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Montag, 19. August 2019

Trio CAYAO - Tango Fuego

Finnischer Tango à la Piazzolla


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Trio Cayao präsentiert eine Kollektion finnischer und südamerikanischer Tangos in dramaturgisch geschickter Anlage. Am Ende angekommen, möchte man gleich wieder vorn beginnen.

Unüberhörbar klingt Piazzolla in jeder Komposition der bei Oehms erschienenen Produktion ‚Tango Fuego’ durch. Der Unterschied liegt in der Instrumentierung des Berliner Ensembles Trio Cayao mit Musiker aus drei Nationen. Der deutsche Geiger Iskandar Widjajas komponiert und bildet die klangliche Basis. Jarkko Riihimäki aus Finnland am Klavier übernimmt den Part des Bandoneons und spannt den Bogen zum Swing, ebenso wie Kontrabassist Ander Perrino aus Spanien, der gleichzeitig erdet, wo Klavier und Geige, den ‚männlichen’ und ‚weiblichen’ Part übernehmend, in allen Facetten der Leidenschaft rivalisieren und harmonieren. Das Besondere der ‚Tango-Fuego’-Kompositionen ist immer wieder das Durchschimmern melancholischer Bar-Atmosphäre. Hier zeigt Jarkko Riihimmäkis seine kompositorische Innovationskraft über Piazzolla hinaus.

Mit zwölf Titeln präsentiert ‚Tango Fuego’ über eine Stunde alle Facetten großer Tangoleidenschaft. Ein Klavierakkord, ein Geigenstrich, und man taucht ein in die Welt Piazzollas: die sehnsuchtsvoll weit ausschwingenden Bögen der Violine, unterfüttert von markanter Akkordik, die schon im ersten (titelgebenden) Stück 'Tango Fuego Vivo' lässig in Richtung Barmusik zielt, während die Violine in gipfelstürmenden Höhen jubiliert, leidenschaftlich abwärts wirbelt und ‚Tango Fuego’ in einem dramatisch kinematischen Soundtrack-Happyend enden lässt. Nach dem furiosen Entree folgt mit dem finnischen Titel 'Tähdet meren yllä' dramaturgisch konsequent ein ruhig-harmonisches Zusammenspiel. Das Klavier wagt sich in die hohe Lage, umflutet klanglich als Zeichen emotionaler Harmonie und seelischer Entspannung die Geigenvariationen.

In 'Locura' weitet sich der Spagat instrumentaler Tonspannungen zwischen rasantem Klavier-Forte und der vehement zupackenden Violine, vom Bass warm durchglüht. Die klangliche ‚Eskalation’ mildert sich zum Sehnsuchtsmotiv 'Contigo en la distanza'. In hauchdünn vibrierenden Höhen geigt Iskandar Widjaja in glasklarer Linienführung, akzentuiert von Klavierkaskaden: vom Ich und Du zum Wir als klanglich anschwellende Synthese. Nahtlos gleitet die Melodie zu 'Kasztany', wo die Violine Melancholie chromatisch unterstreicht, das Klavier frisch belebt und schließlich beide Instrumente im dahinfließenden Spiel in aufklingenden Walzerrhythmen zusammenfinden, so dass sich 'El día, que me quieras' als subtil flirrendes Pas des deux der beiden Instrumente ergibt.

Jäh wird das Liebesglück durch langgezogene Dissonanzen, Achtelsequenzen und dissoziiertes Klangflirren in der Einsamkeit, 'Soledad', beendet. Mit Vehemenz baut sich der nächste Temperamentsausbruch zwischen markantem Klavierpart, seismografisch getaktetem Kontrabass und poetischem Verweilen geigerischer Melodiebögen in '#lastminute' auf, um schließlich in einer fröhlichen 'Milongíta finlandesa' eine temperamentvolle Dynamik zu entwickeln, immer wieder jäh unterbrochen, um sich stets zu einer neuen Runde aufzuschwingen, gezügelt nur durch den Rhythmus des Kontrabasses. Behäbiger im akzentuierten Spielduktus, gleichzeitig noch ausgelassener präsentiert sich der Tango 'Don Agustin Bardi' und endet in 'Chiquilin de Bachin' und 'Sikosaari' tangogemäß in verinnerlichter großer Daseinsmelancholie, die die Musik zur Droge macht, will man doch sofort wieder zurück zum ‚Tango Fuego’-Lebensgefühl des Titelsongs.

Der CD beigegeben ist ein Video mit Iskandar Widjaja mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, wobei man auf die melodramatischen Einblendungen einer flammenden Mädchenschönheit wohl besser verzichtet hätte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Trio CAYAO: Tango Fuego

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
06.10.2014
Medium:
EAN:

CD
4260330918123


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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