> > > Limelight and Limestone - A Singing Journey: Werke von Wagner, Rangström, Giordano u. a.
Samstag, 21. Juli 2018

Limelight and Limestone - A Singing Journey - Werke von Wagner, Rangström, Giordano u. a.

Singen als Passion


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Margareta Dellefors begeistert - weniger durch ausgefeilte Phrasierungen als durch schonungslose Hingabe an die Musik. Rangström, Wagner, Verdi, Puccini, Hallström und Strauss leben in dieser Interpretationen neu auf.

Die schwedische Sopranistin Margareta Dellefors erfüllt sich nicht auf dem üblichen Weg den Wunsch, Opernsängerin zu werden. 1926 geboren, beginnt sie zwar schon früh zu singen, arbeitet auch erfolgreich mit ihrem Lehrer zusammen und wird 1948 an der Musical Academy in Stockholm aufgenommen. Dort jedoch gerät sie an zwei Lehrer, von welchen der eine sie als Alt und nicht als Sopran einstuft. Nach einiger Zeit verliert sie ihre Stimme, muss die Musical Academy verlassen und unterrichtet schließlich, nachdem sie ein Examen gemacht hat, als Grundschullehrerin.

Glücklicherweise gibt sie ihre privaten Gesangsstunden und damit ihre Ambitionen nicht auf. Nicht selten gibt sie, nachdem sich die Stimme erholt hat, am Morgen Unterricht in ihrer Klasse und steht am Abend auf dem Konzertpodium. Bald schon wird Margareta Dellefors auf einem dieser Konzerte entdeckt und kommt über einige Partien in Finnland und in Göteborg an die Oper in Oslo, wo sie einen Gastvertrag erhält und als Marguerite in 'Faust' debütiert, an der Seite von Kim Borgs Méphistophélès. Es folgen Donna Elvira und Rosalinde und schließlich eine Tournee durch Norwegen als Tosca. Ihr letztes offizielles Konzert gibt sie 1972. Über ihren damaligen Ehemann kommt Dellefors dann an den Schwedischen Rundfunk, wird dort über 19 Jahre hinweg Produktionsleiterin, findet dann jedoch ein neues Projekt und gründet die Dalhalla Festspiele.

'Schonungslose' Gestaltung

Schonungslos wie dieser Lebensweg, nie aufgebend, immer voran, mit großer Energie, so singt die Sopranistin auch. Die vorliegende Zusammenstellung umfasst Aufnahmen aus den Jahren 1963-1972. Margareta Dellefors‘ Stimme scheint nicht gemacht für subtile Abstufungen. Vielmehr vermag sie durch ihre ‚schonungslos‘ eingesetzte stimmliche Gewalt mitreißen. Sie ist nicht immer um einen schönen Ton bemüht, sondern mehr um die Wahrhaftigkeit der Musik und ihrer Ausdruckswerte.

Fünf Lieder aus dem Zyklus 'Der Auserwählte' von Ture Rangström eröffnen die CD. Mit diesen immer wieder ausbrechenden Liedern, die eine gute, aber keine extreme Höhe fordern, ist Dellefors auf heimischem Gebiet unterwegs und kann sich bestens präsentieren. Die nachfolgenden 'Wesendonck-Lieder' offenbaren zwar eine Schwachstelle in der Diktion des Deutschen, stellen aber auch die volltönende, betörende Mittellage der Stimme in den Vordergrund. Der Hörer ahnt, wie es zu dem Fehlurteil gekommen sein könnte, Margareta Dellefors als Alt einzustufen.

Es folgen drei italienische Arien voller Glut: Giordanos 'La Mamma morta' aus 'Andrea Chénier', Verdis 'Pace, pace mio Dio! ' und Puccinis 'Vissi d‘arte'. Besonders Letzteres besticht nicht durch Wohlklang oder abgezirkelte Phrasierung, sondern durch das plastische in Erscheinung Treten von Floria Tosca, ihrer Verzweiflung, ihres Diventums. Dellefors singt, als ginge es um ihr Leben, und da stört auch nicht der eine oder andere schrille Ton. Das überzeugt!

Mit zwei Szenen aus Ivar Hallströms 'Die Braut des Bergkönigs' findet die Zusammenstellung wieder den Bogen zur nordischen und damit heimischen Musik. Ein besonderes Highlight ist 'Ein schönes war' aus Strauss‘ 'Ariadne auf Naxos' aus Dellefors letztem offiziellen Konzert. Wenn der Sopran aufleuchtet, der Atem kaum ein Ende findet, Tiefe wie Höhe voll ausgeschöpft werden und Dellefors‘ Ariadne dem Hörer hier ihr Herz ausschüttet, wünscht man sich, es gäbe ein größeres Repertoire der Sängerin auf CD zu entdecken und sie hätte nicht ihre Sängerlaufbahn beendet. Andererseits verdient sie größten Respekt dafür, dass sie ihre Kraft von nun an in weitere kulturelle Arbeiten und Projekte gesteckt hat.

Diese CD gibt die Möglichkeit, sich mit einer faszinierenden Persönlichkeit und Stimme auseinanderzusetzen. Das Lebenswerk verdient größten Respekt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Limelight and Limestone - A Singing Journey: Werke von Wagner, Rangström, Giordano u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
16.01.2015
EAN:

7393338169321


Cover vergössern

Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
  • The Artist series, dedicated to musical excellence from Swedish performers
  • The Historical Recordings series, with many unique pieces of musical heritage taken from the Swedish Radio Archives.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Sterling:

  • Zur Kritik... Skandinavische Erstaufführung: Die Veröffentlichung dieses Mitschnitts ist aus historischer Sicht überaus verdienstvoll und für Sammler oder Fans des schwedischen Opernhauses und seines Ensembles fraglos von großem Wert. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Polnischer Frühling: Mit der dritten Folge der bei Sterling erscheinenden Reihe mit Orchesterwerken von Zygmunt Noskoswki (1846–1909) ist der Zyklus seiner drei Symphonien erstmals komplett auf Tonträger vorhanden. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Probebohrung im Feld romantischer Kirchenmusik: Vermutlich kennen Sie Raff: Seine attraktiven Symphonien sind inzwischen fest im Tonträgerrepertoire verankert. Lohnt sich auch ein Blick auf seine sakrale Chormusik? Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Sterling...

Weitere CD-Besprechungen von Silke Meier-Künzel:

  • Zur Kritik... Juwelen für den Konzertsaal: Juliane Banse und Sebastian Weigel lassen mit Werken von Marx, Braunfels, Pfitzner und Korngold originale Orchesterlieder erstrahlen. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Bach vom Fachmann: Frieder Bernius musiziert mit beeindruckendem Chor und transparentem Orchester Bachs 'Missa in g' und 'Ein feste Burg'. Die Aufnahme bringt keine neuen Erkenntnisse zur erklingenden Musik, besticht aber durch ihre unaufgeregte Art. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
  • Zur Kritik... Zwischen Singspiel und großer Oper: Reichardts 'Die Geisterinsel' wurde 2002 mit einem wunderbaren Markus Schäfer, einer herrlich burschikosen Barbara Hannigan und einem gerissenen Tom Sol von Hermann Max farbenreich eingespielt. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Silke Meier-Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Noch ein Nilsson-Windgassen-'Tristan'? Ja!: Dieser 'Tristan' dokumentiert die junge Birgit Nilsson und den hörbar entflammten Wolfgang Windgassen in ihren Paraderollen – einige Jahre, bevor sie als Traumpaar dieses Werks in die Geschichte eingingen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Orpheus auf dem Cembalo: Henry Purcell war auch als Meister des Cembalos eine Hausnummer. In eigensinnigen Spezialitäten wie den Hornpipes manifestieren sich musikantische Unternehmungslust und ein beweglicher Geist vielleicht am schönsten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klangpracht aus dem Dom von Perugia: Adriano Falcioni entfaltet die klangliche Vielfalt der Orgel des Doms von Perugia mit drei Kompositionen von Max Reger, darunter die bekannte 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H'. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leopold Kozeluch: Piano Trio PJX:41 in B flat major - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen – jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich