> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Sinfonie Nr.3 a-moll op.56 "Schottische"
Samstag, 2. Juli 2022

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Sinfonie Nr.3 a-moll op.56 "Schottische"

Neuveröffentlichung zweier Leipziger Tondokumente


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Von Felix Mendelssohns fünf Sinfonien – die etwa ein Dutzend ‚Jugendsinfonien’ einmal außer Acht gelassen – sind es eigentlich nur zwei, die sich auch heute noch dafür um so größerer Wertschätzung erfreuen: die ‚Schottische Sinfonie’ a-moll op. 56 und die ‚Italienische Sinfonie’ A-dur op. 90, die in die Zählung als dritte und vierte eingegangen sind. Die Idee zu einer ‚schottischen’ Sinfonie kam Mendelssohn spätestens auf einer England- und Schottlandreise im Jahre 1829; bis zur Ausarbeitung der Partitur vergingen aber noch viele Jahre, erst 1842 führte der selbstkritische Komponist, der von seinen Sinfonien lediglich den ‚Lobgesang’ (!) gelten ließ, das Werk erstmals auf. Wenngleich die Sinfonie weit davon entfernt ist, reine Programmmusik zu sein, lässt sich doch einiges Schottische heraushören: sei es die schottischen Liedern nachempfundene Thematik, der über die Highlands brausende Sturm am Ende des ersten Satzes oder die lustigen Dudelsackklänge im zweiten Satz.
Im Rahmen der ‚Eterna Collection’, bei der Aufnahmen aus der ehemaligen DDR ihr digital überarbeitetes Comeback feiern dürfen, liegt eine Einspielung dieser Sinfonie mit Mendelssohns eigenem Orchester, dem Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Franz Konwitschny aus dem Jahre 1962 vor. Ergänzt wird das Programm durch eine jüngere, 1983 entstandene Aufnahme von Schumanns Cellokonzert a-moll op. 129, ebenfalls mit dem Gewandhausorchester, nun aber unter Kurt Masur mit Jürnjakob Timm am Cello.

Was an der Aufnahme der Sinfonie sofort auffällt, ist die angesichts des Alters der Aufnahme doch erstaunlich gute Aufnahmequalität, die nicht nur die Wärme des Leipziger Orchesterklangs herüberbringt, sondern auch durch ihre Ausgewogenheit und Präsenz überzeugt. Es lassen sich natürlich Stellen ausmachen, an denen die kosmetische Nachbehandlung an ihre Grenzen gestoßen ist, aber insgesamt gesehen wurde hier von dieser Seite wohl ganze Arbeit geleistet.
Der musikalisch-interpretatorische Eindruck, den das Werk hinterlässt, fällt dagegen leicht ab. Zum einen sind in den Ecksätzen die Tempi nicht unbedingt so schnell, wie sie wohl sein könnten, andererseits wirkt die Musik, natürlich durch vorigen Umstand verstärkt, an manchen Stellen durch schwammige Artikulation etwas träge, fast so, als würde mit angezogener Handbremse musiziert. Gerade der majestätische Schlussteil des Finales kommt bis zum Einsatz des vollen Orchesters doch arg breiig daher, was für einen faden Nachgeschmack sorgt. Davon abgesehen überzeugt das Orchester aber durch technische Sauberkeit, in Sachen Dynamik und Phrasierungen wird erfreulich nah am Notentext verfahren. Zudem verstand es Konwitschny durchaus, den oben mokierten Mangel an Geschwindigkeit weitestgehend durch kraftvollen Zugriff zu kompensieren.

Robert Schumann hat uns mit seinem Cellokonzert eins der schönsten und beliebtesten Werke der Gattung hinterlassen, wenn es sich auch im direkten Duell gegen das Klavierkonzert geschlagen geben muss. Dabei verzichtet Schumann nicht nur auf den sonst typischen Dialog zwischen Orchester und Solist, sondern auch auf jegliches virtuose Rankenwerk, ja sogar eine Kadenz ist dem Solisten nicht vergönnt. Die Cellostimme ist deswegen aber nicht minder virtuos als in anderen Konzerten, sie musiziert lediglich mit dem Orchester, nicht dagegen.
Für die ja deutlich jüngere Aufnahme gilt von der technischen Seite das schon zur älteren gesagte, sie präsentiert sich sogar noch klarer und makelloser. In diesem Fall kann aber auch der interpretatorische Eindruck mithalten. Man merkt doch die Handschrift des langjährigen Gewandhausdirigenten Kurt Masur, der das Orchester, das ohnehin wieder durch seinen warmen, samtigen Klang überzeugt, zu höchster Präzision führt. In Kombination mit Timms gefühlvollem, technisch sauberen Spiel, das von lyrischer Kantabilität bis zu kraftvoll doppelgriffigen Passagen alle Facetten des Cellospiels abdeckt, gelingt hier eine wunderbar gelungene Interpretation des Werkes, die vom ersten bis zum letzten Takt den erforderlichen romantischen Geist atmet.

Die vorliegende Einspielung der Sinfonie Mendelssohns ist zwar überdurchschnittlich gut, aber wohl auch nicht die Jahrhundertaufnahme, die sie, angesichts der zahlreichen Aufnahmen dieses Werkes, sein müsste, um eine erneute Veröffentlichung rechtfertigen zu können – ist man nicht gerade Fan des Gewandhausorchesters oder Sammler historischer Tondokumente (wenngleich hier die digitale Aufbereitung einen Puristen verschrecken dürfte) – , wäre da nicht der günstige Preis. Ein weiteres ganz klares Plus der CD hingegen, das ihr wohl endgültig ihre Daseinsberechtigung verschafft, ist die hervorragende Einspielung von Schumanns Cellokonzert, die sogar einen Kauf nur ihretwegen rechtfertigen würde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Sinfonie Nr.3 a-moll op.56 "Schottische"

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
01.03.2003
66:15
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124325428
0032542BC

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Mendelssohn Bartholdy, Felix


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Dirigent(en):Masur, Kurt
Orchester/Ensemble:Gewandhausorchester Leipzig
Interpret(en):Timm, Jürnjakob (Violoncello)


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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