles The Sixteen, in Zusammenarbeit mit der Genesis Foundation Kompositionen zu einer gegebenen textlichen Vorlage beauftragt. Zuletzt hatte das mit Texten der spanischen Mystiker Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz zu außergewöhnlich gelungenen Werken von Ruth Byrchmore, Tarik O’Regan und Roderick Williams geführt. Jetzt ging es um das Stabat Mater, das seit seiner Entstehung im hohen Mittelalter Inspiration für viele Komponisten war: Auch wenn aus Sicht der Gegenwart Pergolesis Version stellvertretend für beinahe alle anderen Werke stehen mag, reicht die Reihe doch von Josquin über Vivaldi und Dvořak bis zu Howells, Poulenc, Penderecki oder Pärt. Christophers knüpft nun mit jungen Komponisten der Gegenwart an diese eindrucksvolle Reihe an. Zu hören sind Sätze von Alissa Firsova, Tõnu Kõrvits und Matthew Martin. Dazu erklingen als Kontrast Vertonungen von Claudio Casciolini und Domenico Scarlatti aus dem 18. Jahrhundert.

Harry Christophers hat mit seinem Ensemble schon eine große Reihe von Chorkompositionen beauftragt, uraufgeführt und so immer neuen Stimmen Gehör verschafft, ganz überwiegend hochinteressanten. Sein Credo ist dabei ebenso klar wie schwierig umzusetzen: Relevante, ästhetisch interessante Auftragswerke sollten nicht nur uraufgeführt werden, um dann schnell wieder dem Vergessen anheimzufallen, sondern möglichst dauerhaft eine große Hörerschaft erreichen. Er selbst unterstützt das mit Produktionen auf dem ensembleeigenen Label Coro.

Hörenswerte Stimmen

Alissa Firsova (geb. 1986), russischer Herkunft und in England lebend, ist eine bemerkenswerte Meisterin des Elegischen, gesegnet mit viel lyrischem Talent. Es lassen sich Anklänge an orthodoxe Traditionen hören, aber mehr durch das Gewebe hindurchscheinend, denn vordergründig und manifest. Gelegentlich erklingende, glockenartige Dreiklangfiguren werden vom Bookletautor mit Arvo Pärt in Verbindung gebracht – eine Einschätzung, die dem Rezensenten auch nach mehrmaligem Hören herbeigeschrieben scheint. Denn Firsova setzt auf eine sehr eigenständige, souveräne Mischung aus Klangpracht und delikater Entfaltung. Die Musik ist zweifellos hochattraktiv für Hörer und Ausführende gleichermaßen.

Tõnu Kõrvits (geb. 1969) bietet in seinem Werk entschieden rauere Harmonien, gleich zu Beginn, wenn er das Schmerzhafte der im Text beschriebenen Situation sehr klar akzentuiert. Auch er ist sehr stark im Linearen, entfaltet mit großer Geduld ein heikles Gewebe, immer wieder mit anspruchsvollen Mixturen angereichert, doch auch um lichtere Momente traditioneller Musik seiner estnischen Heimat bereichert.

Matthew Martin (geb. 1976) als Vertreter der englischen Chorszene arbeitet in der Tradition Brittens mit einer Doppeltextierung, verschränkt auch musikalisch auf kunstfertige Weise alte und neue Expressivität, gekonnt und überaus affektsicher, aus den Reibungsflächen schöne Spannungen gewinnend. Insgesamt lotet er mit seiner gut zehnminütigen Arbeit deutlich mehr Ausdrucksräume als seine beiden Kollegen aus.

Claudio Casciolinis Version des Stabat Mater wirkt für das mittlere 18. Jahrhundert überaus konservativ, orientiert sich klar am gregorianischen Vorbild und den Prinzipien der Renaissance, wenn auch in kompaktem Satz. Domenico Scarlatti, nicht in erster Linie für seine geistliche Musik bekannt, steuert eine interessante Fassung zum Programm bei, prachtvoll in der weit ausgreifenden Anlage, würzig in der harmonischen Grunddisposition, mit herrlichen Bögen. Mit Blick auf die Wirkung der neuen Sätze mag als Einschränkung gelten, dass dieses weit über zwanzig Minuten dauernde Werk einen allzu eigenständigen Schwerpunkt auf der Platte setzt.

Wunderbares Ensemble

The Sixteen sind einfach ein famoses Ensemble, das unterstreicht nicht nur die ambitionierte Programmgestaltung, das zeigt die Ausführung jedes einzelnen Satzes eindrucksvoll: Zunächst ist bemerkenswert, wie differenziert die verschiedenen Stile ausgearbeitet werden. Da wird nichts nivelliert, geht keine Eigenheit verloren, wird überaus sinnfällig und zutreffend gedeutet. In allen Sätzen wird die hohe Stimmkultur deutlich, wird auch jener kraftbegabte, typische Ensembleklang gepflegt, ohne dass dieser zum Selbstzweck verkäme. Und es bleiben die sonst gelegentlich zu hörenden Härten völlig aus, alles wirkt glücklich gerundet und fein veredelt. The Sixteen brillieren in sehr verschiedenen Besetzungen, auch solistische Gruppen agieren auf höchstem Niveau. Phrasiert wird vom großen Bogen bis zum abgerissenen Klangpartikel hochdifferenziert und immer höchst kultiviert.

Intoniert wird tadellos, schlicht vorbildlich: Alles wirkt in dieser Hinsicht frisch belüftet, bei aller Energie nie druckvoll und zu jedem Zeitpunkt mit so viel Aufmerksamkeit bedacht, dass es fast schon beiläufig perfekt wirkt, selbst in zerklüfteten Passagen. Harry Christophers leitet die Formation gerade in den modernen Sätzen zu langsamen Tempi an, damit einen wirklich angemessenen Raum zur Entfaltung sichernd.

Das Klangbild ist klar und hell, sichert ein deutliches Abbild der Strukturen, zeigt alle Kräfte schön gestaffelt, mit souveräner Geste schön in den Raum gestellt. Das nur englischsprachige Booklet genügt grundlegenden Ansprüchen, leidet aber zumindest im dem Rezensenten zur Verfügung stehenden Exemplar unter einem eklatanten Fehldruck, der einen Großteil der Informationen vorenthält, andere Teile dafür doppelt.

The Sixteen stellen in Zusammenarbeit mit der Genesis Foundation wiederum hochinteressante Musik vor, der man mit Harry Christophers nur wünschen kann, dass sie nach ihrer Erstpublikation auf der vorliegenden Platte nicht wieder in der Versenkung verschwindet. Gleichwohl, auch das gilt es zu konstatieren, gelingt es in der Gegenwart trotz einiger sehr lebendiger Chortraditionen nicht vielen Komponisten, diese heikle Hürde zu nehmen. Verdient hätten es die Arbeiten von Firsova, Kõrvits und Martin allemal. Die höchst lebendige Interpretation von Harry Christophers und The Sixteen jedenfalls leistet bestmögliche Schützenhilfe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Sixteen: Spirit, Strenght & Sorrow

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
06.03.2015
Medium:
EAN:

CD
828021612725


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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