> > > Venetian Christmas: Werke von Vivaldi, Hasse, Perotti u. a.
Freitag, 7. August 2020

Venetian Christmas - Werke von Vivaldi, Hasse, Perotti u. a.

Weihnachten in Venedig


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Arte dei Suonatori präsentiert Bekanntes in ungewöhnlicher Form. Das reizvolle Klangbild ist vor allem durch das eingesetzte Psalterium bestimmt.

CDs mit venezianischer Weihnachtsmusik gibt es mittlerweile recht viele. Offenbar scheinen die Kompositionen von Vivaldi, Hasse, Torelli und Galuppi zu den Feiertagen beim Publikum gut anzukommen. Auch die neue SACD des polnischen Barockensembles Arte dei Suonatori unter der Leitung von Martin Gerster präsentiert dieses Jahr eine Auswahl venezianischer Weihnachtsmusiken der bekannten Komponisten – was bedeutet, dass eine Großzahl dieser Werke auch in anderen Einspielungen erhältlich ist. Aus diesem Grund bemüht man sich bei dieser Produktion, unveröffentlichte Alternativfassungen – wie beim Violinkonzert 'Il Riposo' RV 270a – zu präsentieren oder durch die Verwendung eines Psalteriums einen neuen Blickwinkel auf dieses typische Weihnachtsrepertoire zu werfen.

Die auf diese Weise entstehende Mischung ausgewählter Stücke vereinigt eine Vielzahl unterschiedlicher Genres. Vivaldis Violinkonzert RV 266 steht ebenso auf dem Programm wie eine seiner Opernarien aus 'Giustino' RV 717, sein 'Salve Regina' RV 617 sowie eine Bearbeitung seines Doppelkonzerts für Violine und Orgel RV 774, hier in einer Fassung für Orgel und Psalterium. Hinzu kommen einzelne Werke von Hasse ('Alma Redemptoris Mater'), eine Sonate für Psalterium und Generalbass von Fulgenzio Perotti und das Concerto Grosso 'con una Pastorale per il Santissimo Natale' von Torelli.

Der silberne Klang des Psalteriums zieht sich wie ein roter Faden durch die Musikauswahl. Komalé Akakpos hochvirtuoses Spiel auf diesem ungewöhnlichen Instrument beeindruckt sehr. Mit einer Schnelligkeit, die an die vergleichsweise einfachere Anschlagtechnik eines Cembalos erinnert, lässt er die Töne seines Psalteriums durch Solopartien als auch Tuttibegleitungen rasen. Dass das erklingende Instrument nicht durch Tastenanschlag bedient wird, sondern durch Klöppel geschlagen wird, ist kaum auszumachen. Perlende Läufe, stupende Triller, die sanfte Gestaltung von Largosätzen und ein beeindruckendes Klangvolumen sind Zeugnis von Komalé Akakpos Meisterschaft.

Die solistischen Violinparts gestaltet Ensemblemitgründerin Ewa Golinska mit einfühlsamem Geschick. Die Sopranarien werden von der walisischen Sopranistin Ruby Hughes gesungen, deren kraftvolle, dramatische Stimme auf die vitale wechselseitige Beeinflussung von Opern- und Kirchenmusik in Venedig verweist. Statt das für englische Soprane schlanke, glitzernde Timbre zu kultivieren, das die englische Gesangstechnik besonders auszeichnet, singt Hughes mit einer italienisch anmutenden Klangfarbe, die gut zur Musik Vivaldis passt.

Ein außergewöhnlich schönes Werk ist das 'Alma Redemptoris Mater' von Johann Adolph Hasse. Dieses Stück, das Hasse im ‚gemischten Stil’ schrieb, vereint Elemente der neapolitanischen Operntradition mit der Venedigs, mit dem Ergebnis, dass ein kleines Streichorchester mit dominanten Violinen eine melodienselige Gesangsstimme begleitet. Das durch Martin Gester von der Orgel aus angeführte Basso continuo-Grüppchen könnte einen etwas farbigeren Klang entfalten, doch hat auch diese schlichtere Variante ihren großen Reiz. Abgerundet wird die SACD durch ein optisch schönes Booklet, das aber mit etwas detailreicheren Informationen zu den einzelnen Stücken aufwarten könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Venetian Christmas: Werke von Vivaldi, Hasse, Perotti u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
01.10.2014
Medium:
EAN:

CD
7318599920894


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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