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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Schostakowitsch, Dimitri - Violin Concertos

Intensive Erruptionen


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schon beim Einstieg in diese 2000er Produktion mit Violinkonzerten von Schostakowitsch und Tschaikowsky – ganz brandneu ist sie ja nicht mehr, denn mit anderem Cover ist die CD schon einmal bei Arte Nova zu sehen gewesen – offenbart sich der lupenreine, inspirierende Violinton der Ausnahmesolistin Ai-Latica Honda-Rosenberg. Sie stammt von einem japanischen Vater und einer jüdisch-kroatischen Mutter ab und wuchs im ostwestfälischen Lemgo auf. Ersten Violinunterricht erhielt sie bei dem Bündener Violinpädagogen August Wilhelm Torweihe (1911-1994), der einige, heute renommierte Musikerpersönlichkeiten herausbrachte; u.a. neben Latica Honda-Rosenberg auch Miriam Contzen, den Solobratscher des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, Hermann Menninghaus sowie die Mitglieder, bzw. Exmitglieder der Berliner Philharmoniker Tanja Schneider, Julia und Cornelia Gartemann.

Schon früh erfuhr Honda-Rosenberg Förderung durch ihre musischen Eltern. Bereits 9-jährig erhielt sie Unterricht an der Musikhochschule Detmold beim unvergesslichen ungarischen Violinvirtuosen Tibor Varga, der, bald 82-jährig, seit seiner Emeritierung nahe dem schweizerischen Sitten (Wallis) residiert. Dort findet alljährlich das Festival Tibor Varga statt. Vargas Meisterkurse dort waren nämlich ein weiterer Baustein in der Künstlerbiografie der heute 31-jährigen Latica Honda-Rosenberg. Ihr Konzertexamen absolvierte die junge Violinistin vor 10 Jahren in der Virtuosenschule von Zakhar Bron in Lübeck. Den Karrieredurchbruch schaffte sie 1998, als sie den 2. Preis beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb errang. Vielleicht deshalb scheint die in Hannover lebende Solistin so prädestiniert für die großen russischen Violinkonzerte von Dmitri Schostakowitsch (Violinkonzert Nr. 1 a-Moll op. 77 David Oistrach gewidmet) und Peter Tschaikowsky (D-Dur op. 35).

Schon das Nocturne: Moderato von Schostakowitschs erstem Violin-Konzert, das vor bald 50 Jahren in Moskau aus der Taufe gehoben wurde, gibt den Blick frei auf große Violinspielkunst. Das Zusammenwirken von Solistin und dem Symphonie Orchestra RTV Slovenia unter der Leitung von Lior Shambadal ist einzigartig ineinandergreifend und ermöglicht dem Hörer ein beruhigtes sich Zurücklehenen, weil er spürt, dass hier unmissverständlich am Kern einer Sache operiert wird. Da baut sich eine immense Spannung auf, die durchweg vom brillanten Klang der 1732-er Domenico-Montagnana (1683-1756)-Violine dominiert wird. Jede Nuance ist erlebbar, da Lagen- und Saitenwechsel unglaublich sensibel erfolgen. Die fahle Stimmung des Satzes fängt Honda-Rosenberg genial ein. Das Scherzo im Anschluss blüht in seiner Derbheit auf und offenbart die unerschöpfliche technische Versiertheit der Solistin, die tollkühn die Doppelgriffe meistert, ohne intonatorische Einbußen zu offenbaren. Sarkasmus à la Schostakowitsch steuert das hellwache Orchester bei.

Beim Vergleich des Satzes mit Hillary Hahns letzter, hochgerühmter Aufnahme, stellt der Hörer ernüchtert fest, dass die Hahn zwar das Tempo forciert (sie ist eine Minute schneller) , Honda-Rosenberg aber die intensivere Musik bietet. Bemerkenswerterweise schreibt der Komponist als Tempobezeichnung ‘Allegro’ und keineswegs ‘Presto’, wie die Hahn-Aufnahme vermuten lässt. Lediglich der Sound der Oslo-Philharmonie ist runder, geschmeidiger, schlicht besser und die Bläsersolisten arbeiten bei den Skandinaviern ausgeglichener, wie sich an der Passacaglia-Einleitung unschwer erkennen lässt.
Aufnahmetechnisch klaffen bei der Oehms-Produktion kleine Lücken. Musikalisch und violintechnisch (unglaubliche Oktaven) ist das Ergebnis aber unbedingt anhörenswert. Diese Solistin ruft nach den besten Orchestern und Plattenfirmen der Welt, um ihr Potential voll entfalten zu können. Außerdem ist ihr Auftritt ein Plädoyer für Schostakowitschs Musik. Der Tschaikowsky ist solideste Maßarbeit: da vereint sich brillanter Klang mit fundierter Technik, ja selbstloser, sprühender Virtuosität (Finale) und beseelter, abgrundtiefer Musikalität (Canzonetta). Dazu addiert sich das gewisse etwas, was manche Konkurrentinnen und Konkurrenten eben nicht besitzen.
Latica Honda-Rosenberg zählt zu den geigerischen Ausnahmetalenten, deshalb sollte jeder Geigenmusik-Fan sie einmal live gehört haben, oder eine CD von ihr besitzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dimitri: Violin Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
02.01.2006
76:15
2000
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4260034862258
OC 225

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Schostakowitsch, Dimitri
Tschaikowsky, Peter


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Dirigent(en):Shambadal, Lior
Orchester/Ensemble:Symphony Orchestra RTV Slovenia
Interpret(en):Honda-Rosenberg, Latica (Violin)


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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