> > > Brommer, Sophia singt : Promessa (Arien)
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Brommer, Sophia singt - Promessa (Arien)

Ein Versprechen


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sophia Brommers zweite Solo-CD ist trotz mancher Schwächen eine Entdeckung wert, denn hier wird mit Leib und Seele musiziert.

Im vergangenen Jahr hat die junge Sopranistin Sophia Brommer ihr zweites Soloalbum beim Label Oehms Classics vorgelegt: ‚Promessa‘. Im Gegensatz zu ihrem CD-Debüt mit Liedern widmet sie sich nun der Oper. Das Spektrum reicht von Gaetano Donizetti bis Leonard Bernstein und vermittelt eindrücklich, mit welcher Leidenschaft Sophia Brommer ihren Charakteren zu Leibe rückt. Wer die Sopranistin beispielsweise am Theater Augsburg live erleben konnte, der weiß um die Faszination ihrer Darstellung, die schonungslose Hingabe, mit der Brommer sich in den Dienst der Musik, der Inszenierung, der Wahrheitssuche stellt. Sophia Brommer ist im allerbesten Sinne ein ‚Bühnentier’, der man eine Lulu ebenso glaubt wie eine Mimi.

Bei einem Arien-Album auf ihre rein stimmlichen Mittel beschränkt, relativiert sich der Eindruck ein wenig. Auch auf CD verzaubert der dunkle, geerdete Brommer-Ton mit seiner Koloraturgewandtheit und der immer wieder überraschenden Höhensicherheit – und doch fehlt diesen musikalischen Porträts das visuelle Pendant dieser beeindruckenden Bühnenpersönlichkeit. Vielleicht wäre Juliettes 'Je veux vivre' aus Gounods 'Roméo et Juliette', das die CD eröffnet, in einem Livekonzert von größerer Wirkung und Überzeugungskraft. In dieser Zusammenstellung klingt Brommers Interpretation ernüchternd eindimensional, als hätte die Künstlerin eine innere Handbremse angezogen. Ohne Frage ist der Walzer tadellos gesungen – der oft zitierte Funke will aber nicht überspringen.

Ganz anders verhält es sich in Neddas 'Qual fiamma avea nel guardo!' aus Leoncavallos 'I Pagliacci'. Der melancholisch verschattete Klang passt wunderbar zu diesem Solo, während die Sopranistin hier hörbar Zeit hat, die dramatische Situation vokal auszuloten. Selbiges will ihr auf dieser CD mit Violettas 'Addio del passato' leider nicht gelingen, obwohl die Sängerin auf der Bühne bereits eine umjubelte 'Traviata' war.

Stärken und Schwächen

Und so wechseln sich auf diesem Album Höhepunkte mit schwächeren Nummern ab. Zu letzteren gehört auch der Ausschnitt aus Massenets 'Manon' sowie das 'Caro nome' aus Verdis 'Rigoletto'. In beiden Fällen findet Brommer in der Mittellage sehr persönliche Farben, die in höheren Lagen mit teilweise verhärteten Spitzentönen leider verblassen. Auch die allgemein verwaschene Artikulation steuert einiges zum getrübten Hörgenuss bei.

Dass sich Sophia Brommer im Falle der 'Lucia di Lammermoor' für Lucias erste Arie entschieden hat, verwundert auf den ersten Blick, wird aber beim Hören der CD sinnfällig. Brommers Stärken liegen nicht allein in vokaler Pyrotechnik, sondern im authentischen Ausdruck. Was mit 'Regnava nel silenzio' düster und leicht tremolös beginnt, steigert sich in der Cabaletta zum effektvollen Rollenporträt. Hier hört man auch jene gestalterische Kompromisslosigkeit heraus, die Sophia Brommers Bühnenfiguren so magisch wie streitbar machen. Weitere Highlights sind die Arie der Micaela aus Bizets 'Carmen', die hier fernab vom blonden Naivchen erklingt, sowie die fast schon meditative Wahnsinnsszene aus Bellinis 'I Puritani'. Diese Elvira hat kein Bravourstück nötig, die Musik klingt aus ihr selbst heraus, eventuelle Zuhörer werden traumwandlerisch ignoriert. Ein ausgelassenes 'Glitter and be gay' aus Bernsteins 'Candide' beschließt das Album.

Am Pult der Augsburger Philharmoniker begleitet Dirk Kaftan die Sängerin. Musikalisches Einverständnis und gemeinsame Bühnenerfahrung der beiden Künstler sind ein großer Pluspunkt der Produktion. Kaftan fordert und stützt die Interpretin zugleich, ohne durch besonderes Raffinement aufzufallen oder sich mit ungewöhnlichen Lesarten in den Vordergrund zu spielen.

Sophia Brommers zweite Solo-CD ist trotz mancher Schwächen eine Entdeckung wert, denn hier wird mit Leib und Seele musiziert – auch wenn das gewünschte Ergebnis nicht immer erreicht wird. Und letztlich ist diese authentische Momentaufnahme einer angehenden Karriere mit dem vielsagenden Titel ‚Promessa‘ das, was sie vorgibt zu sein: das musikalische Versprechen einer jungen Sängerin, das diese ohne Zweifel nach und nach einlösen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brommer, Sophia singt : Promessa (Arien)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
20.10.2014
Medium:
EAN:

CD
4260330918086


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Orgelsinfonik: Hansjörg Albrecht gelingt die fabelhaft bildkräftige Deutung einer substanziell zutreffenden Orgeltranskription der ersten Bruckner-Sinfonie. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Bezaubernder Effekt: Ein Duett mit Martha Argerich und ein neues Pedal für den Flügel machen diese Platte des Pianisten Jura Margulis spannend. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... 'Hörst du den Ton?': Dieser 'Ferne Klang' zeigt mit großer Klarheit und Leidenschaft, wie populär Schrekers Meisterwerk und seine Musik im Allgemeinen sein sollten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Eine Art Salzburger 'Sommernachtstraum': Mit diesem 'Endimione' kommt man als interessierte Hörerschaft der stilistischen Vielfalt und dem Ideenreichtums Michael Haydns ein interessantes Stück näher. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Ungebrochen modern: Wer keine historisierende Ausstattung braucht und sich von der ungebrochenen Modernität von 'Così fan tutte' überzeugen will, der kann mit der vorliegenden Veröffentlichung nichts falsch machen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Sounds of Martinsson: 'Garden of Devotion' macht mit einem Querschnitt aus Rolf Martinssons zeitgenössischen Schaffen auf einen hierzulande eher selten gespielten Komponisten aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Vertane Chance: Unbekümmertheit bestimmte Villa-Lobos' Denken, als er Transkriptionen von Klassik-Ohrwürmern erstellte. Zur Unbekümmertheit gesellt sich Ungenauigkeit hinsichtlich der Einspielungen dieser Werke durch den São Paulo Symphony Choir. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Es muss nicht immer Vivaldi sein: Völlig zurecht wurde Elizabeth Wallfisch 2021 mit dem Magdeburger Telemann-Preis ausgezeichnet. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Aufbrechende Farben und Klänge: Aus dem Schattendasein ans Licht führen Patricia Kopatchinskaja und die Camerata Bern folkloristisch intendierte Kunstmusik. So gelingt ein Klangabenteuer zwischen Vergangenheit und Moderne. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich