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Montag, 26. August 2019

Orpheus - Theatre National de Chaillot

Rasant und schräg, mit Temperament und voller Poesie


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser 'Orpheus' von Dominique Hervieu und Jose Montalvo ist bietet faszinierendes Tanztheater.

Hier singen die Tänzer, hier tanzen die Sänger, hier kommen in der musikalischen und tänzerischen Spanne von Barock bis Breakdance klassische Passagen mit Spitzentanz im Wechsel mit HipHop und anderen Street-Dance-Varianten auch so gut wie alle Motive zusammen, die ausgehend von den unterschiedlichen Quellen des Orpheus-Mythos Künstler über die Jahrhunderte angeregt haben. Opern, Ballette, Filme gibt es über diesen Sänger, dessen Töne die Herzen aller Lebewesen erreichte und erweichte, dem es sogar gelang, kraft des Gesanges die geliebte Eurydike von den Toten zu erwecken, somit die Macht des Todes zu brechen – auch wenn er die Geliebte wieder verliert, weil er die Auflage, sich auf dem Weg aus dem Hades nicht nach ihr umzusehen, wegen ihres schmerzhaften Schweigens nicht erfüllen kann. Der Sohn einer Muse konnte mit seinem Gesang zum Spiel der Lyra sogar die Gewalten der Natur bannen und die gefährlichen Klänge der Sirenen übertönen. Am Ende aber wird er von wilden, dionysisch berauschten Mänaden zerrissen; es heißt, er habe sich von der Liebe zu Frauen losgesagt und Knaben zugewandt.

Das ist der Stoff, aus dem man Theater macht, Theater mit Musik und Tanz und großen Bildern – das ist ein Thema für Künstler wie Dominique Hervieu und José Montalvo. Musik, Musik, Musik: Dies ist einer der vielen Eindrücke die diese Aufzeichnung ihrer choreografischen Produktion 'Orpheus' aus dem Pariser Théâtre national de Chaillot aus dem Jahre 2010 hinterlässt. Das ist ein musikalischer Parforceritt durch die Jahrhunderte, William Byrd, Monteverdi, Gluck, Tschaikowsky, Philipp Glass, in einer pfiffigen Verfremdung klingt auch Offenbach an, dazu kommen Passagen von Yvan Talbot, Giuseppe Maria Jaccini und noch etliche andere, wie etwa die von La Secte Phonétik. Wir begeben uns mit diesem Orpheus auf eine phonetische Reise durch etliche Kulturen der Welt, denn zu den vertrauten Klängen aus europäischen Traditionen unterschiedlicher Epochen kommen die der dunkelhäutigen Protagonisten in diesem Ensemble orphischer Weltklänge.

Tanz, Tanz, Tanz: Das sind die anderen Eindrücke. Und auch hier kommen die unterschiedlichen Stile zusammen, hier werden die Grenzen aufgelöst. Die Sänger tanzen, die Tänzer singen, der Akrobat auf einem Bein überwindet im Tanz die Schwerkraft und ein Artist auf hohen, federnden Stelzen vollführt Varianten des tanzenden Wahnsinns, die in ihrer Art der Überwindung des Üblichen mit dem Mythos von der alle Grenzen zerbrechenden Kraft des Gesanges korrespondieren.

Und Bilder, Bilder, Bilder: Dominque Hervieu und José Montalvo holen die Geschichte in die Gegenwart und schaffen einen so wunderbaren wie überzeugenden poetischen Rahmen. Wer in Paris war, kennt sie, die Auslagen der Bücherverkäufer an den Promenaden der Ufer an der Seine. Und hier schlendert der einbeinige Akrobat und Tänzer Brahem Aïache, blättert in Büchern, wird fündig, legt sich unter einen Baum und beginnt zu lesen. Am Ende wird er erwachen, zu Ende lesen und weitergehen. Was er liest, was er erlebt, das sehen wir in dieser grandiosen Abfolge von Bildprojektionen, bei denen wir auf Pariser Straßen die herrlichsten Geschöpfe aus dem Fundus der surrealen Fantasien begegnen. Immer wieder – ganz im Stile der berühmten Prager Laterna Magica – verschwinden Menschen im Medium des Films, um verändert wieder herauszutreten oder mit sich selbst in einen bewegten oder klingenden Dialog zu treten.

In so bewegte wie bewegende Dialoge der Klänge, der Geräusche und vor allem des Tanzes treten auch die Protagonistinnen und Protagonisten dieser Produktion, deren Herkunftsorte mehr oder weniger erkennbar, auf jeden Fall aber höchst unterschiedlich sein dürften.

Dass diese Produktion bereits fünf Jahre Jahre alt ist, merkt man ihr ebenso wenig an wie der schon etliche Jahre früher entstandenen choreografischen Inszenierung der Barockoper 'Les Paladins' von Rameau. Wer sie kennt, wird gerne die Handschriften von Dominique Hervieu und José Montalvo wiedererkennen. Und den Verantwortlichen ist es auch in diesem Falle gelungen für diese DVD die Atmosphäre des Theaters einzufangen und bei geschickter Kameraführung und Schnitttechnik die Bühnensituation auf den Bildschirm zu übertragen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Orpheus: Theatre National de Chaillot

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
19.01.2015
Medium:
EAN:

DVD
807280220698


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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