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Montag, 27. Januar 2020

Brommer, Sophia singt - Promessa (Arien)

Ein Versprechen


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sophia Brommers zweite Solo-CD ist trotz mancher Schwächen eine Entdeckung wert, denn hier wird mit Leib und Seele musiziert.

Im vergangenen Jahr hat die junge Sopranistin Sophia Brommer ihr zweites Soloalbum beim Label Oehms Classics vorgelegt: ‚Promessa‘. Im Gegensatz zu ihrem CD-Debüt mit Liedern widmet sie sich nun der Oper. Das Spektrum reicht von Gaetano Donizetti bis Leonard Bernstein und vermittelt eindrücklich, mit welcher Leidenschaft Sophia Brommer ihren Charakteren zu Leibe rückt. Wer die Sopranistin beispielsweise am Theater Augsburg live erleben konnte, der weiß um die Faszination ihrer Darstellung, die schonungslose Hingabe, mit der Brommer sich in den Dienst der Musik, der Inszenierung, der Wahrheitssuche stellt. Sophia Brommer ist im allerbesten Sinne ein ‚Bühnentier’, der man eine Lulu ebenso glaubt wie eine Mimi.

Bei einem Arien-Album auf ihre rein stimmlichen Mittel beschränkt, relativiert sich der Eindruck ein wenig. Auch auf CD verzaubert der dunkle, geerdete Brommer-Ton mit seiner Koloraturgewandtheit und der immer wieder überraschenden Höhensicherheit – und doch fehlt diesen musikalischen Porträts das visuelle Pendant dieser beeindruckenden Bühnenpersönlichkeit. Vielleicht wäre Juliettes 'Je veux vivre' aus Gounods 'Roméo et Juliette', das die CD eröffnet, in einem Livekonzert von größerer Wirkung und Überzeugungskraft. In dieser Zusammenstellung klingt Brommers Interpretation ernüchternd eindimensional, als hätte die Künstlerin eine innere Handbremse angezogen. Ohne Frage ist der Walzer tadellos gesungen – der oft zitierte Funke will aber nicht überspringen.

Ganz anders verhält es sich in Neddas 'Qual fiamma avea nel guardo!' aus Leoncavallos 'I Pagliacci'. Der melancholisch verschattete Klang passt wunderbar zu diesem Solo, während die Sopranistin hier hörbar Zeit hat, die dramatische Situation vokal auszuloten. Selbiges will ihr auf dieser CD mit Violettas 'Addio del passato' leider nicht gelingen, obwohl die Sängerin auf der Bühne bereits eine umjubelte 'Traviata' war.

Stärken und Schwächen

Und so wechseln sich auf diesem Album Höhepunkte mit schwächeren Nummern ab. Zu letzteren gehört auch der Ausschnitt aus Massenets 'Manon' sowie das 'Caro nome' aus Verdis 'Rigoletto'. In beiden Fällen findet Brommer in der Mittellage sehr persönliche Farben, die in höheren Lagen mit teilweise verhärteten Spitzentönen leider verblassen. Auch die allgemein verwaschene Artikulation steuert einiges zum getrübten Hörgenuss bei.

Dass sich Sophia Brommer im Falle der 'Lucia di Lammermoor' für Lucias erste Arie entschieden hat, verwundert auf den ersten Blick, wird aber beim Hören der CD sinnfällig. Brommers Stärken liegen nicht allein in vokaler Pyrotechnik, sondern im authentischen Ausdruck. Was mit 'Regnava nel silenzio' düster und leicht tremolös beginnt, steigert sich in der Cabaletta zum effektvollen Rollenporträt. Hier hört man auch jene gestalterische Kompromisslosigkeit heraus, die Sophia Brommers Bühnenfiguren so magisch wie streitbar machen. Weitere Highlights sind die Arie der Micaela aus Bizets 'Carmen', die hier fernab vom blonden Naivchen erklingt, sowie die fast schon meditative Wahnsinnsszene aus Bellinis 'I Puritani'. Diese Elvira hat kein Bravourstück nötig, die Musik klingt aus ihr selbst heraus, eventuelle Zuhörer werden traumwandlerisch ignoriert. Ein ausgelassenes 'Glitter and be gay' aus Bernsteins 'Candide' beschließt das Album.

Am Pult der Augsburger Philharmoniker begleitet Dirk Kaftan die Sängerin. Musikalisches Einverständnis und gemeinsame Bühnenerfahrung der beiden Künstler sind ein großer Pluspunkt der Produktion. Kaftan fordert und stützt die Interpretin zugleich, ohne durch besonderes Raffinement aufzufallen oder sich mit ungewöhnlichen Lesarten in den Vordergrund zu spielen.

Sophia Brommers zweite Solo-CD ist trotz mancher Schwächen eine Entdeckung wert, denn hier wird mit Leib und Seele musiziert – auch wenn das gewünschte Ergebnis nicht immer erreicht wird. Und letztlich ist diese authentische Momentaufnahme einer angehenden Karriere mit dem vielsagenden Titel ‚Promessa‘ das, was sie vorgibt zu sein: das musikalische Versprechen einer jungen Sängerin, das diese ohne Zweifel nach und nach einlösen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brommer, Sophia singt : Promessa (Arien)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
20.10.2014
Medium:
EAN:

CD
4260330918086


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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