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Sonntag, 20. Oktober 2019

Stravinsky, Igor - Le Sacre du printemps

Schwarzweiß und in Farbe


Label/Verlag: Sinfonieorchester Basel
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dennis Russel Davis untersucht Strawinskys 'Sacre du Printemps' aus verschiedenen Blickwinkeln - mit ambivalentem Ergebnis.

‚Bei der Uraufführung des 'Sacre' spielte das Publikum die Rolle, die ihm zugedacht war: Es revoltierte von Anfang an.’ So berichtet der französische Schriftsteller Jean Cocteau von einer der skandalträchtigsten Uraufführungen der Musikgeschichte. Etwas über ein Jahrhundert ist es nun her, dass Igor Strawinsky die Pariser Öffentlichkeit mit seinem 'Frühlingsopfer' schockte. Jetzt hat der amerikanische Pianist und Dirigent Dennis Russel Davies sich dem 'Sacre du Printemps' mit einer neuen Aufnahme angenommen. Das Besondere: Neben der weitläufig bekannten Orchesterfassung ist auch die Version für Klavier zu vier Händen enthalten.

Das Sinfonieorchester Basel, seit 2009 unter Davies’ Leitung, meistert diesen Meilenstein der Musik souverän. Zwar reicht die Interpretation nicht an die Klarheit und Urgewalt eines Boulez heran, doch Davis entlockt seinem Ensemble eine Fülle unterschiedlichster Klangfarben. Dabei überzeugt vor allem der Streichersatz, wenn er leise Akkorde zum Leuchten bringt, wie beispielsweise kurz vor Ende der Einleitung. Doch auch die Bläser beeindrucken mit klarer Artikulation und teils mit spitzen, eindringlichen Staccati. Besonders gut gelungen ist der 'Tanz der Erde', welcher vor Intensität zu beben scheint. Weniger überzeugend ist der abschließende 'Opfertanz', dem es zuweilen an Intensität fehlt. Zwar schafft Davis mit seinen Musikern hier einen äußerst präzisen, geradezu metronomischen Puls und gerade die Phrasierung der Holzbläser ist beeindruckend präzise. Doch bei aller Perfektion bleibt die Musik an dieser Stelle etwas statisch und entfesselt nicht die nötige Energie.

Überzeugendes Duospiel

Das eigentliche Highlight an dieser Neuerscheinung ist die Gegenüberstellung der beiden Versionen. So können Hörerinnen und Hörer das Werk auf zwei Arten erfahren: als ausgereiftes Tongemälde und als ‚Klavierskizze’. Davon abgesehen ist die Duoversion mit Davis langjähriger Partnerin Maki Namekawa auch für sich eine kleine Sensation. Die beiden Pianisten setzen sich seit Beginn ihrer Zusammenarbeit auch für die Aufführung zeitgenössischer Musik ein. So kam es durch sie anlässlich des 20. Jubiläums vom Klavierfestival Ruhr zur Uraufführung von Phillip Glass 'Four Mouvements for two Pianos'. In diesem Zusammenhang wirkt es stimmig, dass Namekawa und Davies sich nun einem der Wegbereiter Neuer Musik angenommen haben. Neben der technisch makellosen Bewältigung dieses schwierigen Parts besticht die Aufnahme vor allem durch die wirklich orchestrale Behandlung des Klaviers. So klingt beispielsweise die hinlänglich bekannte Eröffnungsphase nach so viel mehr als Hammer und Saite. Durch geschickten Pedalgebrauch und ausdifferenzierten Anschlag schaffen die beiden Pianisten eine perfekte orchestrale Illusion. Außerdem entdecken Davis und Namekawa hier etwas von jener Rohheit wieder, die der Orchesterfassung – in der Interpretation des Dirigenten Davies – zum Teil fehlt. Besonders die berühmten 'Vorboten des Frühlings' sind von eindringlicher rhythmischer Prägnanz und elementarem Puls. Auch die Eröffnung des zweiten Teils 'Le Sacrifice' klingt durch die intelligente Pedalisierung spannender und geheimnisvoller als die entsprechende Stelle der Orchesteraufnahme. Insgesamt ist diese Neuerscheinung vor allem für Kenner interessant, die Strawinskys Meisterwerk nun aus einem faszinierenden neuen Blickwinkel entdecken können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Cornelius Rauch Kritik von Cornelius Rauch,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stravinsky, Igor: Le Sacre du printemps

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sinfonieorchester Basel
1
15.09.2014
Medium:
EAN:

CD
4260313810062


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Sinfonieorchester Basel

Es gibt viele gute Gründe für eine Reise nach Basel – ein ganz besonderer ist sein Sinfonieorchester. Das Sinfonieorchester Basel ist eines der ältesten und zugleich innovativsten Orchester der Schweiz. In der Nordwestschweiz verankert, geniesst es eine starke überregionale und internationale Ausstrahlung. In seinen eigenen Konzertreihen, im Theater Basel sowie bei Gastspielen im In- und Ausland beweist es immer wieder aufs Neue seine hohe Klangkultur. Chefdirigent ist seit 2009 der renommierte amerikanische Dirigent und Pianist Dennis Russell Davies.

Die Gründung des Orchesters geht auf das Jahr 1876 zurück. Sie fällt damit in das Baujahr des akustisch hervorragenden Musiksaals im Basler Stadt-Casino, der auch heute noch die Spielstätte des Ensembles ist.

Unter den Dirigenten, die dem Sinfonieorchester Basel eng verbunden waren oder es noch sind, finden sich Namen wie Johannes Brahms, Felix Weingartner, Gustav Mahler, Wilhelm Furtwängler, Antal Dorati, Gary Bertini, Walter Weller, Armin Jordan, Horst Stein, Otto Klemperer, Nello Santi, Pierre Boulez, Marko Letonja, Valery Gergiev und Mario Venzago.Eine ganze Reihe bedeutender Werke des 20. Jahrhunderts – unter anderem von Béla Bartók, Arthur Honegger und Bohuslav Martinů – wurden vom Sinfonieorchester Basel uraufgeführt.

1997 fusionierte das Basler Sinfonie-Orchester mit dem Radio Sinfonieorchester Basel. Dabei wurde für das Ensemble der heute gültige Name gefunden: Sinfonieorchester Basel. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Orchesters war 2012 die Ablösung von der langjährigen Veranstalterin AMG (Allgemeine Musikgesellschaft Basel) und der gleichzeitige Aufbau einer eigenen Abonnement-Reihe.

Das Repertoire des Sinfonieorchesters Basel ist breit gefächert: Es reicht von der Wiener Klassik über die Romantik bis hin zu Kompositionen der jüngsten Moderne. Gezielt werden auch neue Konzertformen gesucht und Koproduktionen mit Jazz-, Rock- oder Techno-Acts realisiert. Unter Dennis Russell Davies baut das Orchester seine Stärken und sein Repertoire laufend aus. Schwerpunkte sind unter seinem Dirigat nebst Klassikern der Moderne auch Werke von schweizerischen und amerikanischen Komponisten. Davies und das Sinfonieorchester Basel pflegen eine enge Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung Basel.

Zahlreiche international beachtete und zum Teil preisgekrönte CD-Produktionen dokumentieren das Schaffen des Sinfonieorchesters Basel. Gegenwärtig widmet sich das Orchester unter seinem Chefdirigenten Gesamteinspielungen der Sinfonien von Franz Schubert und Arthur Honegger.

Seit ein paar Jahren zeigt das Sinfonieorchester Basel vermehrt auch internationale Präsenz. So führte beispielsweise 2010 eine Tournee das Sinfonieorchester Basel nach China, und im Herbst 2012 gab das Orchester zwei gefeierte Gastspiele in St. Petersburg und Moskau. Im Frühling 2014 spielte das Orchester im Rahmen einer ausgedehnten England-Tournee Konzerte in London, Cambridge, Basingstoke, Coventry und Cardiff. Für den Frühling 2015 ist eine Tournee nach Südkorea und China geplant.


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