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Montag, 25. Oktober 2021

Vom Himmel hoch - Europäische Weihnachtsmusik aus dem Konstanzer Münster

Europäische Weihnachtsmusik einmal anders


Label/Verlag: Spektral
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Verbindung von Sopran, Violine und Orgel ist die Grundlage einer stimmungsvollen Weihnachts-Platte.

Das Münster zu Konstanz hat eine lange Baugeschichte; angeblich reicht sie bis in die frühmittelalterliche Zeit zurück. Bedeutend wurde das Bauwerk im 15. Jahrhundert, als ab 1414 für vier Jahre das Konzil in Konstanz einberufen wurde und man ebenda das westliche Kirchenschisma verabschiedete. Die Bauart ist vor allem durch gotische und romanische Elemente geprägt. Der Aufführungsort ist auch deswegen für vorliegende Einspielung von Bedeutung, weil es Ziel war, die bildende Kunst, die dort ausgestellt und für jedermann sichtbar ist, mit geistlicher Weihnachtsmusik zu verzahnen, womöglich in direkter inhaltlicher Verbindung. Man findet verschiedene Abbildungen vor Ort, etwa die Nachbildung des Heiligen Grabes oder die Grablegung Christi.

Das Bildnis zur Verkündung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel an Maria ist maßgebend für diverse heute bekannte Weihnachtslieder. So entstanden unter anderem das 'Ave Maria'– aufgenommen ist eine Komposition von Théodore Dubois –,'Joseph, lieber Joseph mein' und das im Bezug entfernt verwandte Stück 'Adeste fideles' (mit seinem englischen Pendant 'O come, all yefaithful'). So wurde eine beeindruckende und nur selten bewusst eingesetzte Verbindung zweier Künste geschaffen, die vor allem in der Weihnachtszeit eine besondere Atmosphäre schaffen kann.

Die Sopranistin Iris-Anna Deckert, der Violinist Ulrich Gröner und der Organist Markus Utz sind allesamt versierte Musiker. Das zeigt sich hier auf Schritt und Tritt. So brilliert Deckert mit Sibelius’ 'Julvisa' und veranschaulicht des Komponisten warme und emotionale Klänge, wohingegen Utz mit Sigfrid Karg-Elerts 'Adeste fideles' den Facettenreichtum der Konstanzer Orgel vorstellt. Das folgende 'Sanctus' zeigt eher die Begleitungsqualitäten jener Orgel, wobei sich die Violine durchaus hörenswert und virtuos in den Vordergrund spielt. Zuletzt erklingen vier geistliche Gesänge von Heinrich von Herzogenberg, bei denen sich alle drei Musiker und deren Klangfarben eindrucksvoll ergänzen: Singstimme und Violine imitieren einander, begleiten zuweilen den jeweils anderen, während die Orgel durch ihre Farbenvielfalt die Atmosphäre bestimmt.

Ein Aufnahmeprojekt mit einer Orgel in einer Kirche bringt immer technische Schwierigkeiten unterschiedlicher Art mit sich: Einerseits ist die Mikrofonierung immer eine besondere Herausforderung im Bezug auf Schallausbreitung im Kirchenraum, andererseits ist Kammermusik mit einer Orgel von Instrument zu Instrument unterschiedlich problematisch, was die Anpassung an Stimmung und Lautstärke betrifft. In Anbetracht dieser Schwierigkeiten erweisen sich die Musiker als sattelfestes Trio. Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die sich gut in der familiären Weihnachts-CD-Sammlung macht. Zudem erklingen einige Weihnachtslieder in einer möglicherweise wenig bekannten Version (z.B. das 'Ave Maria'), die im Vergleich zu ihren berühmten Konkurrenten (Vertonungen von Schubert, Gounod u.a.) kompositorisch ebenso anspruchsvoll geraten sind und sich darüber hinaus als durchaus hörenswert erweisen.

Interpretation:
Klangqualität:
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Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vom Himmel hoch: Europäische Weihnachtsmusik aus dem Konstanzer Münster

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spektral
1
07.11.2014
Medium:
EAN:

CD
4260130381325


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Spektral

S P E K T R A L :: Label für Musik und Medien :: wurde 2006 gegründet. Kreative Ideen und dynamische Strukturen sind die Basis des jungen Teams für innovative Projekte und Musikveröffentlichungen in den Bereichen CLASSICS, MODERN und HÖRART.

Die Begeisterung, hervorragende Musik in ihrer großen Vielfalt und Bandbreite einem interessierten Publikum zugänglich zu machen, ist das zentrale Anliegen, dem sich SPEKTRAL mit allen Sinnen und Liebe zum Detail verschrieben hat. Die Qualität der Künstler und ihrer Musik sind dabei oberstes Gebot. Damit wurde das Label innerhalb kürzester Zeit zu einer begehrten Adresse bei Musikern aus ganz Europa und Musikhörern in der ganzen Welt. Junge Künstlerpersönlichkeiten präsentieren sich ebenso mit ihren außergewöhnlichen CD-Produktionen wie renommierte Interpreten von internationalem Rang. So entstanden z.B. bereits Alben mit dem Bariton Franz Grundheber, dem Flötisten Jürgen Franz, Wolfgang Seifen (Orgel), dem ensemble cantissimo, dem Deutschen Saxophon Ensemble, oder dem Barockorchester L'Arpa Festante. Die Musik des 20. und des 21. Jahrhunderts bildet einen weiteren Schwerpunkt beispielsweise in der Reihe GRENZENLOS mit Kompositionen interkultureller Musikprojekte.

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