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Montag, 14. Oktober 2019

Rameau, Jean-Philippe - Daphnis & Egle

Ein Fest für Rameau


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Les Arts Florrisants machen Rameaus Musik zu einem sinnlichen Vergnügen, unterstützt von fabelhaften Tänzern.

Am 12. September letzten Jahres jährte sich der Todestag von Jean-Philippe Rameau zum 250. Mal. Ein Anlass für den Barockspezialisten William Christie, mit Chor und Orchester Les Arts Florissants sowie stilistisch erfahrenen Solistinnen und Solisten zwei Meisterwerke des 1682 geborenen Komponisten einzustudieren und aufzuführen. Es handelt sich um 'Daphnis et Églé', einer heroischen Pastorale in einem Akt, uraufgeführt 1753 in Fontainebleau und um das ein Jahr später entstandene Ballett in einem Akt 'La Naissance d‘Osiris'. Beide Werke liegen in Mitschnitten aus dem Théâtre de Caen, wo sie szenisch zur Aufführung kamen, als DVD bei Alpha unter dem Titel 'Rameau, Maître à Danser' vor.

Für die Regie zeichnet die englische Sopranistin Sophie Danneman verantwortlich, für die Choreografien Franҫoise Denieau. Christophe Naillet hat die improvisiert wirkenden Szenen einer Wanderbühne entworfen und ist für die Stimmungen des Lichtes verantwortlich, die historisch orientierten Kostüme stammen von Alain Blanchot. Was einst gefiel, als diese beiden Stücke für die königliche Unterhaltung in Fontainebleau entstanden, lässt sich auch heute, jedenfalls in einer solchen Interpretation, gerne genießen. Die sinnlichen Rhythmen in der Interpretation von William Christie und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern an ihren Instrumenten sowie mit ihren schönen, so herrlich ungekünstelt wirkenden Stimmen, solistisch oder im Chor, scheinen geradezu nach der tänzerischen Korrespondenz zu verlangen.

Zu erleben ist – auch im Mitschnitt auf DVD – ein sinnliches Fest. Da macht diese Wanderbühne Halt im bequemen Zuhause des Betrachters am Bildschirm und beschert für etwas mehr als 100 Minuten ein höchst sinnliches Vergnügen für Auge und Ohr. Es ist keine klassische Theatersituation, die Musiker, Sängerinnen, Sänger, die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich auf einer Ebene; so entstehen diese wunderbaren Interaktionen, ganz selbstverständlich, ein Geben und Nehmen.

So galant und raffiniert hier gesungen und musiziert wird, so wird auch getanzt. Kein Ballett mit Spitzenschuhen, dafür aber sind Spitzenleistungen zu erleben, wenn es ländlich ausgelassen zugeht oder in mythisch eingefärbten Passagen. Aufführungen solcher Art erlebt man hierzulande so gut wie gar nicht. Schade eigentlich. Auch wenn die Dimensionen entsprechend bescheidener sind – mitunter kann man schon an ein Megaspektakel wie Ariane Mnouchkines 'Molière' denken.

Die Arten des Gesanges mögen mitunter etwas fremd erscheinen. Hier geht es nicht um die Präsentation schöner Stimmen, auch wenn Reinoud van Mechelen, der Tenor, mit weicher Tongebung als Daphnis überzeugt. Die Sopranstimme seiner Partnerin Elodie Fonnard als Églé mag schon gewöhnungsbedürftiger sein, in der Erscheinung, im Spiel, in ihrer Ausstrahlung aber geben diese beiden Künstler ein ideales Paar ab in der heroischen Pastorale in einem Akt, mit der diese Aufführung beginnt.

Im zweiten Teil, in dem einaktigen Ballett 'La Naissance d‘Osiris' ist natürlich der Anteil des Tanzes größer. Auch die Musik ist noch szenischer, illustrierender. Da gibt es barocken Theaterdonner, wenn der von Pierre Bessière gesungene Jupiter ankommt und schöne Basstiefe verströmt. Zu erleben sind bezaubernde Tänze, etwa der drei Grazien Anne-Sophie Berring, Nathalie Adam und Andrea Miltnerova. Anmutig und elegant tanzt Artur Zakirov den Amor. Mit einem Fest zu dessen Ehren, mit einem Hochgesang auf die Liebe, geht der zweite Teil zu Ende – und mit beiden Teilen bereitet vor allem ein Meister wie William Christie mit diesem herrlichen Ensemble ein Fest für Rameau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:








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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rameau, Jean-Philippe: Daphnis & Egle

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
05.12.2014
Medium:
EAN:

DVD
3760014197048


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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