> > > Konzerte für Flöte & Harfe: Werke von Henze, Bach & Mozart
Sonntag, 20. Oktober 2019

Konzerte für Flöte & Harfe - Werke von Henze, Bach & Mozart

Sinnlich-klangschön


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der musikalische Höhepunkt dieser Aufnahme ist Henzes Bearbeitung von C.P.E. Bachs Clavier-Phantasie in fis-Moll, bei der Muñoz mit exzellentem Flötenklang und sinnlicher, einfühlsamer Interpretation einzunehmen vermag.

Carl Philipp Emanuel Bachs Konzert für Flöte in d-Moll Wq 22 ist das Ausgangswerk des musikalischen Programms vorliegender Veröffentlichung. Auf den ersten Blick handelt es sich hier um eine lockere Zusammenstellung von drei Werken für Flöte (sowie Harfe) und Orchester, doch weisen zumindest zwei der Werke, C.P.E. Bachs Konzert und Hans Werner Henzes 'I sentiment di Carl Philipp Emanuel Bach' (1982), enge Bezüge zueinander auf. So ist Henzes Werk für Flöte, Harfe und Streicher eine Transkription von C.P.E. Bachs Clavier-Phantasie in fis-Moll mit Begleitung einer Violine. Unter genauer Beibehaltung des ursprünglichen Notentextes hat Henze das Werk bearbeitet, was für sein Schaffen doch recht ungewöhnlich ist, denn nicht selten ändert er bei seinen Bearbeitungen auch das musikalische Material. Das Ergebnis der Transkription, die tiefe Eindringlichkeit der Musik, ist erstaunlich und hinterlässt insbesondere bei dieser klangschönen Aufnahme einen nachhaltigen Eindruck.

Die argentinische Flötistin Maria Cecilia Muñoz ist Solistin der Einspielung und beeindruckt durch einen äußert klaren, sinnlichen Flötenklang, der an keiner Stelle Einbußen hinnehmen muss – ganz gleich, wie schwierig die jeweilige Passage auch sein mag. Ihre Klangstärke kommt besonders in Henzes Bearbeitung hervorragend zur Geltung; gemeinsam mit der Harfenistin Sarah O’Brien gelingt es ihr das Werk mit einer bemerkenswerten Emotionalität und Tiefsinnigkeit zu interpretieren.

In jeder Hinsicht klangschön und technisch einwandfrei gestaltet sie auch C.P.E. Bachs Konzert, bei dem sie wie in den anderen beiden Kompositionen vom Kammerorchester Basel begleitet wird. Die bemerkenswerte Souveränität und Flexibilität in der Artikulation wie auch die technische Leichtigkeit im Spiel bedürfen besonderer Hervorhebung. Vor allem aber die dynamische Differenzierung bleibt dabei ein wenig auf der Strecke – insbesondere im 'Allegro di molto' des d-Moll-Konzertes wird Muñoz dabei auch kaum vom Orchester unterstützt, wohingegen die Begleitlinie im langsamen zweiten Satz desselben Konzertes weitaus mehr beeindruckt.

Die vorliegende Aufnahme schließt mit Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester in C-Dur. Die Autorin des Beihefttextes, Sarah Grossert, ist bemüht, in ihrer nicht vollständig überzeugenden Werkeinführung eine Verbindung der beiden bereits angesprochenen Werke zu Mozarts Konzert zu schaffen. Direkte, offensichtliche Berührungspunkte zwischen C.P.E. Bach und Mozart gibt es nicht; beide Musiker komponierten stilistisch unabhängig voneinander und trotz ihrer zeitlichen Nähe zueinander haben sie gewissermaßen in verschiedenen musikalischen Welten gelebt. So kommt Grosser lediglich zu dem nicht eindeutigen, sprachlich recht blumigen Resümee: ‚Die Zusammenstellung dieser Werke für Flöte mit Harfe und Orchester erzählt auf musikalisch-subjektive Weise von einem instrumentenspezifischen Einblick in eine komplexe Welt kreativer Bezugnahmen und stilistischer Verweise, unbewusst-habitueller Einflüsse, Auseinandersetzung mit Autoritäten und den Formen ihrer Bewunderung, sowie musikalischer und lebensweltlicher Geschichtszusammenhänge.’

Die musikalische Interpretation von Mozarts Konzert für Flöte und Harfe überzeugt leider nicht in Gänze. Der brillante Flötenton der Solistin sorgt für eine sehr direkte Klangwahrnehmung, aber zeigt sich hier zu wenig entwicklungsfähig – viele Passagen, zum Beispiel im Eröffnungssatz des Konzertes, könnten zarter gespielt werden, verfügt die Flötistin doch über eine beneidenswerte Sicherheit und Klanggebung in jeder Tonlage ihres Instruments.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Konzerte für Flöte & Harfe: Werke von Henze, Bach & Mozart

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
03.10.2014
Medium:
EAN:

SACD
4260052381588


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Bach, Carl Philipp Emanuel
 - Konzert d-moll für Flöte, Streichorchester und Cembalo Wq. 22 - I. Allegro
 - Konzert d-moll für Flöte, Streichorchester und Cembalo Wq. 22 - II. Un poco andante
 - Konzert d-moll für Flöte, Streichorchester und Cembalo Wq. 22 - III. Allegro di molto
Henze, Hans Werner
 - I sentimenti di Carl Philipp Emanuel Bach - Trascrizione per flauto, arpa ed archi della Clavier-Fantasie con accompagnamento di un violino
Mozart, Wolfgang Amadeus
 - Konzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur KV 299 (297c) - I. Allegro
 - Konzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur KV 299 (297c) - II. Andantino
 - Konzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur KV 299 (297c) - III. Rondeau


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Orchester/Ensemble:Kammerorchester Basel
Interpret(en):Munoz, Maria Cecilia


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
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