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Samstag, 15. August 2020

Byrd, William - Mass for 5 Voices

Eigensinnig


Label/Verlag: Phi
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Philippe Herreweghe hat ein illustres Vokalensemble versammelt und auf seinem Label Phi eine sehr schöne Platte mit Werken des Engländers William Byrd vorgelegt.

Auf seinem erst vor wenigen Jahren gegründeten Label Phi ist Philippe Herreweghe bemerkenswert zügig dabei, einen interessanten, vielseitigen Katalog aufzubauen, mit immer neuen Schmuckstücken auch aus dem Bereich der Alten Musik: Aktuell liegt eine Platte mit Musik des Engländers William Byrd vor, eines der wichtigsten Komponisten vor allem geistlicher Musik in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Vertreten ist er hier mit seiner gewichtigen Messe für fünf Stimmen, erschienen mit ihren Schwesterwerken in den 1590er Jahren: Sie ist streng und klar gesetzt, konzentriert, auch elegant in ihren bewegten Linien, die stets bestens integriert wirken in satztechnische Ökonomie und Schlüssigkeit. Als Katholik in anglikanischer Umgebung griff Byrd durchaus auch Traditionen des europäischen Festlands auf, als er seine Messen komponierte. Und so überrascht der Eindruck nur auf den ersten Blick, dass diese Ordinarien in ihren summarischen Qualitäten am Ende der kontrapunktischen Epoche durchaus mit anderen berühmten Werken der Zeit zu korrespondieren scheinen, zum Beispiel mit den ebenso raren Messen eines Claudio Monteverdi.

Ergänzt wird das leider kaum fünfzig Minuten umfassende Programm der Platte durch einige schöne Motetten Byrds, deren aussagekräftigste wohl der Wundersatz des 'Infelix ego' ist, ausgedehnt auf über zwölf Minuten, dicht verwoben, von elegant sublimierter Schroffheit, aber auch nobilitiert durch viel klingende Schönheit – ein Meisterwerk, unzweifelhaft. Schließlich sind zwei interessante Korrespondenzen der Zeitgenossen Alfonso Ferrabosco und Philippe de Monte zu hören.

Erstaunlich geschlossen

Philippe Herreweghe, inspirierender Dirigent und Ensembleleiter, hat sich bei Aufführungen von Musik des deutschen Barock sehr deutlich auf die Seite derer gestellt, die eine kammerchorische Besetzung favorisieren. Dafür ist sein Collegium Vocale Gent zu einem idealen Instrument avanciert. Hier, bei Byrd, deutet nur der Name auf das sonst aktive Ensemble hin. Besetzt ist es stattdessen radikal verschlankt, mit maximal zwölf Vokalisten in fünf Stimmen, gelegentlich – im wunderbaren 'Infelix ego' – auch solistisch. Die Namen sind bestens vertraut aus manch anderem Kontext und stehen für hochklassiges Singen: Im Sopran sind Juliet Fraser, Dorothee Mields und Dominique Verkinderen zu hören, Altus singen Marnix de Cat und Alexander Schneider, den geteilten Tenor bestreiten Stephan Gähler, Thomas Hobbs, Hermann Oswald und Manuel Warwitz, das Bassfundament liefern Wolf Matthias Friedrich, Matthias Lutze und Harry van der Kamp – eine wahrhaft luxuriöse Besetzung also.

Diese Vokalisten formen eine subtil ausgehörte Einheit, agieren klangsensibel, mit einem enorm luziden Grundansatz, getragen von üppiger stilistischer Expertise. Die weit ausgreifenden Bögen sind von einem großen Atem beseelt, kontrastiert von einer erfreulichen Agilität, die dieser durchaus oft behänden Musik der Spätrenaissance sehr zugute kommt.

Wie bei ähnlichen Beispielen, etwa bei einigen Programmen von Manfred Cordes‘ Ensemble Weser-Renaissance, ist es erstaunlich, wie mühelos Sängerinnen und Sänger aus sehr verschiedenen Kontexten dank ihrer immensen Erfahrung und Ensemblefähigkeit zu einem wirklich gemeinschaftlichen Musizieren finden: Üppige Qualität wird gleichsam aus dem Stand erreicht.

Das Klangbild der im italienischen Asciano aufgenommenen Einspielung ist klar und zugleich von angenehmer Größe, wirkt angemessen strukturklar und dennoch von einer feinen Korona überwölbt – in dieser maßvollen Räumlichkeit kann man sich Byrds Kunst sehr gut anhören.

Philippe Herreweghe macht – im positiven Sinne – auf seinem Label, was er will: Das ist künstlerischer Eigensinn zum Besten der Hörer. Hier hat er unter bewährtem Namen ein hochkarätiges Ensemble versammelt und bringt dessen Möglichkeiten ebenso klug wie sensibel zur Entfaltung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Byrd, William: Mass for 5 Voices

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Phi
1
01.12.2014
Medium:
EAN:

CD
5400439000148


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Phi

Der griechische Buchstabe φ (PHI - die Übereinstimmung mit den Initialen von Philippe Herreweghe ist nicht ganz zufällig) versinnbildlicht die Ambitionen des Labels. Er ist das Symbol für den goldenen Schnitt, für die Perfektion, die man in den Staubfäden der Blumen findet, für griechische Tempel, Pyramiden, Kunstwerke der Renaissance oder für die Fibonacci-Zahlenfolge. Seit der frühesten Antike steht dieser Buchstabe im eigentlichen Sinne für Kontinuität beim Streben nach ästhetischer Perfektion.
Mit der Realisierung dieses Katalogs erfüllt sich Philippe Herreweghe seinen Herzenswunsch, die Ergebnisse seiner musikwissenschaftlichen Forschungen und der im Laufe einer langen Karriere gewonnenen Erfahrungen hörbar werden zu lassen.
Mit vier bis fünf Neuproduktionen pro Jahr wird der Katalog Aufnahmen des wichtigsten symphonischen und chorischen Repertoires umfassen, Polyphonisches und natürlich die Werke von Johann Sebastian Bach, die Philippe Herreweghe in dem Bestreben wieder aufgreifen wird, immer vollendetere Versionen zu schaffen.


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