> > > Beethoven, Ludwig van: Klaviersonaten Nr. 30-32
Dienstag, 12. Dezember 2017

Beethoven, Ludwig van - Klaviersonaten Nr. 30-32

Inkarnat


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hier musiziert ein freier, feiner Geist.

Evgeni Koroliov ist in den siebziger Jahren aus der Sowjetunion emigriert. Seit den Neunzigern bringt er, ohne Hast, Platten heraus. Die Resonanz ist meistens euphorisch. Längst gilt Koroliov, nächst Sokolov, als bedeutendster russischer Pianist seiner Generation – ohne das russische Repertoire zu vertreten: Das ‚mitteleuropäische’ ist ihm zur Heimat geworden. Zumal sein Bach-Spiel wird begeistert aufgenommen. Stetiges Pulsieren und kontrapunktischer Gleichgewichtssinn zeichnen auch seine Beethoven-Darstellungen aus. Bei Tacet sind nun die spätesten Sonaten erschienen, op. 109 E-Dur, op. 110 As-Dur und op. 111 c-Moll.

Koroliovs Spiel ist durch höchste klangliche Raffinesse bestimmt. Alle Parameter – Harmonik, Rhythmus, Melodik – werden sinnvoll integriert. Anschlagswerte sind deutlich unterschieden, aber frei von Klischees: Staccato kann atmen, Legato wird nicht zum Brei. Die Triller klirren nicht, sie funkeln. Manche Phrasierung mag unorthodox scheinen – bald erschließt sich ihr Sinn. Die Gangart ist niemals mechanisch, sondern von innen belebt. Koroliov gelingt es, Nebenstimmen Gewicht zu verleihen – ohne dass sie den Vorrang des Themas anföchten.

In langsamen Sätzen waltet ein sanftes Pulsieren. Allegro-Strecken sind markig ohne Gewalt. Die 'Arietta' wird breit, aber nicht schwerfällig aufgefasst. Koroliovs Kraft der Versenkung schlägt den Hörer in den Bann. Sein Spiel bleibt jederzeit biegsam. Beleuchtungswechsel werden wachsam abgebildet, ein ausgeprägter Sinn für Zusammenhänge schafft Ordnung. Stehende Klänge scheinen belebt.

Dies ist nicht der grimmige Beethoven-Stil, den Solomon, Backhaus oder Serkin geprägt haben. Koroliovs Ton ist delikater, freier, humaner. Erfahrungen mit Bach und Chopin scheinen durch. Sein Beethoven geht nicht auf Kothurnen einher.

Koroliov spielt einen Steinway D. Gerd Finkenstein hat den Flügel sorgfältig vorbereitet, Andreas Spreer, Toningenieur, meisterlich aufgenommen. Die Jesus-Christus-Kirche, Berlin, bekannt von zahlreichen Karajan-Platten, stellt Hall und Räumlichkeit zur Verfügung. Nie kommen schwammige, verwaschene Akkorde zu Gehör. Noch der Diskant zeigt Fülle und Substanz. Der Bass ist fokussiert, der Ausgleich der Register gelungen.

Tacet leistet bessere Arbeit als Major-Labels. Dies gilt für Programmgestaltung und Klangregie, aber auch für die Beihefttexte. Thomas Seedorfs Essay ist kurz, aber inhaltsreich und verantwortungsvoll formuliert. Das Cover Julia Zanckers ist keineswegs bieder, doch frei von greller Präpotenz – eine stimmige Produktion.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klaviersonaten Nr. 30-32

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
04.12.2014
EAN:

4009850020806


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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