> > > Borodin Quartett spielt: Werke von Brahms, Schostakowitsch & Ravel
Freitag, 6. Dezember 2019

Borodin Quartett spielt - Werke von Brahms, Schostakowitsch & Ravel

Alter Schatz des Borodin-Quartetts


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach und nach veröffentlicht Orfeo alte Live-Aufnahmen bedeutender Konzerte der Salzburger Festspiele. Eines der besonderen Art war der Auftritt des Borodin-Quartetts 1961. Kein Hochglanz-Sound, aber umso beeindruckender gespielt.

Es war der erste Auftritt des sowjetischen Quartetts bei den Salzburger Festspielen, der gleich zum großen Erfolg und zu einem wichtigen Schritt der Karriere im Westen führte. Die vier Musiker, von einigen hochangesehenen sowjetischen Musikern ausgebildet (unter den Lehrern war unter anderen David Oistrach), verband eine enge Freundschaft mit Dmitri Schostakowitsch, dessen Werke sie hoch schätzten und in einzigartiger Weise zur Aufführung brachten. 1961 brachten die Musiker das zentrale Werk im Streichquartett-Schaffen Schostakowitschs, das Achte Streichquartett in c-Moll op. 110, erstmals in die westliche Welt.

In kaum zu übertreffender Spannung und Dichte bringen die vier Musiker sowohl die elegisch ruhigen als auch die dramatisch rasanten Passagen zum Klingen. Klirrende Violinen, austachierte Pausenzeiten und wunderbar abgestimmte Tempowechsel machen die Live-Aufnahme zum spannenden Abenteuer. Natürlich muss man bei einer solch alten Aufnahme Abstriche in der Klangqualität hinnehmen. Dafür entschädigen jedoch das hochkarätige Spiel und die ungeschönt-direkte Atmosphäre einer Live-Aufnahme. Im typischen Borodin-Quartett-Stil fließen vier eigenständig geführte Stimmen zu einem musikalischen Kunstwerk zusammen. Vier Individualisten versinken in ihren Partien, manchmal mit einem Hauch zu viel Individualismus und zu wenig Sinn für die weiteren Stimmen, doch immer mit großem Klangeffekt. Denn gerade in den Schostakowitsch-Quartetten brechen die Stimmen übereinander zusammen. Mit einem ineinander greifenden Fluss der Stimmen beginnen sie das Achte Streichquartett und setzten mit ihrer Deutung sofort hohe Maßstäbe in der Interpretation der Quartette Schostakowitschs. Schneidende Violinen und ein rasselndes Violoncello bringen die Gegensätze des Werkes zum klingenden Vorschein. Dabei reizen die Musiker die Oppositionen im Ausdruck nie bis zum Äußersten aus. Wohl werden rasche, laute und auch aufreibende Dissonanzen ausgespielt, doch lassen sich die Musiker nicht zu übermäßigen Ausbrüchen oder Formlosigkeit hinreisen. Die leicht brummig matte Aufnahme lässt zwar an Präsenz und Klarheit zu wünschen übrig, doch bleiben alle Stimmen sauber durchhörbar. Positiv fällt das Publikum auf, das vielleicht so gefesselt war, dass es ganz vergaß zu husten oder sonstige Geräusche von sich zu geben.

Mit recht vibratoarmem und unprätentiösem Spiel gelingt ein kraftvoller Schostakowitsch ebenso wie ein berauschender Ravel. Dessen einziges Streichquartett in F-Dur op. 35 gelingt dem Quartett schlank, ganz frei von überladenen Romantisierungen. Hier zeigt sich feine Spielkultur am deutlichsten und das gekonnte Maß an Zurücknahme der einzelnen Spieler, um den anderen Stimmen zu dienen. Ihr Ravel geht wellenartig auf und ab, bewegt sich an manchen Stellen kaum mehr spürbar, steht aber nie still. Auf der Suche nach größtmöglichem Klangvolumen, nicht in der Lautstärke, aber im Gestus, lassen sie den Hörer den Klang geradezu suchen. Keine großen Effekte, aber kleine Besonderheiten entstehen in dem Quartett.

Zu Beginn ist das a-Moll-Streichquartett op. 51 Nr. 2von Johannes Brahms zu hören. Ein starker Auftakt, voller Spannung in großen wie kleinen Gesten. Dem Borodin-Quartett gelingt eine elegante Ausgewogenheit zwischen schwungvollen, akzentreichen Passagen und den ruhigen romantischen Melodien.

Im Booklet in Deutsch und Englisch erfährt man leider nicht viel über die Werke. Hier wird vor allem das herausragende Ereignis dieses Konzertes und der Salzburger Festspiele an sich gelobt. Interessant sind Auszüge der Rezensionen, die seinerzeit zu diesem Konzert 1961 erschienen sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




David Buschmann Kritik von David Buschmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Borodin Quartett spielt: Werke von Brahms, Schostakowitsch & Ravel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
05.09.2014
Medium:
EAN:

CD
4011790893129


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
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