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Donnerstag, 4. Juni 2020

Bach, Johann Sebastian - Oboensonaten

Neues vom neuen Oboen-Star?


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ramón Ortega Quero hat das Label gewechselt, nicht jedoch die Mit-Musiker seines 2011 mit dem ECHO prämierten Debüt-Albums 'Shadows'. Auch die Übertragung beliebter barocker Werke auf sein Instrument bleibt das (vermeintliche) Erfolgsrezept.

Nach zwei interpretatorisch beachtlichen, klangtechnisch aber weniger zufriedenstellenden Aufnahmen für das kleinere Label Genuin (2011/2012) hat der spanische Oboist – als Orchestermusiker erprobt beim West-Eastern Divan Orchestra und seit 2008 beim Münchner Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – vorliegende Produktion bereits im Januar 2014 in der Sendlinger Himmelfahrtskirche eingespielt. Mit von der Partie sind wieder Peter Kofler am Cembalo und Louise Buchberger als Continuo-Spezialistin am Barockcello. Ortega Queros neues Label Berlin Classics hat also genau das ECHO-prämierte Team eingekauft, das 2010 schon eine Mischung barocker Sonaten von Blavet bis Vivaldi und Veracini präsentierte, teils im ‚Original‘ mit Oboe, teils als – nach barocker Praxis gängige – Adaption etwa von Violin- oder Flötensonaten wie auch hier im Falle Bachs: Gesetzt wird auf ein durchaus ‚populäres‘ Programm, dessen Kern die kaum umzuarbeitenden Sonaten für Flöte in e-Moll (BWV 1034) und für zwei Flöten in G-Dur (BWV 1039) bilden; letztere ist schon eine Umarbeitung Bachs der Gambensonate BWV 1027 zur Triosonate, und auch die dritte ‚neue Oboensonate‘ folgt der (Flöten-)Übertragung von Henrik Wiese einer weiteren Gambensonate (g-Moll BWV 1029). Vergleichsaufnahmen gibt es hier also durchaus einige, wenn auch mit anderen Instrumentalfarben, und auch im Falle der von Ramón Ortega Quero selbst umarrangierten Suite c-Moll BWV 997 (für Lautenwerk bzw. meist gespielt auf der Laute) ist vor fast zwanzig Jahren schon einmal eine Version mit Oboe und Cembalo auf CD erschienen (Kurt Maier und Johann Sonnleitner auf Koch Discover, ebenfalls ergänzt um adaptierte Flöten- und Trio-Sonaten). Ein Arrangement dieser viersätzigen 'Partita' stellt übrigens keine große Kunst dar: Die erhaltenen Manuskripte zeigen bereits eine ausgearbeitete Oberstimme, zu der ein (unbezifferter) Basso hinzutritt, der wie ein Generalbass akkordisch ausgesetzt wird; eher untypisch für Bach, wird – außer in der 'Fuga' – die fast nahtlos tänzerisch bewegte Oboenstimme meist nur akkordisch unterlegt, teilweise im Cembalo gedoppelt, selten alternierend ergänzt – insgesamt ist das sehr Solo-orientiert angelegt und wird auch so dargeboten.

Virtuosität im Vordergrund

Wie im Falle zweier Violinkonzerte Bachs, die Ortega Quero mit der Kammerakademie Potsdam für Genuin eingespielt hat, und auch seinem Teamwork mit Janine Jansen im (rekonstruierten) Doppelkonzert BWV 1060 (erscheinen bei Decca) dürfte weniger eine historisch orientierte und informierte Darbietung das Ziel der Produktion gewesen sein als vielmehr die eindrucksvolle Vorführung der spieltechnischen Fähigkeiten des bzw. der Protagonisten. Die Oboe – im Falle von BWV 1039 auch die zweite Oboe, gespielt von Tamar Inbar, Queros Ehefrau – wird aufnahmetechnisch schon sehr bevorzugt und deckt das durchaus ansprechende Cembalo- und Continuospiel der beiden anderen Musiker meist zu sehr zu (wobei die Plastizität zumindest des Oboenklanges aber gut vermittelt erscheint). Da konzeptuell ein gleichbleibendes, oft recht hohes und manchmal sogar fast atemloses Großtempo bevorzugt wird, dynamische Kontraste aber satzintern kaum eine Rolle spielen, entsteht nach meinem Eindruck über die mit 53 Minuten gar nicht so lange Programmstrecke hinweg eine gewisse Eintönigkeit. Eine Empfehlung als gefällige Hintergrundmusik zum Entspannen oder Tafeln mag zwar bösartig klingen, wer sich jedoch vertiefen möchte in die an sich ja vielschichtigere, spannende Musik, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht werden: Große, berührende Momente oder auch hinterlistige Ausarbeitungen polyphoner Strukturen, wie sie viele Einspielungen gerade der Gambensonaten aufweisen, habe ich leider nicht wahrnehmen können. Der Oboist spricht in seinem mittlerweile für solche Star-Produktionen üblichen ‚persönlichen Vorwort‘ im Booklet – das neben sieben Seiten ausführlicher Künstlerporträts auch fünf informative Seiten zur Musik enthält – von ‚reiner künstlerischer Ausdrucksfreude und der Liebe zu dieser Musik‘ und von den schönen Momenten, die die Musiker bei der Einspielung miteinander teilten. Was sich musikalisch mitteilt, ist zwar eine beachtliche Spielfreude nebst höchstem instrumentalem Vermögen, was zum Mitwippen einlädt – kaum aber, gerade in den ariosen Adagio-Sätzen, ein zum Mitleiden animierendes Spiel mit an Vokalmusik orientierten Affekten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Oboensonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
27.02.2015
Medium:
EAN:

CD
885470006482


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Interpret(en):Ortega Quero, Ramon


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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