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Freitag, 23. August 2019

Strauss, Johann - Simplicius

Operettengräuel


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein seltenes Meisterwerk, meisterhaft musiziert.

Franz Welser-Möst und Alexander Pereira gebührt der Dank aller Feuilletonisten und Klatschkolumnisten: Mit Theaterdonner und Skandalen haben beide, sei es in Salzburg, Wien oder Mailand, für Aufsehen und öffentliche Erregung gesorgt. Zuvor waren sie ein Operntraumpaar gewesen, als Dirigent und Intendant in Zürich. Nun hat Arthaus – in Thomas Grimms ambitionierter Bildregie – 'Simplicius' vorgelegt, Johann Strauß’ Kriegsoperette (1887), die Grimmelshausens ‚Abenteuerlichen Simplicissimus Teutsch’ aufnimmt, den wirkungsmächtigsten barocken Schelmenroman deutscher Sprache, ein geniales Kompendium sprachlicher Bizarrerien, wüsten Grobianismus’ und düsterer Bilder des Dreißigjährigen Krieges. Das Zürcher Opernhaus hatte 'Simplicius' im Jahr 2000 auf die Bühne gebracht – eine bedeutende Leistung, denn das gewichtigste Bühnenwerk Johann Strauß’ wird selten zur Kenntnis genommen. Es handelt sich um die Schweizer Erstaufführung.

Den ‚Walzerkönig’ möchte man nicht für befähigt halten, tragische Gegenstände darzustellen. Allein es ist geglückt. 'Simplicius' bleibt den Gräueln des Krieges nichts schuldig. Mehr als der hetzerische 'Zigeunerbaron' spricht er Wahrheiten über das Leben in Armut, Not und Gefahr aus. Welser-Möst nimmt Johann Strauß ernst und dirigiert ihn wie Mozart. Nichts tönt blechern, schenkelklopfend oder schief. Feine Phrasierung und Balance, maßvolle Tempi und Respekt vor den Sängern heben diese Lesart weit über das Elend des Operetten- und Opernbetriebes hinaus. Besonders hoch ist ihm anzurechnen, dass Verzögerungen im Dreivierteltakt nicht genießerisch übertrieben, sondern diskret und charaktervoll angedeutet werden. Mit solcher Schwermut, Dezenz und Kultur sollten zehn Jahre später seine Wiener Neujahrskonzerte imponieren.

Das Zürcher Opernorchester kommt selten in die Verlegenheit, Strauß musizieren zu müssen. Hier ist es geglückt. Das Tutti hat Substanz, ohne ins Massige zu geraten. Solistische Beiträge halten ein hohes Niveau. Eindrucksvoll ist die geistige Präsenz aller Musiker. Auf engem Raum werden unterschiedlichste Ausdruckswerte und Klangmischungen formuliert.

Das Ensemble um Michael Volle als Simplicius’ Vater und Piotr Beczała als Arnim von Grübben präsentiert sich recht günstig, kaum minder der Chor. Das sängerische Niveau ist höher als gewohnt – nicht selten werden Operetten von  greisen Diseusen und singenden Schauspielern geschändet. Erfreulich bleibt, dass sich hauptberufliche Opernsänger zu leichtem, unsentimentalem Spiel bereitfinden. Gestische Klischees werden selten bedient, David Pountneys Regie darf als werkdienlich gelten. Die Schauspielerführung ist professionell und durchdacht, dreiste Willkür findet nicht statt. Pountneys bekanntestes Kunstmittel – monumental überhöhende Requisiten –, das auf Bregenz’ riesenhafter Seebühne erfolgreich erprobt werden sollte, kam schon in Zürich zur Geltung. Dieser 'Simplicius' ist eine Entdeckung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Johann: Simplicius

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
10.11.2014
Medium:
EAN:

DVD
807280036596


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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