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Dienstag, 9. August 2022

Tosti, Francesco Paolo - L'ultima canzone

Das letzte Lied


Label/Verlag: Phaedra CD
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marco Vinco bietet eine gelungene Auswahl von Liedern aus der Feder von Francesco Paolo Tosti. Der vokale Vortrag ist geschmackvoll, manchmal aber ein wenig forciert.

Wieder Tosti, wieder ein Tenor? Weit gefehlt, diesmal nicht. Ungewöhnlich bei dieser CD ist, dass hinter dem Namen des Sängers, Marco Vinco, in Klammern Bass steht. Meist werden Tostis Werke von Tenören gesungen, da er für Tenor geschrieben hat und selbst zu seiner Zeit ein ziemlich guter Tenor war. So darf man gespannt sein, wie diese Werke von einem Bass vorgetragen werden. 18 Titel werden finden sich auf dieser von dem Label Phaedra veröffentlichten Platte; die Aufnahmen erfolgten Mitte Dezember 2012 in Belgien. Begleitet wird Marco Vinco von der venezianischen Pianistin namens Macrí Simone auf einem Ibach aus dem Jahre 1914. Im beigefügtem Booklet sind alle Liedtexte enthalten sowie einige Informationen über die Künstler und den Komponisten.

Francesco Paolo Tosti

Tosti wurde am 9. April 1846 in Ortona südlich von Pescara an der adriatischen Küste geboren. Er war nicht nur Komponist, wie wir ihn heute kennen, sondern damals auch ein gefragter Tenorsolist europäischer Salons Ende des 19. Jahrhunderts. Als Musikpädagoge war er sehr beliebt und erfolgreich; so wurde zum Beispiel auch zum Gesangslehrer von Prinzessin Margaretha von Savoyen, der späteren Königin von Italien. Später in London hatte er durch den von ihm in erfolgreichen Konzerten erlangten Ruhm die Ehre, Gesangslehrer der Familie von Kronprinz Edward zu werden, von welchem er später den Ritterorden verliehen bekam. Als Professor an der Royal Academy of Music kehrte er 1912 schließlich zurück nach Rom und starb 1916 dort an einem Herzleiden. Von den ca. 500 vertonten Gedichten kommen auf dieser Aufnahme 18 Romanzen zu Gehör.

Die Interpreten

Marco Vinco wurde 1977 in Verona geboren und 2002 als Anwalt zugelassen. Nebenher absolvierte er im Konservatorium von Mantua ein Gesangsstudium, danach machte er als Sänger eine steile Karriere. Mittlerweile ist er an den größten Häusern aufgetreten: Covent Garden, Paris, Scala, Teatro Real, Liceu, Deutsche Oper Berlin, um nur einige zu nennen. Ebenso verhält es sich mit den Dirigenten, unter welchen er singen durfte: Gatti, Metha, Muti und Zedda. Marco Vinco wird aber nicht nur im Opernfach, sondern auch im Konzertbereich weltweit gebucht. Macrí Simone, geboren in Venedig, erlangte 1996 ihr Diplom und sammelte bereits im Studium und diversen Meisterklassen Erfahrung mit Sängern. Sie erweiterte ihr Studium in Florenz und Udine. 1992 gewann sie den Franz Schubert Wettbewerb und im darauf folgenden Jahr den ‚Città di Stresa‘. Als Repetitorin arbeitete sie in verschiedenen Akademien und Theatern. Gefragt ist sie auch als Jurymitglied bei Wettbewerben in Italien und den USA. Macrì Simone startete auch noch eine Laufbahn als Managerin und Ensembleleiterin.

Canzone – Lieder – Romanzen

Gleich im ersten Stück beginnt Macrì Simone mit einem weich perlenden Anschlag am Flügel und Marco Vinco lässt seinen sonoren und dunklen, mit gutem Vordersitz und stechender Brillanz ausgestatteten Bass erklingen. Beide Ausführende harmonieren in Atmung und Linienführung. Das Legato ist wunderbar, man kann sich einfach zurücklehnen und genießen. In den hohen Pianostellen rutscht der Ton dem Sänger ziemlich nach hinten in die Kehle. Dies ist eine Eigenart von nicht wenigen Sängern, vor allem aber bei Baritonen und Bässen. Seine Aussprache allerdings ist deutlich, klar, mit Kraft und Ausdruck. Er nutzt aber auch das Anhauchen der Stimme, um interpretatorisch eine verführerische Stimmung zu erzeugen. In der vierten Romanze 'O dolce meraviglia' singt er dann zum ersten Mal nicht ganz so ernsthaft, streng und dunkel, sondern zeigt dass er auch beschwingt und frei singen kann, ‚sul fiato‘, beflügelt durch das mitreißende leichte Spiel am Flügel. Das Stück endet mit einem hohen Ton, und wie vorher schon erwähnt rutscht der ihm leider auch hier trotz Forte in den Hals und die Kehle und verliert dadurch an Sitz; der Ton klingt farblos und eiert in einem großen Vibrato. Marco Vinco singt aber nie aufgesetzt, sondern mit ‚ehrlicher‘ und vor allem voller Stimme. Das ist fast durchgehend ein Genuss. Vielleicht wäre da noch die eine oder andere Stimmfarbe möglich gewesen, welche die Aufnahme qualitativ noch ein Stück reicher gemacht hätte.

Macrì Simone findet zu jedem Stück immer die richtige Stimmung, mal einfühlsam, mal kräftig oder flockig leicht. Sie weiß zudem, wie man aus dem 1914er Ibach alles rausholen kann, ohne vulgär zu klingen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Stück 'Se tu non torni'. Das Subitoforte wie auch das Subitopiano der beiden Musiker klappen im ‚Sogno‘ perfekt in Einklang und Phrasierung, durch Abstimmung des Ausdrucks und der Atmung. Einfach perfekt! Sehr ergreifend meistern beide Interpreten das 'Tormento' und das 'Donna, vorrei morir'. Die Qual in Text und Ton geht unter die Haut. Bei 'A Vucchella' beweisen beide ein nicht ganz so gutes Händchen. Ein langsameres Tempo und zarterer Gesang hätte wohl eher das ‚Mündchen‘ beschrieben. Beim Schlaflied 'Ninna nanna' hingegen entsteht eine ungeheure Spannung; das Stück wirkt angemessen geheimnisvoll. 'La mia canzone' ist ein Beispiel für Belcanto und Legato. Etwas hart und abgehackt klingt dann das schöne Stück 'La Serenata', schade. Im 'Il pescatore canta!' zeigt Simone mit freudigem, festem Ton die Fröhlichkeit und Leichtigkeit des besungenen Fischers. Im Vorspiel jenes Stückes kann man hören, dass der Flügel mittlerweile in die Jahre gekommen ist – und genau dies gibt der ganzen Aufnahme eine besondere Färbung, wodurch dieser etwas staubige, ein wenig kratzende, grellere Ton entsteht. Wenn der Flügel im Forte gespielt wird, kann die Mittellage die Stimmung nicht ganz halten. Dafür erklingt er aber im Piano weich, rund und sanft; dort spürt man die Reife des Alters – eine Entführung in die Geschichte.

In der wunderschönen Romanze singt Vinco eigentlich hervorragend, würde er nur noch auch die schnellen Verzierungen binden und nicht mit Luft und Glottisschlag stoßen. Denn das ist nicht sehr elegant. Damit nimmt er dem Stück die Zartheit, die eigentlich der Komponist hier hineinlegen wollte. Absicht war, durch die Verzierung die Stelle weicher zu machen und nicht zu erhärten. Romanze – nicht Auftrittsarie! Ansonsten singt Vinco sehr ergreifend und zeigt eine schöne warme Tiefe: Marco Vinco lässt den Fischer singen und das Meer schlafen. Im Großen und Ganzen eine gelungene Aufnahme, deren Kauf man nicht bereuen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tosti, Francesco Paolo: L'ultima canzone

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Phaedra CD
1
10.09.2014
Medium:
EAN:

CD
5412327292290


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Phaedra CD

Phaedra is an Ancient Greek name meaning "the beautiful, the bright, the shiny one". It is related to a verb that means "to shine light on". That is why we thought Phaedra an appropriate name for a label that meant proposed to assume a special task: to shine a light on music by composers from the Low Countries, especially from Flanders and Wallonia, and thus to save them from indifference and oblivion.

The idea was realized in 1992, when Phaedra was founded. With its limited means, but with a generous heart, Phaedra was to promote this music, to record it and to publish it. Moreover, Phaedra intended to work with young and highly talented musicians, both from the Low Countries and from abroad.

Phaedra is the first label to consistently and continually draw attention to composers of the Low Countries, regardless of their philosophies or their careers. First their works are read, studied and evaluated; then Phaedra searches out talented musicians who might be interested in studying and recording these works. The series "In Flanders' Fields" was started for this very purpose.

After ten years of hard work, after recordings of over eighty Belgian composers and over one hundred and eighty of their works, came the first official recognition. On March 12, 2002, in a ceremony in the Sabam building in Brussels, Phaedra was awarded the 2001 Fugue Prize of the Union of Belgian Composers. — Another Prize awarded, to Phaedra's founder and producer, Luc Famaey, was the 2010 ANV-Visser Neerlandia Prize, "for his world-wide promotion of music by Flemish composers vial the CD-label Phaedra, especially the impressive series In Flanders’ Fields." Meanwhile this series "In Flanders' Fields" has expanded steadily and has in fact acquired a world-wide reputation. It presents today more than a thousand different compositions of over one hundred and twenty composers.

Whereas Phaedra continues to produce the large majority of its recordings itself, it occasionally works together with Klara, the classical channel of the Flemish Radio and Television (VRT). Thus its catalogue features some of the best and most remarkable radio recordings from the archives of VRT and its predecessors (BRT and BRTN) made in the last few decades. When necessary, older recordings are digitalized such that they meet the expectations of the modern listener. The "Classics" series features local and foreign artists who meanwhile have acquired international reputations, in numerous works from the standard repertoire, both classical and modern. All Phaedra recordings are made using the most recent technology, in the most suitable locations, and by highly qualified professional technicians.


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