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Montag, 20. Januar 2020

Sabadus, Valer - Mozart Castrato Arias

Expressivität und Sinnlichkeit


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Valer Barna-Sabadus singt Mozart – und zwar traumhaft schön!

Wenn sich Countertenöre an Mozart wagen, dann darf man zu Recht gespannt sein – denn so manches liegt dann doch etwas hoch und Mozarts Musik bietet in ihrer Luzidität keine Möglichkeit, technische Mängel oder stimmliche Schwächen zu verstecken. Bei Michael Maniaci mündete dieses Unterfangen vor einigen Jahren in einem leider fragwürdigen Mozart-Album. Auf der Bühne funktioniert das Counter-Mozart-Experiment oftmals ziemlich gut, vor allem dann, wenn man Sängerdarsteller wie Franco Fagioli, David Daniels, Brian Asawa oder David Hansen zu Verfügung hat, die in 'Mitridate' oder 'Idomeneo' – und Hansen jüngst sogar als Cherubino – ihre außerordentliche Kunst unter Beweis stellen können.

Ein ganzes Mozart-Album aufzunehmen, ist ein Statement, ein zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung fraglos selbstbewusster Schritt, sich dieser Aufgabe gewachsen zu fühlen. Und was der junge Valer Barna-Sabadus auf seinem kürzlich erschienenen Album ‚Mozart – Kastratenarien‘ zu Gehör bringt, muss alle Zweifler verstummen lassen. In Bezug auf Tonschönheit, die Kombination von vokaler Eleganz, dramatischer Emotion gepaart mit technischer Souveränität macht ihm das heute vermutlich kein namhafter Fachkollege nach.

Die Arien-Auswahl stützt sich auf Partien, die Mozart dezidiert für Kastraten geschrieben hat – einziger ‚Ausreißer‘ ist das 'Voi che sapete' des Cherubino aus 'Le nozze di Figaro'. Aber wer wollte das verübeln. Es spricht vielmehr für Barna-Sabadus‘ hohe Musikalität als gegen die wissenschaftliche Strenge eines Album-Konzepts. Wer dieses Liebesständchen am Ende der CD gehört hat, möchte es ohnehin nicht mehr missen.

Zwei Arien des Ramiro aus 'La finta giardiniera' eröffnen das Programm. Barna-Sabadus entledigt sich der perlenden Läufe und Verzierungen in 'Se l‘augellin sen fugge' mit spielerischer Leichtigkeit, füllt sie aber mit Sinn und Ausdruck. Die Innigkeit, mit der er danach 'Dolce d‘amor compagna‘ aus derselben Oper oder 'Pupille amate' aus 'Lucio Silla' zu Gehör bringt, ist betörend. Die Stimme fließt ruhig, fast instrumental, wäre da nicht ein feines Vibrato, das den sirenenhaften Klang durch und durch menschlich macht. Die zart angetippten Höhenpiani am Ende von 'Pupille amate' lassen beglückt den Atem stocken.

Mit 'Il tenero momento' aus 'Lucio Silla' ist ein Höhepunkt der CD erreicht. Wieder verzaubert die ätherische Höhe, die ohne Druck entsteht, die Koloraturen sind emotional unterfüttert und auch die geforderten extremen Tiefen springen an, nicht besonders farbintensiv, aber immerhin ohne Effekthascherei. So geht es weiter: Sestos 'Deh, per questo istante solo' verdeutlicht noch einmal, weshalb Valer Barna-Sabadus auch auf der Bühne 2010 ein umjubelter Sesto gewesen ist, und nach 'Non ho colpa' freut man sich auf seinen ersten Idamante.

Die bei Oehms erschienene CD ist ein Mitschnitt vom Dezember 2013 in Graz – die Gesamtspieldauer beträgt leider nur knappe 50 Minuten, doch jede Sekunde ist purer Genuss. Daran hat nicht zuletzt das junge Ensemble recreation – Großes Orchester Graz unter der Leitung von Michael Hofstetter seinen Anteil. Hofstetter und seine Musiker gehen flexibel und wohltuend unaufgeregt zu Werke. Die Ouvertüre zu 'Lucio Silla' ist frei von überakzentuierten Schroffheiten, hat aber trotzdem klare Kontur und einen beherzten Zugriff. Allein schon die Energie, mit der die Streicher sich ins Zeug legen, unterstützt von lebendigen Klang der Holzbläser, ist gewinnend. Im Zusammenspiel mit dem Solisten bieten die Musiker diesem sowohl einen dialogischen Gegenpart als auch eine grundsolide Basis, um sich virtuos entfalten zu können. Mit sinnlich getupften Pizzicati in 'Voi che sapete' verklingt dieses besondere Mozart-Album. Da heißt es dann: da capo.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sabadus, Valer: Mozart Castrato Arias

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
16.02.2015
Medium:
EAN:

CD
4260330918147


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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