> > > The Fitzwilliam Virginal Book Vol. 3: Werke von Philips & Sweelinck
Donnerstag, 22. August 2019

The Fitzwilliam Virginal Book Vol. 3 - Werke von Philips & Sweelinck

Freie Formgebung und kontrapunktische Architektur


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Den dritten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' widmet der Cembalist Pieter-Jan Belder dem Repertoire aus den Niederlanden.

Auf den Cembalisten Pieter-Jan Belder ist Verlass: Nach den ersten Produktionen aus den Jahren 2012 und 2013 bringt er nun bei Brillant Classics die dritte Doppel-CD mit Kompositionen aus dem ‚Fitzwilliam Virginal Book’ heraus und überzeugt auch diesmal mit seiner Auswahl und Zusammenstellung von Werken. Dass er dabei sehr feinfühlig vorgeht und die Stücke jedes Mal nach anderen Gesichtspunkten zusammenstellt, zeigt letzten Endes, mit welcher Überlegung der Musiker an die Gesamtaufnahme dieser für die Geschichte des Tasteninstrumentenspiels so wichtigen Handschrift nähert. Während er in der ersten Folge seiner Einspielung die Vielfalt des hier überlieferten Repertoires durch zahlreiche Einzelwerke unterschiedlicher Komponisten am Cembalo demonstrierte und die zweite Folge vollständig dem Briten William Byrd unter Hinzuziehung von Cembalo, Orgel und Virginal widmete, bestückt er den aktuellen dritten Teil mit Kompositionen aus den Niederlanden: nämlich mit 19 Originalkompositionen oder Bearbeitungen aus der Feder von Peter Philips (1560/61–1628) und vier Werken von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621).

Die ganze Spannweite seines Könnens stellt Belder bei den Stücken des Ersteren unter Beweis, wobei er geschickt die klanglich differierenden Charakteristika zweier Nachbauten historischer Cembalo für seinen Vortrag ausnutzt. Seine Umsetzung reicht von der frei deklamierenden, den Gestus einer Improvisation aufgreifenden Spielweise in 'Amarilli' (1603, nach Giulio Caccini) über die fast spielerische Art, mit der er die 'Fantasia' (1582) hinzaubert und in Bezug auf die Dichte des Klanggeschehens strukturiert, bis hin zum quasi-erzählerische Gestus, den er den fein ausgesponnenen und harmonisch weitläufigen Klagegesängen der 'Pavana dolorosa' (1593) und der 'Pavana Pagget' verleiht. Besonders schön geraten dem Cembalisten zudem in der 'Passamezzo Pavana' (1592) all jene Passagen, die unter Ausnutzung vollgriffiger Akkorde eine Echowirkung alternierender Instrumentalgruppen simulieren.

Kontrastierend hierzu wählt Bender für die kontrapunktischen Gebilde Sweelincks einen strengeren Zugang, dem er jedoch durch allerlei agogische Raffinessen ein gewisses Gegengewicht verleiht. Während er die Choralbearbeitung des 'Psalme (140) ' vor allem durch differierende Registrierungen strukturiert, schreibt er dem kunstvoll verschachtelten, sich gegen Ende immer weiter verdichtenden Satz der 'Fantasia' wiederum ein Element von Improvisation ein. Die abschließenden Stücke seiner Einspielung, 'Praeludium Toccata' und 'Ut re mi fa so la a 4' (1612), hat Bender so gewählt, dass er damit – trotz der harmonischen Differenz beider Werke – den Gegensatz zwischen freier (und dennoch voller imitierender Passagen steckender) Formgebung und strenger kontrapunktischer Architektur austragen kann. Damit unterstreicht er noch einmal die zentralen Wesenszüge der hier eingespielten Musik, die sich als roter Faden durch die gesamte Produktion ziehen. Schön wäre es allerdings, wenn das Label – wie zumindest beim ersten Teil der Serie geschehen – in der Tracklist die jeweilige Nummer aus dem 'Fitzwilliam Virginal Book' nennen würde, um dem interessierten Hörer eine rasche Identifizierung der Stücke zu ermöglichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Fitzwilliam Virginal Book Vol. 3: Werke von Philips & Sweelinck

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
31.10.2014
Medium:
EAN:

CD
5028421944494


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Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


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