> > > The Mahler Camber Orchestra spielt: Werke von Britten & Shostakovich
Freitag, 19. Juli 2019

The Mahler Camber Orchestra spielt - Werke von Britten & Shostakovich

Schrei nach Menschlichkeit


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Teodor Currentzis entfacht mit dem Mahler Chamber Orchestra einen wahren Furor in den beiden Schostakowitsch-Beiträgen. Das ist großes Kino.

Der Dirigent Teodor Currentzis scheint nicht so wirklich im Spiel der Hochglanz-Klassikszene mitzumachen, dennoch ist er mittlerweile vom Geheimtipp zum Jungstar aufgestiegen. Schon immer ging der in St. Petersburg bei Ilya Musin ausgebildete Dirigent seinen eigenen Weg. Seinen Berufsweg als Dirigent begann er 2004 als Chefdirigent am Nowosibirsker Staatlichen Akademischen Opern- und Ballettheater; er blieb dieser Position treu bis zum Jahr 2010. Momentan ist er Musikdirektor in Perm, doch immer häufiger zudem Gast bei den bekannten europäischen Klangkörpern.

Auch auf dieser DVD, einem Mitschnitt eines Konzerts mit dem Mahler Chamber Orchestra aus dem Jahr 2013, zeigt Currentzis, wie stark er mit der musikalischen Tradition Russlands verbunden ist. Dmitrij Schostakowitschs Musik steht im Mittelpunkt; sie klingt hier bewegend eindringlich und humanistisch aufrüttelnd. Schostakowitschs Musik wird für gewöhnlich mit politischen Aussagen kurzgeschlossen, was teilweise zu recht geschieht; dennoch ist seine Musik zumeist Protest, ein Schrei nach Menschlichkeit.

Das Cellokonzert Nr. 1 op. 107 mit Steven Isserlis als Solist muss in diese Kategorie eingeordnet werden. Welch ein Ausdruck, Tiefgang sowie Überzeugungskraft! Musik ist zwar eine Weltsprache, dennoch verliert sie hier nie ihre nationale Betonung. Currentzis fordert mit seiner perfekten Schlagtechnik immer höchste Konzentration vom Orchester und so gelingt ihm eine fulminante Wiedergabemit höchster kreativer Energie des schwierigen Werks, das 1959 in Leningrad unter der Leitung von Mravinsky und mit Rostropovich uraufgeführt wurde.

Als Mittelstück dann Benjamin Brittens 'Sinfonietta' op. 1, ein Frühwerk, dem lange kein Erfolg beschieden war. Schönberg und Hindemith können als Vorbilder gehört werden. Das Werk wird vom Mahler Chamber Orchestra ohne Dirigent mit starker Wirkung interpretiert. Der letzte Teil dominiert klanglich jedoch deutlich.

Mit Schostakowitschs Sinfonie Nr. 1 f-Moll op. 10 setzt Currentzis einen grandiosen Schlusspunkt bei dem Konzert im Concertgebouw Brügge. Mit seinem Frühwerk hatte der Komponist mehr Glück als Britten. Am 26. Mai 1926 fand schon die sehr erfolgreiche Uraufführung am Leningrader Konservatorium statt. Bruno Walter führte das Werk dann 1928 mit den Berliner Philharmonikern auf. Diese Sinfonie gefällt mit ihrer ungeheuren klanglichen Frische, Frechheit und Temperament und ist durchaus nicht als Jugendwerk erkennbar. Musikalisch ist es aus einem Guss, immer überzeugend und unter die Haut gehend. Currentzis ist mit dieser Musik hörbar verwachsen und spornt das Orchester zu einem ungeheuer spannenden Musizieren an. Er erreicht spannende Kontrastwirkungen, gibt dem Taumel und der Lebensfreude großen Raum, aber auch der Nachdenklichkeit. In Sachen Schostakowitsch ist dieser Mitschnitt eine Referenzaufnahme.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Features:
Regie:






Midou Grossmann Kritik von Midou Grossmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Mahler Camber Orchestra spielt: Werke von Britten & Shostakovich

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
06.10.2014
Medium:
EAN:

DVD
880242598189


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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