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Donnerstag, 18. Januar 2018

Bach, Johann Sebastian - Bach & Sons

Bach Edition für Versierte


Label/Verlag: Zig-Zag Territoires
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit "Bach & Sons" bietet das Label Zig-Zag Territoires eine umfangreiche, jedoch etwas wahllos anmutende Sammlung barocker Kammermusikwerke.

Eine direkte Gegenüberstellung der Kompositionskünste von Carl Philipp Emanuel Bach mit denen seines Vaters und Lehrers Johann Sebastian Bach, scheint wohl das vorrangige Ziel dieser immerhin siebenteiligen CD-Box zu sein. Violin- und Triosonaten der beiden Komponisten bilden den klaren Schwerpunkt und ermöglichen durchaus interessante Vergleiche. Die CDs laden so zu einer vorzugsweise wissenschaftlichen Herangehensweise an die Musik ein, welche durch den Umstand konsequenter historischer Aufführungspraxis nur begünstigt wird. Die ebenfalls vertretenen Violinkonzerte und Viola da gamba-Sonaten des älteren Bach kann man als nette Zugabe betrachten; sie lassen das Gesamtprogramm jedoch etwas durcheinander und überladen erscheinen. Die Aufnahmen wurden zwischen 2002 und 2011 von ganz unterschiedlichen Interpreten eingespielt, was den Eindruck eines diskographischen Gemischtwarenladens verstärkt.

Überzeugende Klänge

Wenngleich ihre Aufmachung schlicht daherkommt und der erste Höreindruck unspektakulär scheint, ist der künstlerische Gehalt dieser Box ungemein hoch. Die Zusammenstellung will nicht am Stück durchgehört werden, sondern dem Hörer allmählich nahegebracht werden. Sie ist eben keine Box für Einsteiger, sondern für Liebhaber. Jede einzelne CD ermöglicht und erfordert eine längere Auseinandersetzung mit der Musik. Diese wird hier zum einen interpretatorisch meist makellos präsentiert, zum anderen mit historisch passendem Instrumentarium wiedergegeben. Edna Stern besticht mit ihrer gefühlvoll sanften Spielweise und einem hervorragend ausgewogen klingendem Hammerklavier besonders in den langsamen Sätzen von C. P. E. Bachs Sonaten für Violine und Pianoforte. Die in Verbindung mit der flott, aber angenehm dezent auftretenden Geigerin Amandine Beyer eingespielten Deutungen gehören auf der ersten CD sicherlich zu den besonders hörenswerten.

Das Flöten-Ensemble A Deux Fleustes Esgales präsentiert auf einer weiteren Platte dieser Kollektion neben Triosonaten von Carl Philipp Emanuel und Johann Sebastian auch ein Werk von Wilhelm Friedemann Bach. Interpretation und Zusammenstellung sind an dieser Stelle besonders gut gelungen und machen Unterschiede zwischen den drei Komponisten erkennbar. Auch die Sonaten für Viola da gamba mit Guido Balestracci und Blandine Rannou hinterlassen durch idiomatische Klanggestaltung und packende Herausarbeitung der Polyphonie einen positiven Eindruck. Mit einem Cembalo und einer Viola da gamba für die Mittelstimme, wurde zudem die Triosonate BWV 528 (ursprünglich für Orgel) angehängt. Weiterhin findet das historische Streichinstrument auch in C. P. E. Bachs Triosonaten Verwendung, wo es mit dem Ensemble Les Nièces de Rameau zum alten Klangbild beiträgt.

Etwas enttäuschend dagegen sind die Violinkonzerte, welche innerhalb dieser Sammlung ohnehin eher fehl am Platz scheinen. Interessant ist die Umsetzung der bekannten Cembalokonzerte BWV 1052 und 1056, welche in einer Version für Violine und Orchester nur selten zu hören sind. Für meinen Geschmack tritt Amandine Beyer mit dem Ensemble GIi Incogniti hier jedoch recht hektisch und undifferenziert auf. Durch das hohe Grundtempo scheint einerseits die Solistin zum flüchtigen Legatospiel gezwungen zu werden, andererseits wirkt auch das Ensemble sehr statisch und stellenweise schwach koordiniert. Zum Schluss der Box stehen die Violinsonaten BWV 1014-1019, gespielt von Chiara Banchini und Jörg-Andreas Bötticher – sicherlich nützlich und interessant als Kontrast zu den anfangs vorgestellten Sonaten des Bach-Sohns. Zur Referenzaufnahme an sich fehlt es ihr aber etwas an vitaler Leichtigkeit.

Ein unscheinbares Produkt

„Bach & Sons“, so könnte man es wohlwollend formulieren, setzt auf Understatement. Hinter dem schlichten Cover befindet sich zwar ein kleines Booklet, in dem aber auf jegliche Erläuterungen verzichtet wurde. Lediglich die wichtigsten Daten zu den Aufnahmen auf den sieben enthaltenen CDs sind darin aufgeführt. Man wird alleingelassen mit einer schwach sortierten Ansammlung höchst anspruchsvoller Musik, dessen Zugang sich der Hörer gänzlich selbst erarbeiten muss. Zumindest das durch Musikauswahl und Verpackung so hervorgehobene Verhältnis zwischen Vater und Sohn der Familie Bach, hätte im Booklet näher erläutert werden dürfen. Was übrig bleibt, sind immerhin zahlreiche gelungene Einspielungen von Werken, an denen vor allem Bach-Experten Freude finden können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Bach & Sons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Zig-Zag Territoires
7
07.11.2014
EAN:

3760009293519


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Zig-Zag Territoires

Das "Label mit dem Zebra" wurde 1997 von Sylvie Brély und Franck Jaffrès gegründet. Die Idee, ausgerechnet ein Zebra als Wappentier zu wählen, kam von der Malerin Anne Peultier, die anfangs auch die eigenwillig verspielten Covers des Labels entwarf. Das Zebra soll mit seiner unbezähmbaren Energie und seinem Freiheitsdrang für die beiden Labeleigner und ihr Label stehen. Die Gründung des Labels war für beide die Erfüllung ihres Lebenstraumes, aber auch die Möglichkeit, endlich eigene Vorstellungen umzusetzen. So sollen nach ihrem Verständnis CDs nicht bloße Datenträger sein, sondern vielmehr kleine Kunstwerke, die aus der wechselseitigen Inspiration von Musiker und Produzenten entstehen. Tonmeister Franck Jaffrès stellt bei seinen Aufnahmen den Künstler in den Vordergrund, die Instrumente sind nötiges Beiwerk. Seine Aufnahmen sollen wie Porträts von Freunden sein, die einspielen dürfen, was ihnen am Herzen liegt. Der Erfolg gibt den beiden Idealisten recht: Für das Label nehmen so namhafte Künstler und Ensembles wie Jos van Immerseel, Chiara Banchini und Gérard Lesne auf, und die "Herde der Zebras", wie der Katalog liebevoll genannt wird, ist mittlerweile auf weit über 100 Titel angewachsen.


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