> > > Poppea Poppea: Dance Company Theaterhaus Stuttgart
Samstag, 15. August 2020

Poppea Poppea - Dance Company Theaterhaus Stuttgart

Der Machthunger Poppeas


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Christian Spuck bringt im Theaterhaus Stuttgart einen spannenden Tanzabend rund um Monteverdis Oper 'L'incoronazione di Poppea' auf die Bühne, mit wunderbaren Tänzern und vielfältiger Musik.

2010 hatte Christian Spucks Choreografie 'Poppea Poppea' am Theaterhaus Stuttgart Premiere. Die Choreografie riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin, bescherte Spuck Preise und sie gewann den Deutschen Theaterpreis Der Faust 2011. 2013 entstand dann die vorliegende Aufzeichnung. Die zehnköpfige Gauthier Dance Company ist die personelle Ressource von Spuck. Mit seiner fließenden, gut verständlichen Körperästhetik erzählt Spuck einen Abend um Poppea, die Geliebte von Kaiser Nero. Eine Tänzerin führt sprachlich in den Abend ein, erklärt kurz die wichtigsten Personen der Handlung, die auf Monteverdis Oper 'L’incoronazione di Poppea' basiert. Mit diesem Kunstgriff schafft sich Spuck für den weiteren Abend Raum für getanzte Assoziationen zum Thema Liebe, Hass, Intrige. Er setzt das sprachliche Element auch während des Abends ein. Doch wäre manches Bild stärker, würde es nicht sprachlich erläutert.

Musikalisch beginnt der Abend mit Monteverdis Musik – wer für die Verklanglichung zuständig ist, bleibt dem DVD-Publikum verborgen. Schon bald wird jedoch dieser musikalische Rahmen aufgebrochen, indem das Material verfremdet wird und bald darauf gewinnt andere Musik an Einfluss. So sind moderne Elektrorhythmen zu hören wie auch poppige Einsprengsel und Klaviermusik. Robert Schumann, Emiliana Torrini, Cat Power sowie Johann Paul von Wasthoff und Francesco Geminiani gehören zu den Urhebern, die Martin Donner miteinander in Verbindung bringt.

Die Bühne kommt mit wenig Mitteln aus: ein schwarzer Raum, zwei Tische, ein paar Stühle, das überdimensionierte Bild einer Kamelie im Hintergrund sowie eine Projektionsfläche, auf welche Aufnahmen einer Live-Handkarmera projiziert werden, auf welchen aber auch der Tod Senecas eindrucksvoll gezeigt wird.

Die Kostüme sind schlicht und symbolhaft gehalten. Neben historischen Elementen in den Kostümen der Damen gibt es kaum Zeitbezüge, beschränken die Kostüme sich meist auf schwarze Tanzkleidung, lange Hosen bei den Herren. Nero, Ottone und Seneca heben sich davon etwas ab, wobei im Falle Neros die Kostümierung etwas tölpelhaft und jungenhaft aussieht, was dann in der solistischen Szene durch die Choreografie bestätigt wird. Dieser Nero ist gefährlich durch seine ungefilterte Leidenschaft, durch die Machtfülle, die ihm gegeben ist. Durch seine Liebe zu Poppea erhält sie Macht über Neros Macht und kann so beispielsweise Senecas Tod bewirken. Am Ende scheint dieser Nero mehr Opfer Poppeas zu sein und ihre Krönung zur Kaiserin ein logischer Schritt. Wenn er schließlich Drusilia und Ottone auf Wunsch Poppeas verbannt und er sein Medium, den Tanz, verlässt und ebenfalls zur Sprache wechselt, ist das ein starker Moment und man wünscht sich einmal mehr, dass der vorherige Einsatz von Sprache und Stimme an diesem Abend nicht notwendig gewesen wäre, um diesen Moment noch mehr hervorzuheben.

Sämtliche Tänzer sind perfekt aufeinander abgestimmt; es gelingen sowohl die intimeren Pas des deux wie auch die großen Gruppen. In jedem der Tänzer wird an diesem Abend auch ein Darsteller geweckt, lebendige Charaktere erschaffen. Nur so kann die absurd-surrealistische und doch beklemmende Welt am Hofe Neros so eindrücklich und puristisch Gestalt annehmen, kann das Ende der Kaiserin Ottavia anrühren und kann die Kälte der Poppea den Zuschauer mitreißen. Und es geht unter die Haut, wenn am Ende der Choreografie nur Bruchstücke des berühmten Schlusses der Monteverdischen Oper 'Pur ti miro' erklingen und auch im Tanz nicht die Liebe, sondern der Machthunger siegt.

Zur DVD-Aufbereitung: Es ist etwas schade, dass die Tänzer der einzelnen Charaktere nicht namentlich aufgeführt werden, wenngleich auf diese Weise alle als Kollektiv noch mehr auf ihre Kosten kommen. Heraus sticht Gründer und Leiter des Ensembles, Eric Gauthier, der den Nero in dieser Aufnahme selbst tanzt. Die Kameraführung ist für einen Tanzabend etwas ungewöhnlich, ermöglicht nicht immer den Blick auf die Ordnung des Choreografen, sondern wählt aus und betont. Meist kann man dieser Regie jedoch gut folgen, anstrengend wird es lediglich, wenn über einen längeren Zeitraum nur der Ausdruck der Gesichter eine Rolle zu spielen scheint, während die miteinander tanzenden Hände zweier Figuren leider außerhalb des Sichtfeldes bleiben. Dieses Manko ist jedoch zu verkraften, gibt es hier doch einen spannenden Tanzabend auf DVD.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Poppea Poppea: Dance Company Theaterhaus Stuttgart

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
11.08.2014
Medium:
EAN:

DVD
880242597489


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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