> > > Dvorak, Antonin: Requiem op. 89
Mittwoch, 13. November 2019

Dvorak, Antonin - Requiem op. 89

Das Requiem als Musikdrama


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Antonin Dvořaks monumentaler Orchesterklang wird in der Totenmesse auf verschiedene Fährten des musikalischen Ausdrucks geführt. Chor und Orchester der Warschauer Philharmonie glänzen in musikalischer Düsternis.

Das Requiem als heilige Messe für Verstorbene wurde seither von vielen Komponisten als sowohl textliche als auch strukturelle Grundlage genutzt. Zu den bekanntesten Vertonungen zählen beispielsweise die Requiem-Beiträge von Gabriel Fauré, Wolfgang Amadeus Mozart oder Giuseppe Verdi. Antonín Dvořaks 'Requiem' entstand als Auftragswerk für die Musikfestspiele Birmingham im Jahr 1891. Er nutzte dafür eine große romantische Orchesterbesetzung mit zusätzlichen Instrumenten wie Orgel, Tam-Tam, Harfe oder das in Dvořaks Orchestermusik in besonderer Weise verwendete Englischhorn.

Für das 'Requiem' nutzt Dvořak ein musikalisches Motiv, das als roter Faden von Anfang bis Ende in unterschiedlichen Gestalten auftritt: Der Dominantton wird durch kleine Sekunden nach oben und unten umspielt – musikalisches Abbild klagevollen Seufzens. Zu Beginn des 'Introitus' oder des 'Graduale' ist das Motiv zu finden, ebenso im 'Tuba mirum' oder  im 'Lacrimosa'. Leicht variiert erscheint es auch im 'Quid sum miser' oder im 'Confutatis maledictis'. Derartige Motivarbeit erinnert vom Duktus eher an eine symphonische Dichtung.

Der erst spät bekannt und erfolgreich gewordene Komponist verfolgte in den 1890er Jahren stärker als zuvor eine musikdramatische Konzeption. Bereits das 'Kyrie' verfügt über große musikalische Vielfalt und ein beachtliches dynamisches Spektrum. Beginnend im bereits erwähnten Motiv mit Streicherfarben, erzeugen der hinzukommende Chor und die Pauke eine zusätzlich düstere Atmosphäre. Nach dem Ertönen der Trompete erhält der Satz plötzlich einen aufbrausenden Charakter, nahezu heldenhaft, bevor die Tenorstimme, hier in Person von Daniel Kirch, als erster Gesangssolist einsetzt und die dunklen Farben wiederkehren. Ein vom Chor gesungener Trugschluss beendet die in der Atmosphäre beständig wechselnden Duette, sowohl der weiblichen Solisten Christiane Libor (Sopran) und Ewa Wolak (Alt) als auch der männlichen Solisten Daniel Kirch (Tenor) und Janusz Monarcha (Bass).

Die ständige Verwendung chromatikdurchdrungener Motivik beschwört einen immerzu klangenden Charakter der Gesangspassagen. Im 'Recordare, Jesu Pie' lässt sich der solistische Höhepunkt ausmachen, was sich für den Hörer durchaus abwechslungsreich gestaltet, da die Solisten einander imitieren und in Ensembles zusammentreten.

Einige Themen oder Motive meint man aus dem Sinfonieschaffen Dvořaks zu kennen. Die nur kurze Zeit später uraufgeführte Neunte Sinfonie 'Aus der Neuen Welt' (1893) enthält einige bereits im 'Requiem' angedeutete Motive, beispielsweise die Anfangssequenzen des 'Recordare, Jesu pie'.

Das Orchester und der Chor der Warschauer Philharmonie liefern mit der Aufnahme des Dvořak-Requiem ein herausragendes Zeugnis musikalischen Ausdrucks. Den Musikern unter der Gesamtleitung von Antoni Wit gelingt es beispielhaft, das Farbenspiel der Musik Dvořaks einzufangen, hinzukommt die dynamische Flexibilität und Arbeit mit klanglichen Effekten. Chor und Orchester unterstützen die Passagen der Gesangssolisten mit beeindruckender Zurückhaltung, wodurch summa summarum eine empfehlenswerte Aufnahme eines großen Werkes entstanden ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Requiem op. 89

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
01.12.2014
Medium:
EAN:

CD
747313287475


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Naxos

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