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Samstag, 4. Februar 2023

Fontana, Giovanni Battista - Sonaten

Mit Sorgfalt zusammengestellt


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Auswahl von Werken Giovanni Gabrielis und Giovanni Battista Fontanas zeugt von der Bemühung des Ensembles Le Concert Brisé um die klanglich vielgestaltige Dokumentation eines wichtigen Epochenwechsels.

Indem das von William Dongois geleitete Ensemble Le Concert Brisé im Rahmen dieser Produktion des Labels Accent einzelne Canzonen von Giovanni Gabrieli (1557–1612) einer Auswahl von frühen Sonaten Giovanni Battista Fontanas (um 1571–1630) gegenüberstellt, rückt es die historische Schwelle zwischen den heute grob als Renaissance und Barock bezeichneten Zeiträumen in den Mittelpunkt und macht sowohl auf die Unterschiede wie auch auf die Gemeinsamkeiten zweier unterschiedlicher Generationen von Komponisten aufmerksam. Was hier von Anfang an auffällt, ist der kreative Umgang mit den klanglichen Möglichkeiten der ausgewählten Kompositionen, denn durch alternative Besetzungswahl ergeben sich viele Gestaltungsoptionen, die unmittelbaren Einfluss auf Klangbild und -dramaturgie der jeweiligen Werke haben.

Gabrielis Stücke eignen sich in diesem Kontext eher zur repräsentativen Prachtentfaltung unter Ausnutzung der gesamten Besetzung und legen zudem aufgrund ihrer Faktur eine Differenzierung in unterschiedlichen Klanggruppen nahe. Gleich zu Beginn erklingt die 'Canzon II a sei' als farbenreiche Mischung chorisch miteinander alternierender Streich- und Blechblasinstrumente und streckt damit den Rahmen für das Kommende ab. Hier wie in der 'Canzon IV a sei' führen die Musiker geschickt die quasi-architektonische Disposition des Komponierten als räumliches Wechselspiel vor. Besonders schön gelingt ein solcher Zugang zur architektonischen Dimension des Tonsatzes zudem in der weitaus bekannteren 'Canzon duodecimi toni', die aufgrund ihrer Instrumentalchöre ein geradezu ideales Finale für die CD bildet.

Gegenüber Gabrielis Canzonen erweisen sich Fontanas Sonaten als teils ausgesprochen intime Beispiele für das frühe kammermusikalische Musizieren. Stücke wie die 'Sonata VIII a tre' überzeugen in der vorliegenden Einspielung durch die aufmerksame Zeichnung melodischer Linienführungen und organisch eingesetzte Tempowechsel. Dazu tritt ein erstaunlich transparenter Klang, der verdeutlicht, welche Sorgfalt man darauf verwandt hat, um die Aufnahmen in der Kirchenakustik von Notre-Dame-de l’Assomption in Treffor zu realisieren. In hohem Maße gelungen sind unter diesen Bedingungen Stücke wie die 'Sonata V a violino solo', deren rezitativischer Charakter in ein raumgreifendes Solo voller deklamatorischer Feinheiten transformiert wurde, unterstützt von einer sehr nah am Instrument befindlichen Mikrophonierung.

Dass das Ensemble bei Auswahl, Anordnung und Besetzung der in drei großen Blöcken angeordneten Sonaten Fontanas auf den größtmöglichen Abwechslungsreichtum abgezielt hat, trägt viel zum gelungenen Gesamteindruck der Produktion bei. So schließt sich der 'Sonata VI per canto solo', mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem Zink geblasen und mit klanglich davon abgesetztem Cembalo-Continuo begleitet, die lediglich mit Violine und Theorbe realisierte 'Sonata X a due' an, wiederum gefolgt von der hiermit stark kontrastierende 'Sonata XIII a tre', in der zwei Zinke und Posaune mit Continuo-Orgel den langsamen Abschnitten eine spezifische Färbung verleihen, während in den rascheren Teile die Solostimmen vor dem Klang eines Cembalos agieren. Abgerundet wird die CD durch einen Booklettext von Dongois, der aus Perspektive der Aufführungspraxis in die Kompositionen und ihre historische Bedeutung einführt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fontana, Giovanni Battista: Sonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
03.10.2014
Medium:
EAN:

CD
4015023242500


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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