> > > The Hunt is up: Shakespear's Songbook
Sonntag, 18. August 2019

The Hunt is up - Shakespear's Songbook

Musikalische Zeitreise in die Welt Shakespeares


Label/Verlag: Raumklang
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese stimmungsvolle Einspielung der Playfords bietet den Zuhörern Unterhaltung auf höchstem Niveau. Die humorvollen Texte, die lebendigen Rhythmen und die ungewöhnlichen Arrangements laden nicht nur zum Hören, sondern auch zum Mitmachen ein.

Schon in ihren ersten drei CD-Veröffentlichungen haben sich die Musiker des Ensembles The Playfords – bestehend aus Björn Werner (Gesang), Annegret Fischer (Blockflöten), Erik Warkenthin (Renaissancelaute, Barockgitarre), Benjamin Dressler (Viola da gamba, G-Violone) und Nora Thiele (Perkussion) – höchst erfolgreich darum bemüht, alten, teils schon ein wenig angestaubten Melodien durch außergewöhnliche Arrangements, Improvisationen und mitreißenden Vortrag auf historischen Instrumenten wieder neues Leben einzuhauchen. Nachdem sie sich in ihren ersten Einspielungen auf englische und italienische Tanzmusik, Liebeslieder und europäische Weihnachtslieder konzentriert hatten, präsentieren die Playfords mit ihrer neuen Einspielung ‚The Hunt is Up‘ ein ganz besonderes musikalisches Highlight. Nach der 2011 veröffentlichten Auswahl italienischer Tanz- und Liebeslieder aus der Renaissance laden sie den Zuhörer ein weiteres Mal auf eine musikalische Zeitreise in diese Epoche ein, diesmal in die schillernde Welt der Theaterstücke William Shakespeares.

Altbekannt in neuem Gewand

Grundlage der musikalischen Präsentation ist das 2004 von Ross W. Duffin veröffentlichte ‚Shakespeare‘s songbook‘, in dem sämtliche Melodien, Lieder und Tänze aus den Dramen Shakespeares rekonstruiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Neben den Melodien und Texten erhält der Leser auch aufschlussreiche Hinweise zum Vortrag und zu einer stilgetreuen Aussprache der Texte. Auf der Basis dieser musikalisch-historischen Fundgrube haben die Playfords in ihrem Album ‚The Hunt is Up‘, erschienen beim Label Raumklang, eine Auswahl zusammengestellt, in der sie nicht nur ihr künstlerisches Können und ihr improvisatorisches Geschick unter Beweis stellen, sondern ebenso ihren Sinn für Humor.

Poesie voller Witz und Ironie

Dank ihrer stets lebendigen und frischen Vortragsweise fühlt sich der Zuhörer immer wieder aufs Neue mitgerissen von dem Charme der Texte, die teils ernste und klagende Inhalte haben, häufig aber auch ausgesprochen amüsant sind. Dies liegt einerseits an der im Booklet hervorragend beschriebenen Neigung Shakespeares zu Wortspielereien und ironischen Doppeldeutigkeiten, die durch die authentische Aussprache der Musiker erhalten bleiben. Andererseits sorgt auch die gekonnte Art und Weise, mit der die Playfords auch jene Texte verständlich machen, deren Worte sich auf den ersten Höreindruck nicht allen erschließen. Ein schönes Beispiel ist die Ballade vom tapferen Ritter Sir Eaglemore aus dem Drama ‚Two Gentlemen of Verona‘, dessen Tapferkeit hier nicht nur textlich, sondern auch musikalisch karikiert wird. Auch ohne konkretes Hintergrundwissen und Textverständnis wird deutlich, dass es sich hier um ein Spottlied handelt, in dem der Ritter schließlich in der Hauptsache als Trunkenbold entlarvt wird – gesanglich wunderbar nachgestellt durch die immer wiederkehrende Textzeile ‚fa la lanky down dilly‘, die in der entsprechenden Strophe regelrecht gelallt wird und aus mehreren dem Alkohol zusprechenden Kehlen zu kommen scheint.

Mitreißende Arrangements

Was die vorliegende Einspielung der Playfords in besonderer Weise auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie die verschiedensten Zuhörer mit ihren unterschiedlichen Interessen anspricht. Der Musikwissenschaftler entdeckt hier eine Fundgrube von Liedern, Texten und Aufführungsmaterial aus einer weit zurückliegenden Epoche, aber der musikalische Laie wird nicht weniger Vergnügen an der CD haben. Schon beim ersten Hören sind es die ungekünstelten, lebendigen Arrangements und die teilweise außergewöhnliche Wahl der Instrumente, die ihm hier von Anfang an entgegen klingen. Schon die ersten temperamentvollen Klänge von Blockflöte und Gitarre versetzen ihn in die damalige Welt des Theaters und sorgen dafür, dass er die Bühne und die Darsteller geradezu vor seinem inneren Auge sehen kann. Auch die lautmalerische Komponente kommt nicht zu kurz, wenn beispielsweise der Klang einer Maultrommel das charakteristische Springen des Hasens in 'An Old Hare Hoar' musikalisch untermalt. Hervorzuheben ist neben der hohen künstlerischen Qualität der Präsentation stets auch der Aspekt des Lässigen, Entspannten, der neben dem dramatischen Element sicherlich ebenso charakteristisch für die Werke Shakespeares ist und auch vor rauen, derben Klängen nicht zurückschreckt. Ein durchgängig homogener Klang und eine stimmliche Ausgewogenheit, bei der die Sänger auf jede Form übermäßigen Vibratos bewusst verzichten, sorgen dafür, dass die Interpretation in jeder Hinsicht idiomatisch klingt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    The Hunt is up: Shakespear's Songbook

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Raumklang
1
16.01.2015
Medium:
EAN:

CD
4018767034042


Cover vergössern

Raumklang

Das Label RAUMKLANG wurde 1993 von Sebastian Pank in Leipzig gegründet. Nach wie vor steht der Name Raumklang für ein authentisches Klangerlebnis. Die Aufnahmen entstehen überwiegend mit nur einem Stereo-Kugelflächen-Mikrophon (One-Point-Recording).
Den Schwerpunkt aller RAUMKLANG-Veröffentlichungen bildet die Alte Musik. In jüngster Zeit ergänzt neben experimenteller/zeitgenössischer Musik eine Reihe mit Weltmusik das RAUMKLANG-Programm. Für seine aufwendig produzierten und anspruchsvoll gestalteten CDs mit ausführlichem Begleitheft erhielt RAUMKLANG bereits zahlreiche begehrte Auszeichnungen, darunter "Grand Prix de l'Académie Charles Cros" und den "Diapason 5".
Seit 1998 liegt der Hauptsitz des Labels auf Schloss Goseck in Sachsen Anhalt, auf dem sich in den letzten Jahren das "Europäsiche Musik- und Kulturzentrum" sowie ein Zentrum für Archäologie (7000 Jahre altes Sonnenobservatorium) etabliert haben. Nicht zuletzt aus dieser Verknüpfung ergeben sich zahlreiche Kontakte zu renommierten Künstlern der Alten Musik im In- und Ausland.
Seit 2003 veröffentlicht RAUMKLANG verschiedene Editionen. Jede Edition wird von einem anderen Produzenten herausgegeben und erweitert damit die Vielfalt des Labelrepertoires. So erscheint neben edition raumklang von Sebastian Pank (Schloss Goseck) die marc aurel edition in Köln, gegründet von Aurelius Donath. Aus der Zusammenarbeit mit der berühmten Schola Cantorum Basiliensis (SCB) in Basel hat sich die schola cantorum basiliensis edition ergeben. In dieser Reihe stellt der Produzent Thomas Drescher (stellv. Direktor der SCB) viel versprechende Absolventen aus Basel vor. 2005 entstand aus den engen Kontakten zur Musikstadt Leipzig eine weitere neue Edition: Unter dem Namen edition apollon veröffentlicht nun das international bekannte Vokalesemble "amarcord" seine CDs.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Raumklang:

  • Zur Kritik... Nordisch: Wenn Sjaella die anderen Himmelsrichtungen mit der gleichen Verve und dem gleichen künstlerischen Temperament angeht, dann besteh Grund zur Vorfreude. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Bach in der virtuosen Gruppe: Warum diese Aufnahme von Harmony of Nations seit 2010 unveröffentlicht blieb, ist nicht leicht verständlich: Zu sehr überzeugt das Material, wird der schöne programmatische Ansatz mit exzellentem Spiel nobilitiert. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ideale Konstellation: Wunderbarer Schubert: Noch im harmlosesten kleinen Stückchen sind so viel Witz und stupendes Können zu erleben, dass es sich unbedingt lohnt, das zu hören. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Raumklang...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Uta Swora:

  • Zur Kritik... Stimmiges Klangporträt: Mit Kompositionen von Schubert und Schumann zeichnen Christian Mattick und Mathias Huth ein musikalisches Aquarell der Romantik, wie es farbenfroher und in sich stimmiger kaum sein könnte. Das Duo beschert dem Zuhörer Kammermusik auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Berauschend: Das Duo imPuls, das die berühmten Präludien Bachs in einem völlig anderen Licht präsentiert, geht mit dieser CD-Veröffentlichung ein revolutionäres Wagnis ein. Wer sich allerdings auf den ungewöhnlichen Klanggenuss einlässt, wird reich belohnt werden. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Klangmalerei am Klavier: Die Klaviermusik von Igor Shamo ist eine bunte Mischung aus impressionistischen, freitonalen, folkloristischen und Jazz-Elementen. Dimitri Tchesnokov versteht es, jede dieser Nuancen kunstvoll und mit viel pianistischem Geschick zu gestalten. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Uta Swora...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Klare Diktion: Yu Mi Lee unternimmt auf ihrem Debüt-Album eine fesselnde Reise nach Russland. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Pianistisch durchleuchtet: Der Amerikaner Garrick Ohlsson bietet in seinem Falla-Programm etwas weniger Spanien als andere Interpreten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich