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Samstag, 15. August 2020

Dvorak, Antonin - Rusalka

Rusalka als Hure


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Stefan Herheim treibt Rusalka das Märchen aus und macht sie an der Brüsseler Oper zur Prostituierten - wie originell.

Bei Dvořáks 'Rusalka' handelt es sich um ein ‚lyrisches Märchen’. Offensichtlich ist es die Absicht dieser Brüsseler Inszenierung von Stefan Herheim, der Oper alles Lyrische und Märchenhafte auszutreiben. Besonders originell ist das nicht, eher Mainstream. Wie auch immer, es gelingt jedenfalls auf ganzer Linie. Das lyrische Element fehlt sogar gleich doppelt: Myrtò Papatanasiu gestaltet ihre Rolle als Rusalka äußerst dramatisch, zuweilen nicht ohne Schärfe. Natürlich nicht im berühmten ‚Lied an den Mond’, doch wirklich sanft ist sie auch hier nicht und kann folglich nicht sonderlich für sich einnehmen. Obschon sie gewiss keine schlechte Leistung liefert, begeistert sie eben auch nicht. Anders im dritten Akt. Hier gelingen ihr die Arien sehr viel berührender und Pavel Černoch als Prinz hält stimmlich mit. Dennoch bewegt sich das Ensemble dieser Produktion insgesamt auf mittelprächtigem Niveau. Selbstverständlich gibt es individuell unterschiedliche Leistungen, aber keine Totalausfälle und keine Glanzlichter.

In der Inszenierung ist alles Lyrische erst recht eliminiert. Dass Rusalka ihrer Umgebung entfliehen möchte, ist immerhin nachvollziehbar, denn die Bühne (Heike Scheele) zeigt eine Straßenschlucht: Kirchenfassade, ein Schaufenster mit der Leuchtreklame ‚Sextoy’ und das Café ‚Lunatic’, alles ziemlich trist. Soll man sich wirklich noch über die offenkundige Provokation aufregen, Rusalka als Prostituierte darzustellen? Oder über die Nonnen, die plötzlich blank ziehen und dabei ihre dicken Bäuche und schweren Brüste präsentieren? Doch wohl nicht, dafür sind solche Regie-Einfälle einfach zu abgegriffen.

Tatsächlich entkommt Rusalka ihrer tristen Welt offenbar nicht, denn die Szenerie bleibt auch im zweiten Akt gleich. Nur das Café ändert zwischenzeitlich seinen Namen in ‚Solaris’. Die Hexe Ježibaba (Mit besonders in der Tiefe sehr charaktervollem Timbre: Renée Morloc) verwandelt Rusalka hier von einem leichten Mädchen in eine Braut; das Objekt ihrer Begierde ist ein Matrose. Pavel Černoch zeigt sich mit wandelbarer Stimme den (gar nicht geringen) Anforderungen der Partie gut gewachsen.

Und immerhin: Optisch wird schon einiges aufgefahren. Die Bühne erweist sich als wesentlich flexibler als zunächst gedacht, und die Kostüme (Gesine Völlm) sind bunt, manchmal auch grell, jedenfalls aber sehr fantasievoll. Teils ist Kostümierung und Regie etwas rätselhaft, so besteht offenbar eine enge Verbindung zwischen Prinz und Wassermann: Zunächst tragen sie identische Pyjamas, später ermordet der Wassermann die fremde Prinzessin, des Prinzen Ersatz für Rusalka, die mit dem Wassermann doch eigentlich gar nicht in Berührung kommt. Andere Elemente sind wiederum sehr klar, geradezu plakativ: Rusalka in kaltem weiß, die fremde Prinzessin (mit gewaltigem Vibrato: Annalena Persson) in feurigem Rot. Am Ende übrigens steht Rusalka wieder an einer Laterne und empfängt den nächsten Freier. Weniger Märchen geht nicht.

Die DVD enthält einen zehnminütigen Zusatzfilm, in dem Regisseur und Sänger zu Wort kommen und ihre persönlich Sicht auf die Oper schildern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Rusalka

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
06.10.2014
Medium:
EAN:

DVD
880242599285


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

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National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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