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Freitag, 21. September 2018

Everybody's Tune - Les Witches

Musik für Pub und Kammer


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alpha fasst drei bereits veröffentlichte Platten des Ensembles Les Witches in einer Box zusammen. Die Einspielungen haben nichts von ihrer Faszination verloren.

Die Hexen aus Shakespeares ‚Macbeth‘ standen Pate für den Namen des französischen Spezialensembles Les Witches, das vorzugsweise englische Renaissance- und Barockmusik spielt. Die Musiker um den Ensemblegründer Freddy Eichelberger wollen mit ihren Auftritten die Atmosphäre in den Schenken und Wirtshäusern zu Shakespeares Zeit wiederbeleben, indem sie sich- wie sie in ihrer Selbstauskunft schreiben- der musikwissenschaftlicher Forschung, Traditionen, Intuition und Improvisation bedienen. Eichelberger und seine Musiker nutzen also die überlieferten Quellen aus Renaissance und Barock, um daraus für sie stimmige eigene Interpretationen zu schaffen, die sich an die musikalischen Traditionen der damaligen Zeit anlehnen, in ihrer Ästhetik aber auch die Gegenwart ansprechen wollen.

Drei ihrer erfolgreichen Alben sind nun bei Alpha Productions unter dem Titel ‚Everybody‘s Tune‘ in einer Sammelbox herausgekommen, in der sich die Aufnahmen zu ihren Platten ‚Nobody‘s Jig‘ (entstanden 2001), ‚Lord Gallaway‘s Delight‘ (2012) und ‚Manuscript Susanne van Soldt‘ (2007) befinden. In dieser zeigt sich komprimiert die Kunst der fünf Stammmusiker, die Gebrauchsmusik des 16. und 17. Jahrhunderts geistreich und klangschön neu zu interpretieren. Bewusst überschreiten sie dabei die Grenzen zwischen komponierter Kunstmusik und ‚folkmusic‘, deren gemeinsame Quellen sie mit ihrem energiegeladenen Spiel aufzeigen. Hier treffen Wirtshausklänge auf die kultivierte Welt adeliger und großbürgerlicher Hausmusik.

Besonders die Einspielung der 33 Stücke umfassenden Manuskriptsammlung für die 1599 in London lebende flämische Bürgertochter Susanne van Soldt sind eine hörenswerte Entdeckung. Sie spiegeln die Hausmusikkultur einer wohlhabenden Familie, für die Psalmvertonungen, aber auch Tanzmusik zum musikalischen Alltag ihres Zusammenlebens gehörten. Das Nebeneinander von weltlicher und geistlicher Musik ist typisch für die damalige Zeit. Die Musiker von Les Witches nehmen sich in ihrer Einspielung der van Soldt-Sammlung die –damals allgemein gepflegte- Freiheit heraus, eigene Nebenstimmen und Kontrapunkte improvisatorisch hinzuzufügen. Ob die damalige Hausmusik deshalb aber tatsächlich so kunstvoll und schön geklungen haben könnte wie hier, sei dahingestellt.

Die CD ‚Nobody‘s Jig‘ ist eine Auswahl verschiedener Stücke aus Henry Playfords berühmter Tanzsammlung ‚The English Dancing Master‘, die 1651 in London zum ersten Mal erschien und sofort ein riesiger Erfolg wurde. Die populären Tänze sind genau das richtige Repertoire für die fünf Musiker, können sie doch hier ihrer Spielfreude und ihrer Lust am musikalischen Experiment ungehindert frönen. Da meist nur die Melodiestimme notiert ist, ist die Inventionskraft der Interpreten gefragt. Les Witches gelingt es mühelos, beim Hörer die Vorstellung zu erwecken, jedes der Stück in noch weiteren geistreichen Versionen aus dem Ärmel schütteln zu können.

Die dritte CD der Box vereint mit ‚An Excellent Collection of Dances and Gaelic Laments‘ eine Auswahl irischer, schottischer und walisischer Melodien, die 1730 in einer Sammlung unter dem Namen ‚Aria di Camera‘ vom Verleger Daniel Wright herausgebracht wurden. Die hier versammelte Musik scheint sehr populär gewesen zu sein, finden sich doch ihre Stücke verteilt in anderen Musik- und Tanzsammlungen der Zeit immer wieder. Das wichtigste Instrument für ihre Interpretation ist dabei die Harfe, die sich in Irland großer Beliebtheit erfreute. Um die Einspielung dieser Musik so originalgetreu wie möglich zu machen und um die Nähe zwischen Kunst- und Volksmusik zu unterstreichen, konnten die Musiker von Les Witches die Expertin für das Spiel auf der frühen irischen Harfe Siobhán Armstrong gewinnen, die mit ihrer Expertise zum Gelingen der Aufnahme entscheidend beiträgt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Everybody's Tune: Les Witches

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
3
07.11.2014
EAN:

3760014198236


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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