> > > Juon, Paul: Symphonie op. 23
Freitag, 16. November 2018

Juon, Paul - Symphonie op. 23

Reizvolle Orchesterfarben vom Kammermusiker


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Christof Escher dirigiert das Moskauer Symphonieorchester und zwei Werke von Paul Juon. Dessen Stil ist in der 'Wächterweise' und der Symphonie A-Dur zwar noch nicht voll ausgereift, dennoch gibt es schon hier überraschende und faszinierende Klangfarben.

Selten lassen die ersten Sekunden einer Einspielung derart aufhorchen: Es beginnen die Röhrenglocken, nach vier Schlägen setzt die Harfe ein, beide solistisch. Womöglich ist Paul Juons 'Wächterweise' nach dänischen Volksliedern das einzige Werk, das so beginnt. Auch weiterhin ist die Einleitung äußerst reizvoll orchestriert, und das bei einem Komponisten, der in seiner notorisch bescheidenen Art seine instrumentatorischen Fähigkeiten selbst im Alter noch anzweifelte.

Diese 'Wächterweise' schrieb er früh, unmittelbar nach 1900, und sie erklingt nun das erste Mal auf Platte. Juon verarbeitet den Glockenschlag, den er von der Rathausuhr in Kopenhagen abgelauscht hat, sowie vier dänische Volkslieder. Dabei war er selbst gebürtiger Russe, der den Großteil seines Lebens als Kompositionsprofessor in Berlin und seinen Ruhestand in der Schweiz verbrachte. Vielleicht wird seine Musik tatsächlich langsam wiederentdeckt. Allein in diesem Winter erscheinen wenigstens drei CDs, die ganz oder teilweise seinen Werken gewidmet sind, und die vorliegende Platte mit der 'Wächterweise' und der ebenfalls nie zuvor aufgenommenen Zweiten Symphonie in A-Dur trägt den verheißungsvollen Vermerk ‚Orchestral works, vol. 1’.

Interpretiert wird Juons Musik hier von Christof Escher am Pult des Moskauer Symphonieorchesters. Das spielt sehr klangschön und bringt die hier und dort an Rimsky-Korsakow erinnernden Klangfarben der 'Wächterweise' voll zur Geltung. Die technische Qualität der Aufnahme hängt dafür hinter aktuellen Standards etwas zurück. Zwar klingt die Platte beileibe nicht schlecht, doch die Brillanz wirklich erstklassiger Aufnahmen erreicht sie nicht; dafür ist sie zu wenig plastisch. Das relativiert leider ein wenig die Wirkung der Stücke. Eigenartig scheint auch das für ein Adagio einigermaßen rasche Tempo des mit 'Romanze' überschriebenen dritten Satzes. Gleichwohl gelingen dem Orchester auch hier immer wieder bezaubernde Wirkungen.

Juons Symphonie ist ebenfalls ein frühes Werk und entstand, bevor Juons Stil zu voller Reife gelangen und in die Moderne vorstoßen sollte. Man hat Juon stets Einflüsse von Brahms nachgesagt, und auch wenn das für sein späteres Schaffen meist unangebracht scheint – hier treten sie tatsächlich noch einigermaßen deutlich zu Tage. Besonders das Orchester klingt immer wieder mal wie bei Brahms, und Juon beschränkt sich im Grunde auf dessen Orchesterbesetzung, erweitert lediglich um Piccoloflöte, Englischhorn und Harfe. Schon hinter Bruckners Orchester bleibt er also zurück, und ein Vergleich zu seinen Zeitgenossen Gustav Mahler oder Richard Strauss bietet sich schon gar nicht an. Eher schon schimmern Tschaikowsky oder wiederum Rimsky-Korsakow hier und da durch. Das Werk dauert gute 40 Minuten und ist anspruchsvoll gestaltet durch thematische Verknüpfung aller vier Sätze, durch strenge Formen wie Passacaglia und Doppelfuge.

Sowohl die 'Wächterweise' als auch die Symphonie gehören zwar nicht zu den stärksten Werken Juons, der seine Meisterwerke im Bereich der Kammermusik schuf. Dennoch darf man gespannt sein auf künftige Veröffentlichungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Juon, Paul: Symphonie op. 23

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
10.01.2014
EAN:

7393338110323


Cover vergössern

Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
  • The Artist series, dedicated to musical excellence from Swedish performers
  • The Historical Recordings series, with many unique pieces of musical heritage taken from the Swedish Radio Archives.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Sterling:

  • Zur Kritik... Skandinavische Erstaufführung: Die Veröffentlichung dieses Mitschnitts ist aus historischer Sicht überaus verdienstvoll und für Sammler oder Fans des schwedischen Opernhauses und seines Ensembles fraglos von großem Wert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Polnischer Frühling: Mit der dritten Folge der bei Sterling erscheinenden Reihe mit Orchesterwerken von Zygmunt Noskoswki (1846–1909) ist der Zyklus seiner drei Symphonien erstmals komplett auf Tonträger vorhanden. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Probebohrung im Feld romantischer Kirchenmusik: Vermutlich kennen Sie Raff: Seine attraktiven Symphonien sind inzwischen fest im Tonträgerrepertoire verankert. Lohnt sich auch ein Blick auf seine sakrale Chormusik? Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Sterling...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Expressive Meisterwerke: Das Boulanger Trio kann mit Paul Juons Klaviertrio „Litaniae“ stärker überzeugen als mit Tschaikowskijs berühmtem Mammut-Trio. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Teilzeit-Löwenpranke: Michael Korstick beeindruckt mit Rachmaninows zweiter Klaviersonate. Mit dem dritten Klavierkonzert und den Corelli-Variationen leider nicht in gleichem Maße. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Elegant, aber zu blass: Das Gelius Trio überzeugt in einem Werk des Armeniers Arno Babadschanjan mehr als mit Arenskij und Schostakowitsch. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Freundschaftlich vertieft: Gerd Albrecht im Gespräch: ein pädagogisch wertvoller Blick auf Musik der jüngeren Vergangenheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sinfonisiert: Gerd Schaller und Bruckner – das ist eine Kombination, die immer wieder Funken schlägt. Schaller hat das Streichquintett sehr behutsam sinfonisiert. Der Bearbeitung wird die Darbietung des Prager Radio-Sinfonieorchesters überaus gerecht. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Himmlisches Hörvergnügen: Die dritte CD des Frauenchores der PH Heidelberg bildet einen bunten Querschnitt aus dem Repertoire für Frauenchor a cappella ab. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich