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Montag, 25. März 2019

Rameau, Jean-Philippe - Hippolyte et Aricie

Liebe aus dem Kühlschrank


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine witzige, bunte und phantasievolle Glyndebourner Produktion von Rameaus selten gespielter Oper, die aber die Längen des Werkes und die Schwächen des Plots nicht ganz überwinden kann.

Im Sommer 2013 wurde Jean-Philippe Rameaus Oper 'Hippolyte et Aricie' in Glynbourne aufgeführt. Den Namen hat die Oper nach dem Liebespaar Hippolythos und Aricia, die unter dem besonderen Schutz der keuschen Jagdgöttin Diana stehen. Diesen Schutz brauchen die beiden auch, denn von zweifacher Seite droht ihnen Ungemach. Zum einen hat sich Phädra, die Stiefmutter von Hippolythos, in den Jüngling verliebt und versucht so ziemlich alles, ihn an sich zu ziehen. Da kommt es ihr entgegen, dass ihr Ehemann Theseus, der leibliche Vater von Hippolythos, plötzlich stirbt und der Thron nun verwaist ist. Sie hat nun immerhin etwas, was sie ihm anbieten kann: die Königskrone. Dieser lehnt jedoch dankend ab, und sie sinnt auf Rache. Zum anderen gelingt es Theseus, der Unterwelt zu entkommen; er kreuzt auf einmal daheim auf – just in dem Moment, als es zum Showdown zwischen Phädra und Hippolythos kommt. Er missversteht die Szene jedoch und will seinen Sohn mit dem Tod bestrafen. So ist es Diana, bei der das junge Liebespaar Zuflucht finden. Happy end?

In Glynbourne hat man für diese Barockoper, übrigens Rameaus erste Oper, eine sehr aufwendige und phantasievolle Produktion auf die Beine gestellt, die Opus Arte auf DVD aufgenommen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Die Sympathien von Jonathan Kent, der die Regie führt, liegen nicht so klar auf der Seite der keuschen Diana, wie es das Libretto nahelegt. So spielt der Prolog, Dianas Reich, in einem gigantischen, halboffenen Kühlschrank, in dessen Eisfach die Göttin Diana persönlich auftritt - und Amor keck aus einem Ei schlüpft. Dianas heiliger Tempel mutiert bei Kent zu einem Kühlhaus, in dem frisch erlegte Hirsche gerade ausgenommen werden und sich die Dienerinnen der keuschen Göttin der Jagd vergnüglich mit dem Blut beschmieren. Eine eisige Kälte umgibt ihr Reich – und auch am Ende der Oper, das hier nicht verraten werden soll, kommt Diana und ihr Reich nicht nur positiv weg. Zwar unterliegt in der Oper selbst Amor im Streit mit Diana, aber, so denkt sich Kent und nicht nur er: Was wäre die Liebe ohne echte Leidenschaft?

Eine bunte, stimmige, vielleicht etwas überquirlende, aber oft witzige und unterhaltsame Inszenierung ist herausgekommen, die die Längen, die die Oper leider auch hat, und das eigentlich schwache Libretto ein wenig vergessen lässt. Das Bühnenbild und die Kostüme sind eklektisch und kreativ – von eleganter, moderner Abendgarderobe über phantastisch barockisierende Gewänder, von dem schon erwähnten Kühlschrank über ein Einfamilienhaus (passend zum Ehedrama) bis zur Unterwelt, die auf der Hinterseite des Kühlschranks spielt (Kostüme und Bühnenbild: Paul Brown).

Die Besetzung ist durchweg überzeugend – es gibt keine herausragenden Stars, aber bis in die kleinsten Rollen ein gutes Ensemble. Christiane Karg singt Aricia mit klarem, ausdrucksstarkem Sopran, Ed Lyon gibt dem Hippolythos einen strahlenden, hellen Tenor, Sarah Connolly der Phädra eine kräftige, tragende und volle Stimme. Nur Stéphane Degout als Theseus klingt streckenweise etwas gepresst und angestrengt. Glänzend zusammengehalten wird das Ganze von William Christie, der das Orchestra of the Age of Enlightenment dirigiert und, passend zur überbordenden, im besten Sinn barocken Inszenierung, auf einen eher fetten, abwechslungsreichen Sound setzt. Weil die Oper auch noch gut abgefilmt ist, macht es Spaß, sie zu sehen. Auch wenn die Längen in der Tat spürbar werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rameau, Jean-Philippe: Hippolyte et Aricie

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
1
21.07.2014
EAN:

809478011439


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Opus Arte

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