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Samstag, 20. Juli 2019

Beau, Luise Adolpha le - Kammermusik

Grande Dame aus Baden


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Luise Adolpha Le Beau und ihre romantische Kammermusik in vorbildlichen Interpretationen.

Violinsonate op. 10, Violoncellosonate op. 17 und Klaviertrio op. 15 der badischen Komponistin Luise Adolpha Le Beau (1850–1927) sind Gegenstand einer aktuellen CD-Neuproduktion des renommierten Labels Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (MDG). Die Aufnahme entstand bereits im Februar 2014 im wunderbaren Konzertsaal der ehemaligen Abtei, heute Kulturstiftung Marienmünster. Die 1850 in Rastatt geborene Komponistin erlebt derzeit eine erfreuliche Renaissance, so gründete sich erst vor wenigen Monaten das Trio Le Beau, um ihre Werke aufzuführen. Denn bedauerlicherweise ‚[scheiterte Le Beau] an den für Frauen im 19. Jahrhundert ungleich schlechteren Ausbildungs- und Wirkungsmöglichkeiten und Vorurteilen der Gesellschaft‘, so Sigrun Lang in einer Le Beau gewidmeten Publikation, obwohl die Tonschöpferin als eine der ersten Frauen der Zunft ein privates Kompositionsstudium bei Joseph Rheinberger in München absolviert hatte. Ihre Zeit durfte noch kommen: ‚Sollte die eine oder andere meiner Kompositionen wert sein, späteren Generationen noch zu gefallen, habe ich nicht umsonst geschrieben‘, bekennt sie selbst sehr bescheiden im Vorwort ihrer 'Lebenserinnerungen einer Komponistin'. Ihre Zeit ist gekommen, denn diese Kompositionen gefallen mehr und mehr. Hören wir hinein.

Gewandtheit und musikalische Verbundenheit

Die Violinsonate op. 10 c-moll entstand von Juni bis Oktober 1875 als ihre erste Kammermusikkomposition, wie Barbara Gabler in dem durchweg sinnreich geschriebenen und flüssig zu lesenden Booklet-Text informiert. Forsch schlagen die drei Akkorde zu Beginn des Allegro eine düstere Tonlage an, beschwören eine Welt, wie wir sie aus den Sonaten eines Johannes Brahms kennen. Auch der Klaviersatz besticht durch melodiöse Anmut und ist mit der Violinstimme kunstreich verwoben. Die Violine (Bartek Niziol in Höchstform) singt unaufhörlich mit ihrem ‚goldenen Ton‘ und schwelgt bisweilen dramatisch. Der gebürtige Pole findet auf seinem Instrument sagenhafte Wege des Fließens und der Klangverbindungen. Seine Klavierpartnerin Tatiana Korsunskaya macht dabei stets eine sichere Figur. Ihr perlender Anschlag und ihr mal kräftiger, mal sanfter Zugriff eröffnen diesem romantischen Kleinod wunderbare Perspektiven. Das darauf folgende 'Andante cantabile' ist ein innerlicher Gesang von betörender Schönheit und Melancholie, die überhaupt über dem Gesamtwerk der Komponistin zu thronen scheint. Auch hier überraschen die Gewandheit und innigliche musikalische Verbundenheit der ausübenden Musizierpartner. Da gefallen die weichen Lagenwechsel mit geschmackvollen Portamenti und der Umgang mit dem Pedal, der dieser Musik ihre Rafinesse verleiht. Dynamisch treffen die Künstler immer die richtige Bandbreite, so ist dieser Satz mit seinem Schmerz ein intimer Schatz der Duoliteratur. Das 'Allegro con fuoco' verlässt den zuvor angedeuteten Rahmen nicht. Auch übernimmt das Klavier eine der Geige ebenbürtige Rolle, doch erreicht der Satz der 25-jährigen noch nicht die Tragweite des späten Brahms.

Zwei Jahre später machte sich Le Beau an die Vertonung ihres Klaviertrios op. 15, diesmal in der tragischen, jedoch so klangvollen Tonart d-Moll. Es ist eines der heute bekanntesten und meistgespielten Werke der Komponistin und strahlt eine gewisse Gefälligkeit aus. Das Klaviertrio bedeutete gleichzeitig den Bruch mit ihrem Lehrer Rheinberger, denn nach ihrem ersten Konzert am 30. Dezember 1878, bei dem auch das Klaviertrio aufgeführt wurde, verfinsterte sich die Beziehung zu Rheinbergers Gattin Fanny, die gewisse ‚Konkurrenz‘ witterte. Das Münchner Publikum jedenfalls nahm Le Beaus Komposition begeistert auf. Aus der Sommerfrische hatte sie die Ideen dazu mitgebracht. Jugendlich-stürmisch beginnt der ebenfalls 'Allegro con fuoco' betitelte Eingangssatz, der sich durch wunderbares Ineinandergreifen der Stimmen und bezaubernde Einfälle an Melodien auszeichnet. Zu Gute kam ihr dabei ihr langjähriger Instrumentralunterricht in Klavier und Violine. Man merkt, dass hier eine Kennerin der Materie geschrieben hat. Das Künstlerportfolio der vorliegenden CD-Aufnahme wird dabei um Denis Severin (Violoncello) erweitert. Er ist eine ausgesprochene Kapazität seines Faches, so gelingt der erste Satz des Trios aufs Vollkommendste, und zwar sehr mitreißend und ansprechend feurig, so wie die Komponistin es forderte. Severin obliegt es, im 2. Andante mit Herzblut und trotzdem schreitender Ruhe die Melodie vorzutragen, ehe die Violine ins Geschehen einsteigt.

Lyrisches Klagelied

Das dritte Werk ist die Violoncellosonate D-Dur op. 17 (September/Oktober 1878), deren erster Satz ganz verträumt anhebt. Das Cello singt die Melodie, die sogleich in einer weiteren Phrase vom Klavier beantwortet wird. Le Beau sandte ihr Werk zusammen mit den 'Cellostücken' op. 24 zu einem Wettbewerb ein und erhielt den Preis für Opus 24. Preisrichter dabei waren im übrigen u. a. Niels Gade und Carl Reinecke. Die Behandlung des Violoncellos zeigt großes Verständnis für die technischen Möglichkeiten des Instruments und hebt dessen zur Kantilene neigende Mitteilungsform hervor. Sehr subtil und melancholisch geriet Le Beau der Mittelsatz 'Andante tranquillo', ein lyrisches Klagelied im tragischen h-Moll, voller Schmerz und Inbrust und ausführungstechnisch makellos vorgetragen. Zum Glück hellt sich im abschließenden Rondo die Stimmung wieder auf. Wer Mendelssohns Sonate op. 58 kennt, kann Verbindungen zu ihr ziehen. Insgesamt eine Platte mit romantischer Musik von bemerkenswerter Schönheit, die durchaus öfter aufgelegt werden darf.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beau, Luise Adolpha le: Kammermusik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
24.11.2014
Medium:
EAN:

SACD
0760623187266


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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