> > > Postcards: The King's Singers
Donnerstag, 23. Januar 2020

Postcards - The King's Singers

Aus aller Welt


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine wunderbar leichte Platte mit Arrangements von Liedern aus aller Welt, kongenial gesungen von den King's Singers.

Nun haben sie es auch getan: Nach den ‚Folks & Tales’ des Leipziger Vokalensembles amarcord im vergangenen Jahr hat das englische Über-Ensemble, haben die King’s Singers unter dem passenden Titel ‚Postcards‘ ein ganz ähnlich konzipiertes Album mit musikalischen Grüßen aus aller Welt vorgelegt. Diese Idee ist für derart reisefreudige und auf aller Welt konzertierende Ensembles zu naheliegend, als dass hier von einer konzeptionellen Kopie auszugehen ist. Zumal die King’s Singers sehr oft gezielt Bearbeitungen von Liedern in ihre Gastgeberländer mitnehmen, die dort sehr populär sind und das Eis brechen helfen sollen – falls das je nötig sein sollte –, also über viel Material verfügen.

Ein paar Punkte der beiden Produktionen seien verglichen: Das Programm der King’s Singers hat einen deutlich eigenständigen Schwerpunkt im lateinamerikanischen Kulturkreis, dazu natürlich in den verschiedenen Überlieferungen der britischen Inseln. Amarcord ist mit einem besonderen Fokus seinem Publikum in Ost- und Mitteleuropa verpflichtet. Die Arrangements der aktuell vorliegenden Platte sind eine Spur konventioneller, ohne allzu sperrige Widerhaken ganz in die Kehlen der sechs Herren geschrieben, während die Leipziger sich in dieser Hinsicht doch etwas experimentierfreudiger zeigen. Dafür kann man sie nur gut fünfzig Minuten genießen – die King’s immerhin etwas über siebzig. Ein echter, substanzieller und dem Rezensenten nicht ganz verständlicher Unterschied ist im Booklet, in der Ausstattung zu finden: Während die Beigabe bei der amarcord-Platte wunderbar gestaltet und bebildert war, dazu inhaltsreich und unterhaltsam, muss man sich in dieser Hinsicht bei der aktuellen Signum-Produktion auf Magerkost einstellen: Neben allzu knappen Skizzen zu den Einzelstücken gibt es lediglich eine einzige, dazu einigermaßen lieblos gestaltete Seite mit Bildern verschiedener der unzähligen Reiseziele: Das hätte man aus den Fotoalben der Formation sicher sehr leicht ansprechender gestalten können – verschenkte Wirkung.

Hochinspiriert

Das ist aber auch die einzige echte Einschränkung: Denn gesungen wird hier schlicht vorbildlich. Alles klingt leicht, inspiriert, perfekt intoniert, jeder der durchaus modulationsreichen Sätze läuft wie am Schnürchen. Die Stimmen harmonieren großartig, das Ensemble erweist sich auch nach einigen Wechseln als höchst leistungsfähig: Der Altus Timothy Wayne-Wright ist längst als Unterbau für den noch immer unvergleichlichen David Hurley integriert, der junge Bassist Jonathan Howard gewinnt mit seiner sehr eigenständigen, zugleich enorm wandlungsfähigen Stimme immer mehr an Statur. Dazu kann der Neuseeländer Christopher Bruerton als erster Bariton nur als Glücksfall bezeichnet werden: Seine weiche, dabei individuell zeichnende Stimme ist jetzt schon ein Gewinn. Dazu kommen noch der ungemein verlässliche, in sehr verschiedener Hinsicht überzeugende Bariton Christopher Gabbitas und der hier besonders hervorzuhebende Tenor Paul Phoenix: Diese Platte dürfte die letzte Gelegenheit bieten, ihn, den vielleicht solistisch begabtesten der Formation, als Mitglied der King’s Singers zu hören, denn seit September gehört der junge Julian Gregory zum Ensemble – der Wechsel bleibt seit Gründung der Gruppe neben der höchstklassigen Interpretationskunst eine der Konstanten.

Wer sich also von traditioneller Musik aller Weltgegenden in mehr als gefälligen Arrangements das Herz wärmen lassen will, der greife ohne Bedenken zu dieser Platte. Übrigens kann sie auch als Ergänzung der amarcord-Produktion des vergangenen Jahres gehört werden. Von so fein gesungener Musik kann es nicht zu viel geben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Postcards: The King's Singers

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
07.11.2014
Medium:
EAN:

CD
635212039328


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signum classics

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