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Donnerstag, 13. August 2020

Schubert, Franz - Oktett D 803

Überzeugend


Label/Verlag: Phi
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Northernlight liefert eine frische und überzeugende Interpretation von Schuberts Oktett D 803 und dem Quartettsatz c-Moll D 703.

Das Oktett F-Dur D 803 von Franz Schubert hält für die Interpreten einige Herausforderungen bereit: Zum einen ist das Werk mit technischen Tücken nur so gespickt. Durch die Oktavierungen des Instrumentalsatzes wird das Klangbild schon durch kleinste intonatorische Schwankung getrübt. Zudem stehen die Künstler auch vor der Aufgabe, eine Brücke zu schlagen zwischen den Sätzen kunstvoller Komplexität und den Teilen, die eher der Divertimentotradition entspringen. Bei dem belgischen Label Phi erschien nun die CD eines weiteren Ensembles, das sich den hohen Schwierigkeiten gestellt hat: Die Musiker des Edding Quartets (Baptiste Lopez, Caroline Bayet, Violine; Deirdre Dowling, Viola; Ageet Zweistra, Cello) formieren sich mit Damien Guffry (Kontrabass), Nicola Boud (Klarinette), Julien Debordes (Fagott) und Nicolas Chedmail (Horn) zum Ensemble Northernlight, um dieses Werk für Streicher und Bläser von Franz Schubert zum Klingen zu bringen.

Die Einzelleistungen der Interpreten wie auch das Zusammenspiel sind exzellent. Die beiden Geiger agieren präzise, die Violoncellokantilenen erklingen klangschön und in der Phrasierung durchdacht, Horn- und Klarinettensoli gelingen angenehm weich. Die Musiker kennen sich untereinander; und sie kennen auch die Instrumente der Mitspieler, das ist offensichtlich. So ist auch das Vibrato der Streicher auf die Spielweise der Bläser abgestimmt und lässt eine ausgezeichnete Klangbalance entstehen. Es ist wunderbar zu hören, wie stimmungsvoll die von Schubert wohl beabsichtigte Balance zwischen Streichern und Bläsern klanglich umgesetzt wird. Weil jeder der fünf Streicher wie auch der drei Bläser sich solistisch zurücknimmt, mischen sich die Klangfarben der Instrumente zu einem herrlich vielschichtigen musikalischen Geflecht. Rhythmische Präzision, viel Spannkraft und Spielfreude, sind im 'Allegro vivace' auszumachen. Herrlich gelingt auch der Anfang des 'Andante con variazioni'. Der vordergründige Dialog zwischen Violine und Klarinette fügt sich immer wieder perfekt in die Hintergrundtextur der Begleitstimmen ein. Der letzte Satz zeichnet sich erneut durch eine die ganze Interpretation durchziehende Leichtigkeit und großen Spielwitz aus; fein artikulierte Akzente gehen mit den klar herausgearbeiteten Spannungsbögen Hand in Hand.

Auch im Quartettsatz 'Allegro' c-Moll D 703 legen die Musiker des Edding Quartetts eine packende und durchdachte Interpretation vor. Die Melodie in der ersten Violine legt sich über die präzis agierenden Begleitstimmen, was sich im Gesamtklang harmonisch zu einem eng geknüpften musikalischen Geflecht verbindet. Die dynamischen Abstufungen und Akzente wie auch kleine agogische Verzögerungen innerhalb der Phrasierung verleihen dieser Deutung innere Spannung. An manchen Stellen hätte man sich jedoch hier – wie auch im Oktett – etwas mehr Biss in der dynamischen Kontrastbildung gewünscht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Oktett D 803

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Phi
1
01.12.2014
Medium:
EAN:

CD
5400439000155


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Phi

Der griechische Buchstabe φ (PHI - die Übereinstimmung mit den Initialen von Philippe Herreweghe ist nicht ganz zufällig) versinnbildlicht die Ambitionen des Labels. Er ist das Symbol für den goldenen Schnitt, für die Perfektion, die man in den Staubfäden der Blumen findet, für griechische Tempel, Pyramiden, Kunstwerke der Renaissance oder für die Fibonacci-Zahlenfolge. Seit der frühesten Antike steht dieser Buchstabe im eigentlichen Sinne für Kontinuität beim Streben nach ästhetischer Perfektion.
Mit der Realisierung dieses Katalogs erfüllt sich Philippe Herreweghe seinen Herzenswunsch, die Ergebnisse seiner musikwissenschaftlichen Forschungen und der im Laufe einer langen Karriere gewonnenen Erfahrungen hörbar werden zu lassen.
Mit vier bis fünf Neuproduktionen pro Jahr wird der Katalog Aufnahmen des wichtigsten symphonischen und chorischen Repertoires umfassen, Polyphonisches und natürlich die Werke von Johann Sebastian Bach, die Philippe Herreweghe in dem Bestreben wieder aufgreifen wird, immer vollendetere Versionen zu schaffen.


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