> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte Nr.23 & 27
Samstag, 15. August 2020

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte Nr.23 & 27

Dinner for Mozart


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der 90-jährige Menahem Pressler bittet in Zusammenarbeit mit Paavo Järvi das Publikum zu einem charmanten Mozart-Menü.

Eine große Aura, eine herzerwärmende Freundlichkeit und eine ergreifende Tiefe im Spiel verströmt der kleingewachsene Menahem Pressler auch noch im hohen Alter – dass man dies unbedingt auf DVD festhalten wollte, ist verständlich, zumal auch das Zusammentreffen zweier so unterschiedlicher Persönlichkeiten seinen Reiz hat: Auf der einen Seite der junge Paavo Järvi, bekannt für seinen schlanken, detailgenauen und präzisen Zugriff, auf der anderen Seite ebenjener Menahem Pressler, ehemaliger Kopf des legendären Beaux Arts Trios, der den körperlichen Anstrengungen trotzt und das Publikum im Konzertsaal weiterhin begeistert.

Nachdem sich das Beaux Arts Trio 2008 auflöste, hätte man meinen können, dies sei auch das Ende der Karriere von Pressler. Doch stattdessen ging er als Solokünstler mit einem Mozartprogramm auf Tournee und gab dabei unter anderem im stolzen Alter von 90 Jahren sein Debüt mit den Berliner Philharmonikern. Die Konzertmitschnitte mit Paavo Järvi und dem Orchestre de Paris vom 17. Oktober 2012 sowie vom 29. Januar 2014 aus dem Salle Pleyel Paris sind nun bei Euro Arts als DVD erschienen – eine geglückte Hommage an eine Klavierlegende, die immer wieder ihrem Anspruch ‚I’ll do my very best!’ nachkommt. Wie Pressler im Interview mit Paavo Järvi verdeutlicht, ist es im Alter nicht mehr die Suche nach Erfolgen und Bestätigung, sondern vielmehr der Wunsch, durch die große Lebenserfahrung in einen ganz speziellen Kontakt mit dem Publikum zu treten. Und das gelingt ihm in der Tat.

Poetisch zarte Süße

Presslers Anschlag ist nach wie vor perlend weich und zugleich von größter Intensität, die Phrasierung ist wohl durchdacht, die breiten Tempi fügen sich schlüssig dem interpretatorischen Gesamtkonzept – ein sehr poetisch romantischer Mozart wird hier modelliert. Pressler vermag mit seinen großen Bögen und schlichten Trillern trotz technischer Einschränkungen weitaus mehr zu erzählen als so mancher Pianist in seinen besten Jahren. Gleichzeitig ist Paavo Järvi mit üblich kammermusikalisch orientiertem Zugriff zu jeder Zeit eine Stütze, die große Rücksicht auf das Spiel Presslers nimmt.

Fehlende Würze

Dass man bei dieser Dinner-Party allerdings auch ab und zu über einen Tigerkopf stolpert, liegt nicht nur am Meister am Flügel. So hat das Orchester sicherlich auch seinen Anteil daran, dass das Klavierkonzert in A-Dur KV 488 im Vergleich zum zwei Jahre zuvor eingespielten B-Dur-Klavierkonzert KV 595 insgesamt temperamentloser erscheint. Der umfangreiche Pedaleinsatz und Unsauberkeiten bei schnellen Läufen werden gerne verziehen. Dass dann aber auch der von Pressler im Interview als so besonders hervorgehobene langsame Satz in fis-Moll eher matt bleibt, ernüchtert doch etwas. Gerade hier hätte man in Anbetracht der reichen Erfahrung des Pianisten noch größere Tragik, Abgründe und Zerrissenheit in der Deutung erwarten können.

Geschmackliche Höhepunkte

Wie das geht, zeigt er uns im zweiten Satz des Klavierkonzertes in B-Dur KV 595. Was Pressler hier allein der ersten achttaktigen Periode zu entlocken weiß, ist beeindruckend: Aus dem vorgeschriebenen 'Larghetto' wird vielmehr ein Largo oder Adagio, wodurch die ganze Fülle der Musik beleuchtet werden kann; der Halbschluss erfährt eine extreme Zuspitzung, während die Phrasenwiederholung nicht nur reine Wiederaufnahme darstellt, sondern bereits exzellent den Weg in die befreiende Kadenz ebnet. Trauer und Hoffnung, Klage und Trost – alles wird in diesem langsam atmenden Tempo und malerischen Anschlag Presslers offen gelegt, derweil die in diesem Klavierkonzert deutlich besser funktionierende Interaktion zwischen Klavier und Orchester für Atmosphäre sorgt.

Sanftes Dessert

Und doch strebt der tänzelnde Schlusssatz wieder allein das Grazile, Liebenswerte, Entzückende an, während man sich konsequent vor Schärfe und Bedrohlichkeit scheut. Dieser verzückende Mozart geht letzten Endes nur in eine Richtung – Ambiguitäten und Härten, die etwa bei Nikolaus Harnoncourt so gerne hervorgehoben werden, finden wir in dem schnörkellosen Orchesterteppich und dem reifen Spiel Presslers mit seelenvoll lyrischem Fokus nicht. Doch auch wenn weder Pressler noch Järvi am Ende in der Lage sind, die ganze Spannung in Mozarts Musik zu ergründen, ist die gestaltenreiche Tiefe im Klavierspiel in jedem Fall ungemein fesselnd. Gespannt sein darf man zudem, sollte Menahem Pressler auch mit 100 Jahren noch am Flügel sitzen, versprechen uns Järvi und Pressler im Interview doch scherzend eine Fortsetzung. Auf der vorliegenden DVD hat man schon jetzt die Ehre, mit einem romantischen Mozart die Treppe hoch geführt zu werden – zum eleganten, aber dezenten Mozart-Dinner.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte Nr.23 & 27

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
08.09.2014
Medium:
EAN:

DVD
880242598882


Cover vergössern

EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag EuroArts:

  • Zur Kritik... Komponisten-Feuerwerk: Das Silvesterkonzert 2017 ist nicht nur gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, sondern auch ein schönes Zeugnis von der langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Mutti und Sohn: Diese 'Lucrezia Borgia' aus San Francisco lebt von der Überzeichnung. Das gilt leider auch für die musikalische Seite, die zum Teil sehr ansprechende Leistungen präsentiert, aber nicht rundum zufrieden stellen kann. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Skalpell und Silberstift: Niveau und Klasse – bei Bělohlávek gewinnen solche Floskeln Sinn. Weiter...
    (Daniel Krause, )
blättern

Alle Kritiken von EuroArts...

Weitere CD-Besprechungen von Daniel Eberhard:

  • Zur Kritik... Drei eigensinnige Musketiere: Mit einer glanzvollen CD zelebrieren Anne-Sophie Mutter, Yo-Yo Ma und Daniel Barenboim das Beethoven-Jahr 2020. Dabei steht mehr das eigene Statement als der Dialog im Mittelpunkt. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Der Teufel trägt nichts: Der 'Fliegende Holländer' am Theater an der Wien unter der Leitung von Marc Minkowski und in der Inszenierung von Olivier Py kommt als düsterer Gespensterthriller daher, ohne jegliche Rücksicht auf Wagnersche Romantik. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Das Ewig-Sachliche zieht uns hinab: Ádám Fischer und den Düsseldorfer Symphonikern ist mit dieser Live-Einspielung von Mahlers 8. Sinfonie eine ordentliche Interpretation gelungen; die notwendigen Ekstasen bleiben jedoch zu oft auf der Strecke. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
blättern

Alle Kritiken von Daniel Eberhard...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Requiem für Furtwängler: Ein Requiem für Wilhelm Furtwängler – eine gewiss zufällige zeitliche Koinzidenz macht diese Aufnahme der zweiten Sinfonie mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Eugen Jochum zu einer besonderen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Unbekannter Norweger: Der in Deutschland fast gänzlich unbekannte Norweger David Monrad Johansen überrascht durch seine Biografie wie durch die Dichte seiner Kompositionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leopold I.: Il Sagrifizio d'Adbramo - A te pur data sia

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Edlira Priftuli im Portrait "Musikalisch praktizierte Ökumene"
Edlira Priftuli hat den Straßburger Wilhelmerchor zur historisch informierten Aufführungspraxis geführt

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich