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Dienstag, 9. August 2022

Rimsky-Korsakow, Nikolai - Geistliche Werke

Dichter und eruptiver Chorklang


Label/Verlag: duo-phon classic
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Rimskij-Korsakows unbekannte geistliche Chorwerke in einer authentisch wirkenden, manchmal aber klanglich zu dichten Interpretation durch den Moskauer Chor Blagovest.

Die Standards der besten europäischen Chöre erfüllt das Ensemble Blagovest nicht. Doch daran darf man den Chor auch nicht messen; eine ganz andere Ästhetik prägt schließlich den russischen Chorklang. Absolute technische Perfektion, feines Pianissimo, vollkommene Homogenität des Klanges und was aus hiesiger Perspektive der Kriterien mehr wären, sind für die authentische Wiedergabe russischer Chormusik im besten Falle zweitrangig, womöglich wären sie ihr gar im Wege. Man wird jedenfalls davon ausgehen dürfen, dass sich Rimskij-Korsakow, dessen geistliche Chormusik a-cappella auf zwei CDs vorliegt, in etwa den Klang vorgestellt hat, den Blagovest liefert. Was zeichnet ihn aus? Zum Beispiel ein Singen mit sehr viel mehr Kern in der Stimme, ein Klang, der dadurch weniger verschmilzt, aber außerordentlich voluminös ist, zudem natürlich über mehr Vibrato und weniger Schlichtheit verfügt, ferner über sehr ausgeprägte und ebenso plötzliche dynamische Wechsel, was den Aufführungen immer wieder einen eruptiven, auf jeden Fall einen lebendigen Charakter gibt. Und – eigentlich überflüssig zu erwähnen – natürlich sind da noch die unfassbar tiefen russischen Bässe. Freilich kennt man die genannten Merkmale von älteren russischen Aufnahmen noch extremer: Diese 1995 entstandene Einspielung scheint da vergleichsweise moderat und der westlichen Chorkultur ein Stück angenähert – wenn auch nur ein kleines Stück.

Dass der Chor unter der Leitung von Galina Kolzowa die oft weit gespannten Melodiebögen mit großer Spannung interpretiert, lässt sich nicht bestreiten. Auch die Kontraste zwischen ruhigen und aufgewühlten Abschnitten könnte man sich kaum deutlicher wünschen. Selbstverständlich klingt es nach Klischee, die Begriffe der slawischen Seele und des slawischen Temperaments zu bemühen; zutreffend ist es dennoch. Eine rundum gelungene Produktion also? Leider nicht ganz. Über sehr weite Strecken ist Rimskij-Korsakows geistliche Musik sehr ruhig und auch eher leise; der Chor kann also nur ab und an durch seine impulsiv wirkende Dynamik punkten. Und die Gestaltung der ruhigen, in weiten Bögen dahinströmenden Musik könnte man sich – zumal bei einem Komponisten, der, wenn er für Orchester schrieb, so viel Wert legte auf raffinierte und transparente Farben – doch noch anders vorstellen: Zu massiv, zu dicht und zu schwer bleibt der Klang zuweilen im Piano.

Die Aufnahmen entstanden im russischen Mosfilmstudio, nicht etwa in einer Kirche. Vermutlich hat man dann etwas nachgeholfen und dem Klang zusätzlichen Hall gegönnt, doch leider weist das Ergebnis in verschiedenen Titeln einigermaßen deutlich wahrnehmbare Unterschiede auf.

Rimskij-Korsakow wird man kaum als strenggläubigen Anhänger der orthodoxen Kirche bezeichnen können, dennoch füllen seine geistlichen Werke zwei CDs komplett aus: insgesamt 150 Minuten Musik, bestehend aus 40 einzelnen Titeln, die für den eigenen Gebrauch als Chorleiter entstanden. Nach der Angabe auf der Platte handelt es sich um die erste Gesamtausgabe dieser geistlichen Chorwerke Rimskij-Korsakows überhaupt. Die Doppel-CD erscheint als Teil einer nicht weniger als 50 CDs umfassenden Reihe ‚Musik der Ostkirchen‘, offenbar speziell für den deutschen Markt produziert, denn das Beiheft enthält nur deutsche Texte. Die sind als grundlegende Einführung nahezu vorbildlich: Die einzelnen Texte tragen die Titel ‚Die Musik der Ostkirchen‘, ‚Zur Entwicklung russisch-orthodoxer Kirchenmusik‘, ‚Nikolai A. Rimski-Korsakow‘ und ‚Die geistliche Musik Rimski-Korsakows‘. Außerdem sind sämtliche Titel auf deutsch angegeben, allerdings wiederum nur auf deutsch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rimsky-Korsakow, Nikolai: Geistliche Werke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
duo-phon classic
2
24.11.2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4012772030136
03 01 3


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"Erste Gesamtausgabe der geistlichen Kompositionen von Nikolai Rimski-Korsakow"


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duo-phon classic

Wenn der kubanische Gitarrist Joaquín Clerch seine Gitarre streichelt, schlägt und zupft, zaubert er konzertante Töne auf höchstem Niveau. Der u.a. am Salzburger Mozarteum ausgebildete, vielfach preisgekrönte Saiten-Virtuose gilt als führender Gitarrist seiner Generation. Mit den Brandenburger Symphonikern hat er sein lineares Solo-Gitarren-Spiel und seine melodische Klarheit in einen ausdrucksstarken neuartigen Klangkörper überführt. Das Ergebnis ist jetzt erstmalig und einmalig auf einem edel rot-golden gestalteten Doppel-CD-Album zu hören, das als erste Veröffentlichung des neuen Labels duo-phon classic erscheint. Darauf brilliert Joaquín Clerch mit eigenen Kompositionen und Interpretationen von Rodrígo, de Falla, Walton, Strawinsky als Weltstar unter Weltstars. Denn die ihn begleitenden Symphoniker des Theaters Brandenburg an der Havel haben seit ihrer Ernennung zum deutschen „Orchester des Jahres“ 2002 auf Tourneen nach Amerika, Japan, Südafrika und China internationale Meriten gesammelt.

duo-phon classic bietet dem Brandenburger Symphonie Orchester und seinen 53 Mitwirkenden unter Leitung von Michael Helmrath erstmals eine Plattform, seine außergewöhnlichen Crossover-Projekte mit internationalen Solisten auf Tonträger zu veröffentlichen. Was aufgrund des enormen technischen Aufwands live nur ein- bis zweimal im Jahr zu realisieren ist, wird mit Unterstützung des Landes und der Stadt Brandenburg und aus Mitteln der Europäischen Union jetzt auf duo-phon classic einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Dazu gehört auch die einzigartige Zusammenarbeit der Brandenburger Symphoniker mit dem indischen Violinisten Lakshminarayana Subramaniam. Der 61-jährige Komponist und Dirigent ist weltweit bekannt für seine zwischen der südindischen Traditionsmusik Raga und europäischer Klassik changierenden Werke. Er gilt sowohl als „der Paganini klassischer indischer Musik“ wie auch als „indischer Menuhin“. Als Filmkomponist wirkte er u.a. an Bollywood-Klassikern wie „Salaam Bombay“ und dem Welterfolg „Little Buddha“ mit. Auf der zweiten Doppel-CD von duo-phon classic bringt er seine „Freedom Symphonies“ und „Global Symphonies“ in ein spannendes Wechselspiel mit den Brandenburger Symphonikern.

Weitere Veröffentlichungen unter duo-phon classic:

Chormusik von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) „Loreley“, op. 98 (unvollendete Oper) & Die erste Walpurgisnacht, op. 60

Sinfonischer Chor der Singakademie Potsdam, Deutsches Filmorchester Babelsberg / Leitung: Thomas Henning

„Mord auf dem Säntis“ - Kammeroper von Noldi Adler und Friedrich Schenker - Libretto von Christoph Nix

Ein Auftragswerk des Theater Konstanz in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und DRS2 Live-Mitschnitt im Rahmen des 23. Internationalen Bodenseefestivals 2011

duo-phon classic, viertes Sub-Label unter dem Dach des 1995 von Inhaber Alfred Wagner gegründeten duo-phon Labels mit seinen mittlerweile über 300 Veröffentlichungen!

Cantica – Musik der Ostkirchen, hat sich zum Ziel gesetzt, das nach Umfang und künstlerischem Gehalt reiche und zu großen Teilen noch nicht erschlossene Musikschaffen der orthodoxen Kirchen Osteuropas und des Nahen Ostens erschließen zu helfen. Die Edition umfasst Gesänge zu den wichtigsten orthodoxen Feiertagen, informiert über frühe Gesänge der nationalen Kirchen, zeigt die verschiedenen Stilrichtungen, macht bekannt mit den bedeutendsten Komponisten orthodoxer Musik (darunter die erste Gesamtausgabe der geistlichen Werke Rimski-Korsakows) und stellt einige der besten Chöre dieser Länder vor.

In der Edition Berliner Musenkinder werden seit dreizehn Jahren Schellack-Schätze digitalisiert für den Markt der Jetztzeit erschlossen, darunter bis dahin nicht mehr zugängliche Originale von Claire Waldoff, Otto Reutter oder Richard Tauber. Die Revitalisierung der Unterhaltungsklassiker von Weimarer Tagesschlagerkomponisten wie Mischa Spoliansky und Werner Richard Heymann durch duo-phon records hat zu einer Wiederentdeckung dieser und anderer in Vergessenheit geratenen Komponisten und Texter der leichten Muse geführt.

Ein Ohr am Puls der Zeit beweist duo-phon mit der ebenfalls fortlaufenden Edition Berliner Musenkinder Spezial, in der Chansonsänger von heute, die an die Traditionen der 20er und 30er Jahre anknüpfen und innovativ über sie hinausweisen, vorgestellt werden. Dazu gehören Künstler wie Judy Winter, die mit dem Musical „Marlene“ und der gleichnamigen CD für Furore sorgte und Travestiestar Georg Preuße alias „MARY“.

Erfolgreichstes Bindeglied zwischen historischen und heutigen Künstlern auf dem duo-phon Label sind die „Berlin Comedian Harmonists“, neu formiert nach dem Vorbild der ersten Boy Group der Weimarer Republik. Deren erste CD „Veronika, der Lenz ist da“ wurde über 40.000 Mal verkauft.

Seit vier Jahren existiert die dritte Reihe des duo-phon record Labels: Musenkinder Hörbuch. In diesem Segment werden aufwändige Hörspiele etwa zur Entstehungsgeschichte der „Dreigroschenoper“ produziert und wie auf der von Kabarettforscher Volker Kühn herausgegebenen, mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2007 ausgezeichneten Doppel-CD „Mit den Wölfen geheult-Von leichter Muse in schwerer Zeit“, auch kritische Hinterfragungen der „Bombenstimmung“ der 30er Jahre veröffentlicht.


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