> > > Schumann, Robert: An die Sterne
Samstag, 25. November 2017

Schumann, Robert - An die Sterne

Schumanns in Dresden


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Chormusik von Clara und Robert Schumann, sehr fein gesungen von Matthias Jungs Sächsischem Vocalensemble an historischem Ort im Palais Großer Garten in Dresden.

Im Jahr 1848 gründete Robert Schumann in Dresden einen gemischten Chorgesangverein, dem er im Jahr darauf eine Reihe eigener unbegleiteter Kompositionen widmete, zunächst als Romanzen und Balladen im Opus 67 zusammengefasst, später um op. 75 erweitert. Weitere vier Gesänge, doppelchörig in der Anlage, sind unter op. 141 gesammelt. Es ist dies sämtlich chorisch hochsensibel empfundene Musik, die unmittelbar aus den Texten von Rückert, Goethe, Mörike, Zedlitz oder Eichendorff inspiriert, intensiv aus deren Poesie, deren Kraft gespeist ist – romantische Text- und Affektexplikation par excellence.

Sicher ist Schumann nicht in erster Linie als großer Chorkomponist berühmt, das unleugbare Talent dafür hatte er unbedingt: Sein Zugriff ist feinsinnig, der Satz ist überaus idiomatisch für eine verschieden gemischte Chorbesetzung, das harmonische Geschehen ist höchst subtil, wirksam in vielen kleinen Wendungen, dazu kommen die aus vielen anderen Gattungen in Schumanns Werk vertrauten lyrischen Qualitäten. Und zugleich: Bemerkenswert ist, wie Schumann den Chor eine elegante, mild konturierte Energie entfalten lässt, zum Beispiel in den 'Talismanen' nach Goethe. Dazu ist er formal sehr variabel, sattelfest von sacht gewandelter Strophigkeit bis zu weitläufig freien Anlagen.

Gerundet wird das insgesamt leider nur gerade fünfzigminütige Programm durch drei gemischte Chöre, die Clara Schumann ihrem Mann Robert als Geburtstagsgabe widmete: Die Sätze schließen sich nahtlos an; auch hier sind tiefe Empfindung und intensive Bindung an die Texte zu erleben, insgesamt etwas leichter und weniger vertrackt, allerdings ebenso instinktsicher und delikat gesetzt.

Elegant und fein

Das 1996 gegründete Sächsische Vocalensemble hat sich unter der Leitung seines Gründers Matthias Jung zu einem qualitätvollen Kammerchor entwickelt, der immer wieder mit programmatisch ambitionierten Platten in den Vordergrund getreten ist. Auch hier, bei den Schumanns, beweist er sein Potenzial, nimmt mit seinem agilen, frischen, lebendigen Klang für sich ein, mit seiner artikulatorischen Präzision, die dennoch nie den Bereich einer angenehm natürlichen Sprachbehandlung verlässt.

Die Intonation ist sehr gut, entspricht in ihrer selbstverständlichen Leichtigkeit dem gesamten Ansatz des Ensembles. Artikulatorisch überzeugt neben feinen, lebendigen Lyrismen die schon als notwendig angesprochene chorische Expansionsfähigkeit, die sich freilich in erlesener Energie Bahn bricht, ohne jede Kraftmeierei.

Matthias Jung gibt viele frische Impulse in den Tempi, gestaltet etliche Übergänge in schöner agogischer Freiheit. Das Klangbild ist präzis und gesammelt, angenehm balanciert und von ausgewogener Präsenz der Register. Am Originalaufführungsort im Palais im Großen Garten in Dresden ist zudem eine feine Räumlichkeit zu verzeichnen.

Das Sächsische Vocalensemble und Matthias Jung legen mit diesem feinen Schumann-Album neuerlich eine ebenso schön gesungene wie programmatisch interessante Platte vor. Gemeinsam lassen sie die inspirierte Chormusik der Schumanns an originalem Schauplatz höchst lebendig werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: An die Sterne

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
11.07.2014
EAN:

4025796014242


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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