> > > Smetana, Bedrich: Mein Vaterland
Samstag, 2. Juli 2022

Smetana, Bedrich - Mein Vaterland

Good-bye Lenin, Good morning Eterna


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Noch heute könnte sich der Schreiber dieser Zeilen darüber ärgern, sich während einer Klassenfahrt in die damalige DDR im Jahr 19..ähm… nicht mit den discographischen Kostbarkeiten der seinerzeit schon vielgerühmten Einspielungen der legendären ‚Eterna’ eingedeckt zu haben. Welch Glück, dass ‚Berlin Classics’ in ihrer Reihe ‚Eterna Collection’ seit geraumer Zeit viele dieser Schätze, die gottlob mehr sind als reine ‚Ostalgie’, auf CD zu präsentieren. Das Cover und die Vorderseite des Booklets bilden das Original-Cover der alten LPs ab, die Aufnahmen aber sind mit Hilfe der neuesten Technik auf den bestmöglichen Klang gebracht.

Ein Leckerli ist die vorliegende Aufnahme von Smetanas ‚Mein Vaterland’ mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung des legendären Václav Neumann aus dem Jahr 1968. Nicht nur hat man einmal den kompletten ‚Vaterland’-Zyklus auf einer CD – inklusive der berühmten ‚Moldau -, Neumann ist zugleich prädestinierter Sachverwalter der Musik seines Landsmannes. Die einzelnen, vom Komponisten mit wegweisenden Erläuterungen versehenen symphonischen Dichtungen geraten im Dirigat Neumanns zu Sinnbildern packender Programmatik. Smetana schrieb den Zyklus in den Jahren zwischen 1874 und 1879, in der Zeit der habsburgischen Fremdherrschaft. Es sind also nicht nur die milden Töne der ‚Moldau’, die am Ohr des Hörers vorbeirieseln, sondern ebenso düstere Episoden. Neumann arbeitet mit dem Gewandhausorchester gerade auch die schroffen Züge der Komposition heraus und lässt in seiner Interpretation keinen Zweifel daran, dass Smetana mit seiner Musik der tschechischen Musik den Weg einer eigenständigen nationalen Richtung ebnete, den mit Smetana und nach ihm Dvorak betreten sollte.
Das Gewandhausorchester weiß hier handwerklich absolut zu überzeugen: homogenes Spiel innerhalb der Stimmgruppen und im Gesamtzusammenklang ist oberstes Gebot. Wohlklang allein genügt Neumann aber nicht und so arbeitet er die werkimmanente dramatische Anlage des Zyklus´ mit der Hermeneutik eines profunden Sachverwalters kongenial heraus. Gerne würde man so utopisch argumentieren und diese Aufnahme als eine Art musikalischer Reaktion auf die 1968er-Ereignisse in Prag betrachten. Eine als derart politisches Fanal zu interpretierende Schallplattenaufnahme würde in der DDR des Jahres 1968 jedoch niemals den Weg auf schwarzes Vinyl gefunden haben. Und so bleibt dem heutigen Hörer die musikalisch wehmütige Erinnerung an äußerst produktive und künstlerisch überzeugende Zeiten.

Editorisch wertvoll ist gleichfalls das Booklet, enthält es doch die programmatischen Erläuterungen zu den einzelnen symphonischen Dichtungen vom Komponisten selbst. Die Klangqualität ist nicht mit heutigen Maßstäben zu messen, aber die Techniker haben sich alle Mühe gegeben, den Klang so transparent wie möglich zu gestalten, und zugleich den Sound der alten LP-Aufnahme zu konservieren.
Möge diese Reihe hervorragender Einspielungen fortgesetzt werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Smetana, Bedrich: Mein Vaterland

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
01.08.2002
79:56
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124323424
0032342BC

Cover vergössern

Smetana, Bedrich


Cover vergössern

Dirigent(en):Neumann, Václav
Orchester/Ensemble:Gewandhausorchester Leipzig


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Namensgebend: Nach 20 Jahren kehrt das Fauré Quartett zu seinem Namenspatron zurück. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Subtile Kommunikation: Claire Huangci rückt Mendelssohn-Raritäten ins gebührende Licht. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... In neuem Gewand: Das Klavierduo Silver-Garburg eröffnet neue romantische Perspektiven. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Erik Daumann:

  • Zur Kritik... Packende Symphonik: Sakari Oramo legt, trotz diskographisch enormer Konkurrenz, mit Elgars Erster Symphonie eine Referenzaufnahme vor. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Fern der tödlichen Realität: Flautando Köln lässt die Tudor-Rose erblühen – nicht in der Farbe des Blutes, sondern im Zeichen eines differenzierten Blicks auf eine musikalisch reiche Epoche. Weiter...
    (Erik Daumann, )
  • Zur Kritik... Rustikale Schönheiten: Die tschechische Aufnahme des 'Spalicek' von Martinu überzeugt durch farbig-markante Spielfreude aller Beteiligten. Weiter...
    (Erik Daumann, )
blättern

Alle Kritiken von Erik Daumann...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Dem Geiger Ivry Gitlis zum 100. Geburtstag: Ein eigenwilliger Protagonist der Violinwelt, der fast ein ganzes Jahrhundert durchlebte, spielt die großen 'Schlachtrösser' der Violinliteratur. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Alter Mann und 'wilde Hummel': Dieser 'Pimpinone' ist nicht nur stimmlich und instrumental eindrucksvoll besetzt, sondern ist obendrein eine wichtige Ergänzung zur mehr als nur übersichtlichen Diskographie des Werks. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Brahms der späten Jahre: Wach und feingliedrig, strukturklar und klangsensibel: Herbert Blomstedt kennt seinen Brahms und gibt ihm im Zusammenspiel mit dem Gewandhausorchester Leipzig Raum zum Atmen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich