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Sonntag, 20. Oktober 2019

Schubert, Franz - Sinfonien Nr. 2 & 6

Humoristische Züge bei Schubert


Label/Verlag: Sinfonieorchester Basel
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Klangschönheit und hohe Genauigkeit im Zusammenspiel sind nicht alles. Es fehlt dieser Schubert-Lektüre ein wenig an Eigenständigkeit in der musikalischen Umsetzung.

Schuberts Instrumentalwerke sprechen aus der Tiefe der Frühromantik des beginnenden 19. Jahrhunderts. Subtile Melodik, gesangliche Phrasen und eine oft dunkle Klangfärbung durch besondere Hervorhebung der tiefen Streicher sorgen für einen eher düsteren Eindruck, den viele Kompositionen Schuberts hinterlassen. Eine nicht gegensätzliche, aber doch andere Wirkung erzeugen die frühen Sinfonien, insbesondere die hier eingespielte Zweite Sinfonie in B-Dur D 125. Zwar ist dort die Melodie auch kurzzeitig mal düster gefärbt, so etwa im dritten Satz, aber die Durchsichtigkeit der musikalischen Faktur erzielt einen doch fast durchweg lebendigen, beinahe unbeschwerten Eindruck des Werkes, welches Schubert im Alter von 17 Jahren komponierte.

Die vorliegende Einspielung beinhaltet Live-Aufnahmen der Sinfonien Nr. 2 und 6 aus dem Jahr 2013 mit dem Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Dennis Russell Davies. Beide Interpretationen zeugen von Souveränität im Zusammenspiel des Orchesters und von hoher Flexibilität im Umgang mit den recht schnellen Tempi. Die solistischen Einwürfe – hervorgehoben sei besonders das Flötensolo im ersten Satz der Sechsten Sinfonie – erklingen makellos. Für eine gute klangliche Balance im gesamten Orchesterapparat ist durchweg gesorgt. Die impulsiv vorwärts drängende Gestaltung des ersten Satzes der Zweiten Sinfonie ist der ouvertürenhaft-brillanten Instrumentation Schuberts, wie sie im Beihefttext genannt wird, angemessen. Ein großes Lob verdient auch die bemerkenswert reine Intonation insbesondere in den Holzbläsern. Dennoch kommt bereits in diesem Satz der spielerische Charakter ein klein wenig zu kurz. Originellere Phrasierungen könnten zu einem noch individuelleren Eindruck dieser Interpretation beitragen, welche doch sehr eng am reinen Notentext klebt und wenig musikalische Eigenständigkeit aufweist. Sehr schlicht interpretiert das Sinfonieorchester Basel das 'Andante' dieser Sinfonie, deren sehr ‚gelehrsamer’ Stil – Schubert nahm zur Zeit der Entstehung der Sinfonie noch Unterricht bei Salieri – allerdings per se die gestalterischen Möglichkeiten begrenzt. Mehr Kontrastreichtum wäre im Menuett wünschenswert; überraschend und wirkungsvoll gestaltet sich dagegen das abrupte Ende dieses Satzes.

Schuberts Kompositionskunst überzeugt in der Sechsten Sinfonie durch Raffinesse und eine subtil humoristische Art, die besondere spielerische Leichtigkeit von den Interpreten erfordert. Dies gelingt dem Orchester durch eine locker-beschwingte Interpretation vor allem des Finales, wobei die Artikulation in allen Instrumentengruppen noch mehr Schärfe vertragen könnte. Insgesamt präsentiert das Orchester unter der Leitung von Dennis Russell Davies zwei solide, klangschöne Aufnahmen der Sinfonien. Mehr eigenständiges interpretatorisches Profil, insbesondere bei den Phrasierungen der Rahmensätze der beiden Werke, allerdings wäre wünschenswert gewesen, um der Aufnahme einen individuelleren Charakter geben zu können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Sinfonien Nr. 2 & 6

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sinfonieorchester Basel
1
27.10.2014
Medium:
EAN:

CD
4260313810079


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Sinfonieorchester Basel

Es gibt viele gute Gründe für eine Reise nach Basel – ein ganz besonderer ist sein Sinfonieorchester. Das Sinfonieorchester Basel ist eines der ältesten und zugleich innovativsten Orchester der Schweiz. In der Nordwestschweiz verankert, geniesst es eine starke überregionale und internationale Ausstrahlung. In seinen eigenen Konzertreihen, im Theater Basel sowie bei Gastspielen im In- und Ausland beweist es immer wieder aufs Neue seine hohe Klangkultur. Chefdirigent ist seit 2009 der renommierte amerikanische Dirigent und Pianist Dennis Russell Davies.

Die Gründung des Orchesters geht auf das Jahr 1876 zurück. Sie fällt damit in das Baujahr des akustisch hervorragenden Musiksaals im Basler Stadt-Casino, der auch heute noch die Spielstätte des Ensembles ist.

Unter den Dirigenten, die dem Sinfonieorchester Basel eng verbunden waren oder es noch sind, finden sich Namen wie Johannes Brahms, Felix Weingartner, Gustav Mahler, Wilhelm Furtwängler, Antal Dorati, Gary Bertini, Walter Weller, Armin Jordan, Horst Stein, Otto Klemperer, Nello Santi, Pierre Boulez, Marko Letonja, Valery Gergiev und Mario Venzago.Eine ganze Reihe bedeutender Werke des 20. Jahrhunderts – unter anderem von Béla Bartók, Arthur Honegger und Bohuslav Martinů – wurden vom Sinfonieorchester Basel uraufgeführt.

1997 fusionierte das Basler Sinfonie-Orchester mit dem Radio Sinfonieorchester Basel. Dabei wurde für das Ensemble der heute gültige Name gefunden: Sinfonieorchester Basel. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Orchesters war 2012 die Ablösung von der langjährigen Veranstalterin AMG (Allgemeine Musikgesellschaft Basel) und der gleichzeitige Aufbau einer eigenen Abonnement-Reihe.

Das Repertoire des Sinfonieorchesters Basel ist breit gefächert: Es reicht von der Wiener Klassik über die Romantik bis hin zu Kompositionen der jüngsten Moderne. Gezielt werden auch neue Konzertformen gesucht und Koproduktionen mit Jazz-, Rock- oder Techno-Acts realisiert. Unter Dennis Russell Davies baut das Orchester seine Stärken und sein Repertoire laufend aus. Schwerpunkte sind unter seinem Dirigat nebst Klassikern der Moderne auch Werke von schweizerischen und amerikanischen Komponisten. Davies und das Sinfonieorchester Basel pflegen eine enge Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung Basel.

Zahlreiche international beachtete und zum Teil preisgekrönte CD-Produktionen dokumentieren das Schaffen des Sinfonieorchesters Basel. Gegenwärtig widmet sich das Orchester unter seinem Chefdirigenten Gesamteinspielungen der Sinfonien von Franz Schubert und Arthur Honegger.

Seit ein paar Jahren zeigt das Sinfonieorchester Basel vermehrt auch internationale Präsenz. So führte beispielsweise 2010 eine Tournee das Sinfonieorchester Basel nach China, und im Herbst 2012 gab das Orchester zwei gefeierte Gastspiele in St. Petersburg und Moskau. Im Frühling 2014 spielte das Orchester im Rahmen einer ausgedehnten England-Tournee Konzerte in London, Cambridge, Basingstoke, Coventry und Cardiff. Für den Frühling 2015 ist eine Tournee nach Südkorea und China geplant.


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