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Samstag, 20. Januar 2018

Kubelik, Rafael - Legendary and Rare Recordings

Ein Großmeister


Label/Verlag: Membran
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Erneut bietet das Label Documents vielversprechende Einspielungen sinfonischer Meisterwerke mit dem Dirigenten Rafael Kubelik - zum gewohnten Schnäppchenpreis.

Die 2013 veröffentlichte CD-Box ‚Rafael Kubelík – Complete Masterpieces’ wurde auf diesen Seiten von einem Kollegen bereits sehr positiv gewürdigt. ‚Rafael Kubelík – Legendary and Rare Recordings’ knüpft daran mit der Zusammenstellung zahlreicher weiterer historischer Aufnahmen an. Einzig Janáčeks 'Sinfonietta' sowie die berühmte Neunte Sinfonie 'Aus der neuen Welt' von Antonín Dvořák sind gleich in beiden Boxen zu finden, diesmal allerdings mit den Wiener Philharmonikern (aufgenommen 1956) und nicht dem Chicago Symphony Orchestra (1951). Überhaupt bilden die tschechischen Komponisten Dvořák, Smetana und Janáček einen Schwerpunkt der vorliegenden Sammlung. Brahms ist immerhin mit allen vier Sinfonien vertreten. Auch Bartók ist wieder dabei, lediglich Schubert kommt neu hinzu, mit einer ganz hervorragenden ‚Großen’ C-Dur-Sinfonie.

Die Legende Kubelík

‚Legendary and Rare Recordings’, also legendär und rar (was in diesem Fall so viel heißt wie: weitgehend unbekannt) – wenn das mal kein Widerspruch ist. In der Tat ist der Titel etwas irreführend, denn legendär sind weniger die Aufnahmen, für die das Interesse jahrzehntelang nicht sehr groß schien, als vielmehr der Dirigent, der auf ihnen zu hören ist.

Rafael Kubelík (1914-1996) wurde in Böhmen geboren; seine enge Verbundenheit zur slawischen Musik ist daher wenig verwunderlich. Insbesondere Aufnahmen der Werke Dvořáks erlangten großen Ruhm und gelten bis heute als Referenz. Mit seinen Interpretationen setzte Kubelík Maßstäbe zu der Zeit, als die Schallplatte ihre Sternstunden erlebte. Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an eine CD-Sammlung, die seinen Namen in den Fokus rückt. Wie schon in der vorhergegangenen Kubelík-Box, vermisst man leider auch diesmal ein Beiheft, welches Informationen und Hintergründe zu den einzelnen Aufnahmen oder wenigstens dem portraitierten Dirigenten liefern könnte.

Ergreifende Schwermut

Die enthaltenen Aufnahmen sind historischer Art und entstanden alle in den Jahren zwischen 1945-1959. Die Klangqualität fällt sehr unterschiedlich aus, wobei neuer nicht unbedingt gleich besser bedeutet. Smetanas 'Hakon Jarl' op. 16 (aufgenommen 1945) kommt äußerst präsent, rauscharm und sogar in stereo daher; ganz im Gegensatz z.B. zu den Brahms-Sinfonien (1957), bei denen man auf ein gründliches Remastering offenbar verzichtete.

Die hochkarätige Besetzung verspricht durchweg gelungene, teilweise überragende Interpretationen: Sehnsuchtsvolle Momente, wie sie in den Sinfonien von Brahms oder Dvořák oft zu hören sind, werden durch Kubelík und die Wiener Philharmoniker auf unnachahmliche Weise hervorgehoben. In Dvořáks Cellokonzert mit dem Philharmonia Orchestra (1948), kommt auch der ebenso namenhafte wie brillante Pierre Fournier als Solist wunderbar zur Geltung. In Bartóks 'Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta' allerdings erklingt das Chicago Symphony Orchestra (1951) an ruhigen Stellen fast etwas hintergründig; lautere Stellen erinnern mehr an Lärm denn an Musik. Die Aufnahmequalität lässt hier leider sehr zu wünschen übrig. Gerade bei einem Werk neuerer Musik wie dem von Bartók, geht dabei mit dem Klangeffekt auch ein wichtiger Aspekt der Komposition verloren.

Die enormen aufnahmetechnischen Qualitätsunterschiede innerhalb der CD-Box sind schon fragwürdig, denn für manche wird der Kauf so zu einem Glücksspiel in der Hoffnung, die eigenen Lieblingswerke auch in annehmbarem Stereoklang vorzufinden. Dennoch sind viele Stücke enthalten, die auch jüngeren Aufnahmen klanglich in nichts nachstehen. Zu den Highlights zählen Dvořáks Sinfonien Nr. 7 und 9 sowie Schuberts Achte Sinfonie C-Dur D 944, welche vor allem auch interpretatorisch ein glänzendes Bild abgeben. Dabei bestechen langsame Passagen durch ergreifende Schwermut, während das Orchester auch in aufbrausenden Abschnitten stets angenehm ausgeglichen daherkommt.

Eher rar als legendär

Die Aufnahmen sind allesamt zwar eher rar als legendär – allerdings völlig zu Unrecht. Unter der Auswahl an Werken findet man durchaus herausragende und hörenswerte Einspielungen. Diese kleine CD-Sammlung ist, auch des günstigen Preises wegen, jedem Freund sinfonischer Musik ans Herz zu legen, obwohl das Gesamtbild von teilweise erheblichen Störgeräuschen und der lieblosen, minimalistischen Aufmachung ganz ohne Booklet am Ende deutlich getrübt wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kubelik, Rafael: Legendary and Rare Recordings

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Membran
10
17.10.2014
EAN:

4053796001825


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Membran

Die Hamburger Vertriebs- und Entertainment Gruppe

Membran, ursprünglich als Tonträger-Einzelhandelskette mit über 30 Shops 1968 gegründet, ist ein internationaler etablierter und Industrie-unabhängiger Musikvertrieb. 2010 richtet Membran seine Strategien neu aus und expandiert zur Membran Entertainment Gruppe.

Ansässig in der Medienstadt Hamburg, konnte Membran seit der Gründung 1968 seine Services beständig ausbauen: Vom Musikvertrieb mit A&R Management, Konzeption und Produktion über das Lizenz- und Rechte-Management von Musik- und Filmtiteln, über Buchverlag und Buchhandel, zum Digitalvertrieb und als Vertriebspartner vieler internationaler Labels: der independent Vertrieb ist mit seinen Katalogen und Produktionen weltweit tätig.

Über 40 Mitarbeiter entwickeln ständig neue Medienprodukte, Einzel und Sammel-Editionen aus einem mittlerweile über 10.000 Artikel umfassenden aktiven Katalog. Für die Auswertung über die gesamte Bandbreite an Medienformaten kann das Unternehmen auf einen Lizenz- und Rechte Pool mit über 250.000 Titeln zurückgreifen.

Produkte und Kataloge eigener sowie renommierter Label wie Ars Musici, NCA, Nuova Era, Documents, Classico, Motema oder Must Have Jazz erreichen die Endkunden weltweit direkt oder über internationale Handelspartner.

Die Labels aus dem Hause Membran bieten Produktionen in allen Musikrichtungen und Preisklassen. Man findet Jazz, Klassik, Pop, Rock, HipHop und Schlager und ein breites Spektrum an Genre-Kopplungen sowie ausgesuchte Buchprodukte und Sammel-Editionen.

Vor allem spezialisiert ist Membran im Klassikbereich und hat mit Labels wie NCA - New Classical Adventure und Nuova Era in diesem Segment eine führende Rolle. Es werden hochwertige und seltene Werke geboten, und neue Talente etabliert.

Für ihre Produktionen wurde die Membran Gruppe bereits mehrfach ausgezeichnet. So erhielten sie zweimal den LEOPOLD  Medienpreis des Verbandes deutscher Musikschulen und für Beethovens Streichquartette, eingespielt von dem Leipziger Gewandhaus-Quartett, den Jahrespreis 2004 beim Preis der deutschen Schallplattenkritik, wo sie mit weiteren Titeln die Bestenliste erreichten.


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