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Freitag, 14. August 2020

Václav Neumann - Early Recordings

Raritätenkiste


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Václav Neumanns frühe Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren hat das Label Supraphon auf sechs CDs zusammengestellt. Zu hören sind meist ansprechende Interpretationen und viele Raritäten.

So richtig viel Interesse weckt der Dirigent Václav Neumann heute wohl nicht mehr. Vielleicht ändert sich das ja wieder; das Label Supraphon tut jedenfalls das Seine dazu, indem es eine Box mit frühen Aufnahmen des tschechischen Dirigenten herausbringt: Sechs CDs, die voller Raritäten stecken. Václav Neumann war offenbar ziemlich experimentierfreudig und hat in den 50er und 60er Jahren wahrlich nicht nur Standartrepertoire aufgenommen. Außer den beiden 'Peer Gynt'-Suiten von Grieg, Schuberts ‚Unvollendeter’ und einigen Orchesterliedern von Mahler sind keine wirklich bekannten Werke enthalten. Dvořáks Symphonien Nr. 1, 2 und 4, schon sie relativ selten, sind da erst der Anfang. Gerade das macht diese Box spannend, denn wo sonst hört man die Dritte Symphonie von Albert Roussel oder Musik von Vladimir Sommer und Pavel Bořkovec?

Die Fieberkurve in Dvořáks frühen Symphonien steigt bei Václav Neumanns Interpretation mit dem Prager Symphonieorchester sehr hoch. In der Ersten Symphonie passt das besonders zum Scherzo sehr gut. Diese Symphonie wurde 1957 aufgenommen, in noch recht mäßiger Klangqualität. Viel besser klingt die nur zwei Jahre später aufgezeichnete Vierte Symphonie. In deren Scherzo und Finale fragt man sich, warum Neumann ein so langsames Tempo wählte. Doch gerade in diesen beiden Sätzen ist vieles auch besonders überzeugend. Im Scherzo ist es vor allem der folkloristische Mittelteil, der großartig klingt, im Finale sind es die enormen Kontraste und die scharfe Artikulation. Und es werden in beiden Sätzen viele Details hörbar, die sonst gerne mal untergehen.

In der ‚Unvollendeten’ und der Dritten Symphonie Schuberts, letztere damals wie heute eher selten gespielt, gibt es ein besonders auffälliges Detail, und zwar den Klang der Klarinette, die in den beiden Werken einige Soli hat. Die Böhmischen Klarinetten haben eine sehr markante Farbe, sehr offen, weniger rund und dunkel. Der Klarinettist der Tschechischen Philharmonie spielt so auch Schubert: ungewohnt, aber eigentlich auch mal ganz charmant.

Die Musik des Franzosen Albert Roussel, neben der Dritten Symphonie auch eine Ballettsuite 'Bacchus et Ariane', lässt Václav Neumann sehr nüchtern klingen: Straffe Rhythmen, Präzision, aber kein üppiger Klang, kein Pathos. Nicht schlecht also für diese Stilistik.

Václav Neumann war auch als großer Mahler-Dirigent bekannt. Die 'Kindertotenlieder' und die 'Lieder eines fahrenden Gesellen' gestalten er und die Sängerin Věra Soukupová kompromisslos expressiv. Allerdings schießt Věra Soukupová, damals eine der bekanntesten tschechischen und auch international erfolgreichen Sängerinnen, immer wieder übers Ziel hinaus. Sie kann durchaus auch sanft klingen; dreht sie jedoch richtig auf, bekommt ihr Gesang ein schweres Vibrato und die Farbe wird ziemlich unangenehm. Leider ist zudem auch ihre deutsche Aussprache eher mäßig, und klanglich ist ihre Stimme in dieser 1962 entstandenen Aufnahme nicht präsent genug eingefangen.

In der Vokalsymphonie von Vladimir Sommer macht dieselbe Sängerin übrigens einen guten Eindruck. Überhaupt ist diese gut 30-minütige Symphonie, 1958 auf Texte von Franz Kafka, Fjodor Dostojewskij und Cesare Pavese geschrieben, ein beeindruckendes Werk. Besetzt ist sie für großes Orchester, Mezzosopran, Sprecher und Chor. Sie ist dramatisch und klingt ein wenig nach Schostakowitsch und besonders im dritten Satz finden sich Stellen, die fast Prokofjew-Zitate zu sein scheinen. Der zweite Satz, in dem auch Sprecher und Chor eingesetzt werden, wirkt wie eine Opernszene und ist die Vertonung einer Episode aus Dostojewskijs Roman ‚Schuld und Sühne’. Zu hören sind die Interpreten der Uraufführung, allerdings in einer Studioaufnahme. Die ist klanglich zwar sehr gut gelungen aber eben doch 50 Jahre alt. Trotzdem macht diese Musik viel Eindruck.

Nach einer Kuriosität klingt 'Silentium turbatum' von Pavel Bořkovec, denn es vereint ein großes Orchester mit der E-Gitarre. Ganz so spektakulär ist das dann allerdings doch nicht: Keine verzerrte Rock-Gitarre ist hier zu hören, stattdessen wird das Instrument sehr sparsam als kleiner Farbtupfer eingesetzt. Prominenter ist das Alt-Solo, wiederum gesungen von Věra Soukupová.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Václav Neumann: Early Recordings

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
6
04.07.2014
Medium:
EAN:

CD
099925413323


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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