> > > Menuhin, Yehudi: The Bruno Monsaingeon Edition Vol.2
Samstag, 4. Februar 2023

Menuhin, Yehudi - The Bruno Monsaingeon Edition Vol.2

Überwältigende Materialfülle


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine 8-DVD-Box führt sämtliche filmischen Arbeiten des Regisseurs Bruno Monsaingeon über den Geiger Yehudi Menuhin zusammen und überzeugt durch ihre facettenreiche Annäherung an den Gegenstand.

Der französische Filmemacher Bruno Monsaingeon (*1943) wurde durch seine preisgekrönten Filme über bedeutende zeitgenössische Interpretenpersönlichkeiten aus dem Bereich der klassischen Musik bekannt. Seine Filmdokumentationen über die Pianisten Glenn Gould (‚Glenn Gould, l’alchimiste’, 1974) und Swjatoslaw Richter (‚Richter l’insoumis’, 1958/59) oder den Geiger David Oistrach (‚David Oïstrakh, Artiste du peuple?’, 1994) gelten nicht nur als einzigartige zeitgeschichtliche Zeugnisse, sondern sind auch im Hinblick auf die Geschichte des Dokumentarfilms und seiner Darstellungsmöglichkeiten von großem Interesse. Derzeit erscheinen Monsaingeons filmische Werke – auf der Internetseite des Regisseurs übrigens mit Opuszahlen versehen – bei EuroArts in der ‚Bruno Monsaingeon Edition’. Hier sind unterschiedliche Arbeiten, die sich auf einen Interpreten beziehen, jeweils in einer Box gebündelt. Nach einer mit sechs DVDs bestückten Box zum Bariton Dietrich Fischer-Dieskau aus dem Jahr 2013 liegt nun mit der ‚Bruno Monsaingeon Edition Vol. 2’ eine dem Geiger Yehudi Menuhin (1916–1999) gewidmete Sammlung von acht DVDs mit einer Gesamtspielzeit von 1065 Minuten vor. Enthalten (und im beiliegenden Booklet in Bezug auf Produktion und Entstehung ebenso ausführlich wie vorbildlich dokumentiert) sind hier insgesamt 13 Filme von stark differierender Länge, die der Regisseur zwischen 1979 und 1996 über Menuhin gemacht hat.

Sehr unterschiedlich sind die Zugänge, die Monsaingeon immer wieder findet, um den Künstler, seine Arbeit und seine Außenwirkung aus unterschiedlichen Perspektiven zu präsentieren: Einmal gibt es extensive Dokumentationen wie den 115-minütigen Film ‚Le Violon du Siècle’ (1994), der sich der Biografie des Geigers annimmt und, gestützt auf Zeitzeugenberichte und zahlreiche historische Audio- und Videoexzerpte von Auftritten Menuhins, die einzelnen Stationen von dessen Karriere nacherzählt. Daneben gibt es aber auch Mitschnitte, die das Spiel Menuhins einfangen, beispielsweise die Aufnahme zweier Duos von Béla Bartók, bei denen Monsaingeon selbst als Duopartner des Geigers fungiert (‚Le Grand Echiquier: Yehudi Menuhin’, 1977), der Mitschnitt des Brahms’schen Violinkonzerts D-Dur op. 77 mit dem Gewandhaus-Orchester Leipzig unter Leitung von Kurt Masur (1982) oder eine Aufzeichnung von Vivaldis 'Vier Jahreszeiten' mit dem Yehudi Menuhin School Orchestra unter Leitung von Peter Norris (1979). Und schließlich gibt es ausgedehnte Gespräche von 186 Minuten Dauer (‚Conversations with Yehudi Menuhin – Mykonos’, June 1994), deren Verlauf und Ausrichtung darauf verweisen, welch großes Vertrauensverhältnis zwischen Regisseur und Geiger bestanden hat.

Den vielleicht bedeutendsten Teil der Sammlung bildet eine mehrteilige Dokumentation mit dem Titel ‚Retour aux Sources: Yehudi Menuhin in the Soviet Union’ aus dem Jahr 1987: Monsaingeon fängt hier in insgesamt drei Episoden von jeweils rund 55 Minuten das komplexe Verhältnis des Künstlers zur Sowjetunion sowie die biografischen und musikalischen Umstände einer Konzertreise ein, was von den Reaktionen auf Menuhins Auftritte bis hin zu Probenmitschnitten und einer Durchleuchtung des Verhältnisses zwischen Oistrach und Menuhin reicht. Besonders zu begrüßen ist es, dass darüber hinaus die während der Tournee von Monsaingeon mitgeschnittenen Konzerte gleichfalls vorhanden sind: So kann man beispielsweise ein Konzert Menuhins mit dem Staatlichen Sinfonie-Orchester des Kultusministeriums der UdSSR unter Leitung von Gennadij Roshdestwenskij mit Bartóks Violinkonzert Nr. 2 und dem Beethoven’schen Violinkonzert D-Dur op. 61 hören wie einen Sonatenabend Menuhins mit der Pianistin Viktoria Postnikova (Leningrad, 16. November 1987) sowie einen weiteren Auftritt des Duos und einen Mitschnitt von Tschaikowskijs Klaviertrio a-Moll op. 50 (mit Marc Coppey, Violoncello; Moskau, März 1989).

Die Fülle des hier ausgebreiteten Materials ist überwältigend und überzeugt durch eine sorgfältige digitale Aufbereitung von Bild und Ton. Die Filme – mit Ausnahme von ‚Le Violon du Siècle’ bislang sämtliche unveröffentlicht – sind generell in zwei Sprachen (Englisch und Französisch) verfügbar, englische, französische und deutsche Untertitel können zudem wahlweise zugeschaltet werden. Für Liebhaber von Violinmusik, die sich näher mit Yehudi Menuhin beschäftigen wollen, ist diese Edition aufgrund ihrer facettenreichen Annäherung an den Gegenstand unverzichtbar; und auch der derjenige, der sich mit den Möglichkeiten des musikbezogenen Dokumentarfilms auseinandersetzen und vertraut machen möchte, findet hier reichhaltiges Anschauungsmaterial.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Menuhin, Yehudi: The Bruno Monsaingeon Edition Vol.2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
10.11.2014
Medium:
EAN:

DVD
880242750181


Cover vergössern

EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Prof. Dr. Stefan Drees zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag EuroArts:

  • Zur Kritik... In Gala-Form: Einen stimmungsvollen Sommerabend aus dem Wolkenturm bringt diese DVD nach Hause. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Komponisten-Feuerwerk: Das Silvesterkonzert 2017 ist nicht nur gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, sondern auch ein schönes Zeugnis von der langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Mutti und Sohn: Diese 'Lucrezia Borgia' aus San Francisco lebt von der Überzeichnung. Das gilt leider auch für die musikalische Seite, die zum Teil sehr ansprechende Leistungen präsentiert, aber nicht rundum zufrieden stellen kann. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von EuroArts...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Seltene Cello-Werke: Bartosz Koziak spielt Musik von Bohuslav Martinu. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Auftakt zu einer Trilogie: 'Christus das Kind' ist eine interessante Ausgrabung, die das Umfeld frühromantischer Oratorienliteratur verdeutlicht bzw. erst ins Blickfeld rückt. Ein 'Aha!'-Effekt stellt sich aber nicht ein. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Suggestive Trauergesänge: Glagolitische Riten beeindruckten Igor Kuljerić seit seiner Jugend. In seiner Totenmesse sprengt er damit den Rahmen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (2/2023) herunterladen (5000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sergej Tanejew: Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello E-Dur op.20 - Finale. Allegro molto - Fuga - Moderato serafico

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

"Bei der großen Musik ist es eine Frage auf Leben und Tod."
Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich