> > > Szymanowski, Karol: Violinkonzerte Nr. 1 & 2
Samstag, 4. Februar 2023

Szymanowski, Karol - Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Emphatischer Tonfall


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ihre neueste CD widmet die Geigerin Baiba Skride dem polnischen Komponisten Karol Szymanowski.

Nach ihren letzten CDs mit den Violinkonzerten Robert Schumanns (2013) sowie mit den Violinkonzerten Igor Strawinskys und Frank Martins (2012) hat die Geigerin Baiba Skride – erneut beim Label Orfeo – eine weitere lohnende Produktion herausgebracht. Im Zentrum stehen diesmal, sekundiert von dem aufmerksam und klar agierenden Oslo Philharmonic Orchestra unter Leitung von Vasily Petrenko, die beiden Violinkonzerte des polnischen Komponisten Karol Szymanowski, die sich während der vergangenen zwei Jahrzehnte erfreulicherweise zunehmend zu zentralen Repertoirewerken vieler Geiger entwickelt haben.

Dem Violinkonzert Nr. 1 op. 35 (1916), einem Werk, das sich vor allem durch die Abfolge unterschiedlicher, klanglich definierter Atmosphären auszeichnet, nähert sich Skride mit einer für sie typischen Formung des Violintons an: Bereits die Kantilene nach dem Eingangstutti weist eine warme Tongebung auf, die zur Emphase neigt. Einerseits sorgt die Geigerin im Folgenden mit feinen Abstufungen des Vibratos dafür, dass dieser Tonfall nicht ins Kitschig-Süßliche umschlägt; andererseits gibt sie aber auch dort, wo das Orchester in lyrischen Ausbrüchen schwelgt, ihrem Hang zur intensiven Tonfülle nach. Dies passt sehr gut zur wellenförmigen Steigerungsanlage des Werkes, die schließlich in die groß angelegte Kadenz führt.

Im Violinkonzert Nr. 2 op. 61 (1932) reichert Skride ihr Spiel zwar – entsprechend Szymanowskis Strategien, bei der Konzeption auf Spieltechniken folkloristischen Musizierens zurückzugreifen – mit etwas stärkeren Graden von Rauigkeit an; doch hält sie sich dabei erstaunlicherweise zurück und kehrt stattdessen auch diesmal die lyrische Seite der Musik nach außen. Diese Entscheidung führt letzten Endes dazu, dass sich der solistische Tonfall des kompositorisch doch ganz anderen Werkes nur marginal von demjenigen seines 16 Jahre zuvor komponierten Vorgängers unterscheidet und gewisse Ausdrucksnuancen der Musik etwas an den Rand gedrängt werden. Dadurch wirkt in diesem Fall der Hang der Geigerin zum emphatisch-volltönenden Aussingen der Melodiephrasen mitunter leicht forciert, weil ihm das musikalische Gegengewicht fehlt.

Eine gute Entscheidung ist es, dass Baiba Skride – diesmal im Duo mit ihrer Schwester Lauma – den beiden Violinkonzerten Szymanowskis zauberhafte 'Mythen' op. 30 (1915) gegenüberstellt. Die beiden Musikerinnen beweisen hier, dass sie den richtigen Klangsinn für diese drei zerbrechlichen Stücke besitzen: Fast skizzenhaft agieren sie an einigen Stellen, und die zarte Tongebung, mit der die Geigerin etwa den gedämpften Passagen des Eingangsstücks 'La Fontaine d’Aréthuse' und das um klangliche Symmetrien kreisende Folgestück 'Narcisse' zeichnet, zeugt von einem sehr sensiblen Zugang. Gewitzt steigt die Violine dagegen mit leicht geschärften Vierteltontremoli in das das abschließende 'Dryades et Pan' ein, und quirlig webt die Pianistin ihre Tonkaskaden um den figurenreichen Violinpart. Wie sich die Schwestern hier gegenseitig antreiben, bevor die zarte Flageolettkadenz die Ruhe wieder herstellt und das Aufschaukeln von Neuem beginnt, ist schon sehr überzeugend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Szymanowski, Karol: Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
25.08.2014
Medium:
EAN:

CD
4011790873121


Cover vergössern

ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Prof. Dr. Stefan Drees zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Geigerischer Doppelpack: Gleich zwei seltener gespielte Violinkonzerte packt Baiba Skride auf ihrer neuen CD an und überzeugt mit einer ebenso runden wie intelligenten Darbietung. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, 19.07.2012)
  • Zur Kritik... Eine reife Leistung: Baiba Skride überzeugt durch eine facettenreiche Interpretation der konzertanten Violinwerke Robert Schumanns, zu deren Gelingen das Danish National Symphony Orchestra unter John Storgårds wesentlich beiträgt. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, 13.11.2013)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag ORFEO:

blättern

Alle Kritiken von ORFEO...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Seltene Cello-Werke: Bartosz Koziak spielt Musik von Bohuslav Martinu. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Auftakt zu einer Trilogie: 'Christus das Kind' ist eine interessante Ausgrabung, die das Umfeld frühromantischer Oratorienliteratur verdeutlicht bzw. erst ins Blickfeld rückt. Ein 'Aha!'-Effekt stellt sich aber nicht ein. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Suggestive Trauergesänge: Glagolitische Riten beeindruckten Igor Kuljerić seit seiner Jugend. In seiner Totenmesse sprengt er damit den Rahmen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (2/2023) herunterladen (5000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sergej Tanejew: Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello E-Dur op.20 - Finale. Allegro molto - Fuga - Moderato serafico

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

"Bei der großen Musik ist es eine Frage auf Leben und Tod."
Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich