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Sonntag, 29. Januar 2023

Keiser, Reinhard - Opera Arias and Instrumental Works

Wer Händel mag, sollte Keiser lieben


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


La Ricordanza zeigt in alten Einspielungen, dass Keisers Musik zeitlos schön ist.

Reinhard Keiser galt seinen Zeitgenossen als der größte deutsche Opernkomponist seiner Epoche. Er sorgte für sensationelle Aufführungen, die über die Grenzen seines Wirkungskreises hinaus für Gesprächsstoff sorgten. Seine Opern waren der Maßstab für jede Komposition dieser Gattung, die in deutscher Sprache auf die Bühne kam. Mittlerweile hat die Forschung viele Passagen aus Keisers Opern als Quelle für Händels eigene Opern und Oratorien entdeckt, wodurch nochmals die Qualität der Keiserschen Partituren unterstrichen wurde. Selbst so berühmte Arien wie 'I know that my redeemer liveth' aus dem 'Messias' entnahm Händel aus Keisers Opern. In diesem Fall aus 'La forza della virtù', der 16. Oper, die Keiser für Hamburg komponierte.

Umso erstaunlicher ist es, dass eine Keiser-Renaissance so lange auf sich warten lässt. Während sein Hamburger Freud und Kollege Telemann wieder fest in den Programmen europäischer Barockorchester etabliert ist, fristen die Werke Keisers immer noch ein gewisses Außenseiterdasein. Die aufsehenerregende Wiederentdeckung seiner Oper 'Croesus' durch René Jacobs für die Staatsoper Berlin ist nun auch schon 15 Jahre her. Seitdem hat sich, trotz bester Kritiken und begeistertem Publikum, nicht viel für Keiser auf den Bühnen oder dem CD-Markt getan. Auch die vorliegende CD ‚La forza della virtù’, die Opernarien und Instrumentalwerke Keisers versammelt, entstand schon im Jahr 2000 für das Label Musikproduktion Dabringhaus und Grimm und erlebt jetzt eine Wiederauflage, wobei das ursprünglich auf dem Programm stehende Telemann-Konzert für zwei Violinen gestrichen wurde. Es ist zwar löblich, diese sonst nur noch im Antiquariat erhältliche CD nochmals aufzulegen, doch wäre ein deutlicherer Hinweis, dass es sich um eine Wiederveröffentlichung handelt, ganz hilfreich – besonders für Keiser-Fans, die vielleicht auf etwas Neues hoffen.

Auf dem Programm der CD stehen Opernarien und Instrumentalsätze aus vier verschiedenen Keiser-Opern. 'Die verdammte Staat-Sucht, oder der verführte Claudius', 'Der gestürzte und wieder erhöhte Nebucadnezar', 'Der geliebte Adonis' und 'La forza della virtù, oder Die Macht der Tugend', wobei leider die Vorbild-Arie für Händels Meisterwerk aus dem 'Messias' fehlt. Als reines Instrumentalwerk erklingt die Sonate à 3 Nr. 1 aus dem Jahr 1725. Es spielt das Ensemble La Ricordanza in der Besetzung Brian Berryman (Traversflöte), Annette Berryman (Barockoboe und Blockflöte), Christoph Heidemann (Barockvioline), Katharina Huche-Kohn (Barockvioline), Bettina Ihrig (Bratsche), Dorothée Palm (Cello) und Eckhard Kuper (Cembalo). Als Gesangssolistin wurde die Sopranistin Elisabeth Scholl verpflichtet.

Ihre Interpretationen klingen brillant und makellos. Elisabeth Scholls glänzender Sopran strahlt mit Keisers Musik um die Wette. Auch die Instrumentalisten agieren sowohl technisch als auch interpretatorisch perfekt: Spielfreude und Engagement prägen ihren Zugang zur Musik. Aus diesem Grund lohnt es sich, diese CD wiederzuentdecken. Durch das abwechslungsreiche Programm, das Einblicke in verschiedene Opern bietet, bekommt der Hörer einen guten Gesamteindruck von Keisers Schaffen. Und auch wenn die Einspielungen schon einige Jahre alt sind, hat sie nichts an Frische und Schwung eingebüßt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Keiser, Reinhard: Opera Arias and Instrumental Works

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
18.08.2014
Medium:
EAN:

CD
760623103723


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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