> > > The Royal Ballet: The Winter's Tale
Dienstag, 19. November 2019

The Royal Ballet - The Winter's Tale

Wenn Liebe Eifersucht besiegt, gewinnt das Leben


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Uraufführung von 'The Winter's Tale', eines Balletts von Christopher Wheeldon mit Musik von Joby Talbot, liegt nun in einem empfehlenswerten Mitschnitt auf DVD vor.

Das sei ein Schmarren, aber ein unsterblicher, so Alfred Kerr über Shakespeares vorletztes Stück 'The Winter‘s Tale' (Das Wintermärchen). Georg Hänsel bezeichnet es in seinem Schauspielführer ‚Spielplan‘ als eines der großen Stücke Shakespeares; er ordnet es in seiner Beschreibung neben ‚Hamlet‘, ‚Othello‘, ‚König Lear‘, ‚Maß für Maß‘, ‚Der Kaufmann von Venedig‘, ‚Ein Sommernachtstraum‘ oder ‚Romeo und Julia‘ ein. Als Shakespeare dieses phantastische Stück schrieb, lief seine Zeit schon ab, und in keinem anderen seiner Stücke spielt der Ablauf der Zeit eine dermaßen entscheidende Rolle wie in diesem Wintermärchen, in dem in wunderbarer geografischer Unkenntnis Böhmen am Meer liegt und es demzufolge eine direkte Schiffsverbindung nach Sizilien gibt.

Dieses Stück gibt es jetzt als Ballett, ein Auftrag des Royal Ballet in London für den Choreografen Christopher Wheeldon und den Komponisten Joby Talbot. Dass Handlungsballette beim Publikum beliebt sind, ist bekannt; dass die Londoner aber mit 'The Winter‘s Tale' an Wheeldons und Talbots Erfolg mit 'Alice‘s Adventures in Wonderland' anknüpfen konnten, war so nicht vorauszusehen. Diese Kreation war inzwischen in 2500 Kinos zu sehen. Bei Opus Arte liegt jetzt eine DVD des Mitschnitts der Welturaufführung vom 10. April 2014 im Royal Opera House vor. Peter Maning leitet das Orchester des Royal Opera House, die Ausstattung ist von Bob Crowley, für das wunderbare Licht dieses Wintermärchens ist Natasha Katz verantwortlich und für die nicht unwesentlichen Projektionen Daniel Brodie.

Man hat es mit einem großen Ballett mit Prolog in drei Akten zu tun, ganz klassisch und doch in der Wahl choreografischer Erzählweisen und der dazu eigens komponierten Musik ebenso gegenwärtig und dennoch meilenweit entfernt von dem, was man gerne ‚Tanztheater‘ nennt. Das ist ein Ballett und allen Freunden dieser Kunst nur zu empfehlen, weil es einmal mehr auf nachdrückliche Weise zeigt, dass diese Kunst längst nicht ausgereizt ist und es keinen Anlass gibt, die Spitzenschuhe auszuziehen.

Da ist die Opulenz großer Bilder, dazu Musik, die auch gerne einen Hollywoodfilm zum Erfolg verhelfen könnte. Da ist aber auch die so genaue wie tänzerisch überzeugende Charakterzeichnung, etwa in den kantigen, so verzweifelten wie Gefahr verheißenden Bewegungen des Königs Leontes von Sizilien, der seiner Eifersucht gegenüber seiner Gattin Hermione nicht Herr werden kann. Was der Tänzer Edward Watson in dieser Partie an so kalter wie regelrecht kriminell reagierender Emotion hier zeigt, das gehört zu den starken Momenten dieser Aufführung. Der Verdacht richtet sich gegen seine Gattin Hermione, in sensibler Verzweiflung getanzt von Lauren Cuthbertson, und den zu Besuch weilenden König von Sizilien, Frederico Bonelli als Polixenes. Dass Hermione genau nach neun Monaten, wenn dieser Freund abreist, eine Tochter zur Welt bringt, treibt den Gatten in den Wahn und er befiehlt dieses Kind auszusetzen.

Der eisigen Kälte dieses Teiles, in dem die Frauen fest geschnürt sich ihrem Leiden anheimgeben, folgt dann die Opulenz einer folkloristischer Frühlingsfeier unter einem mit unzähligen Liebesamuletten behängten Baum im fernen Böhmen, das hier ja bekanntlich am Meer liegt. Es sind 16 Jahre vergangen, die verstoßene Tochter und hier einst ausgesetzte Perdita tanzt mit ihrem Liebsten, dem jungen Prinzen Florizel, und wer könnte der Sprunglust eines so charmanten Tänzers wie Steven McRae widerstehen? Sarah Lamb als Perdita kann es nicht, und das Publikum schon gar nicht. Überhaupt gestattet der Choreograf Christopher Wheeldon seinen männlichen Protagonisten mehr tänzerische Höhenflüge als den Frauen dieses Märchens, das ganz genregemäß am Ende gut ausgeht und alle Toten, die wie Hermione in Wahrheit versteckt waren, wieder ins Leben und die Getrennten zusammen bringt.

Choreografisch und musikalisch ist dieses Ballett nach Shakespeare sicher nicht immer an anderen Choreografien nach dessen Stücken wie 'Romeo und Julia' von John Cranko oder 'Othello' von John Neumeier zu messen. Tänzerisch und optisch hingegen bekommt man Unterhaltung auf hohem Niveau geboten. Und so wie es ein Anlass für den Choreografen war, die Stärken dieser Kompanie zu nutzen und neue Sichtweisen für das Publikum zu finden, so kann das Ansehen dieser DVD ein Gewinn sein, den es in bestem Sinne positiv kritisch zu würdigen gilt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
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Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Royal Ballet: The Winter's Tale

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
16.02.2015
Medium:
EAN:

DVD
809478011569


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Opus Arte

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