> > > Penderecki, Krzysztof: A Tribute to Krzysztof Penderecki
Sonntag, 15. September 2019

Penderecki, Krzysztof - A Tribute to Krzysztof Penderecki

Zu Ehren von Krzysztof Penderecki


Label/Verlag: ACCENTUS Music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Um den 80. Geburtstag Pendereckis gebürtig zu feiern, führten Freunde und Bekannte des polnischen Komponisten vier Werke seines Œuvres in der Nationaloper in Warschau auf.

Mit zerreißenden Glissandi und schreiend hohen Geigentönen beginnt Krzysztof Urbanski mit 'Threnody to the Victims of Hiroshima' das Konzert. Nein, an diesem Abend wird kein gefälliger Galaschmuck geboten. Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki wird mit seinen eigenen Werken geehrt. Vier Stücke aus 50 Jahren Schaffenszeit (von 1960 bis 2010) werden von Freunden und Wegbegleitern seiner Karriere in der Polnischen Nationaloper in Warschau gespielt. In einem viertelstündigen Interview, als einziges Extra auf der DVD, spricht der Komponist selbst über seine Werke: von seinem ersten großen Erfolg, der 'Threnody' und dem neuesten Stück des Programms, dem 'Duo concertante' von 2010, das für Anne-Sophie Mutter entstanden ist und voller technischer Schwierigkeiten steckt, wie er selbst sagt. Einst wollte auch er Virtuose werden, bis er selbst merkte, dass er wohl noch besser komponiert als spielt.

Im 'Duo Concertante' für Violine und Kontrabass stehen Tonverflechtungen neben schweren rhythmischen  Akzenten und eleganten Melodien, in denen sich die beiden Streichinstrumente ergänzen. Anne-Sophie Mutter, die eine langjährige Freundschaft mit Penderecki verbindet, spielt mit sanftem und mal kantigem Ton, bleibt selbst in den schneidend kreischenden Passagen klangvoll und ihr Ton behält stets voluminöse Fülle.

Der Hintergrund der Opernbühne ist während der ersten beiden Stücke in strahlendem Blau beleuchtet. Kantige angestrahlte Röhren bilden über dem Orchester ein Bühnenbild. Im dritten Stück, dem 'Concerto grosso'  für drei Celli und Orchester, wechselt das Licht in eine eher kupferfarbene Hintergrundbeleuchtung. Mit Daniel Müller-Schott, Arto Noras und Ivan Monighetti stehen drei Spitzenmusiker als Solisten auf der Bühne. Jeder ist für sich bereits hörenswert, aber gemeinsam mit dem Orchester Sinfonia Varsovia unter Charles Dutoit ergeben sie einen kraftvollen, vielschichtigen und doch sehr klagfarbenagilen Klangkörper. Nachdem die Stimmen im 'Andante sostenuto' sich eher individuell entwickeln, zeigen sie im 'Allegro con brio' gemeinsame Stärke und bauen wuchtige und rasante Tonsphären auf. Pendereckis Musik, die zum Teil sehr schnell die Atmosphäre ändert und durch die Instrumentengruppen wechselt, lässt weder den Musiker(inne)n noch dem Hörer viel Zeit zum Ausruhen. Doch immer wieder lassen sich Verbindungen herstellen, tauchen Themen und Motive erneut auf, die sowohl die Solisten wie auch Dutoit sehr genau herauszuarbeiten verstehen. Aus der Variabilität der Musik gewinnen sie einen durchgehaltenen Ton.

Martin Hoffmeister beschreibt in seinem Booklettext den Tag des 23. November 2013 sehr detailliert. Seine Ausführungen klingen eher wie ein Zeitungsbericht, in dem er die Stadt Warschau und das Wetter (zu) lange beschreibt, um schließlich doch noch zum Konzert zu kommen. Sein von den üblichen Booklettexten abweichender Stil wirkt erst einmal erfrischend anders und lässt die langen Meritenlisten von Ausführenden und Komponisten aus, auch wenn sich insgesamt doch wenige tatsächliche Informationen darin finden lassen und sehr ausgiebige Umfeldskizzen. Letztendlich kommt auch er jedoch nicht um eine überhöhte Darstellung des Komponisten und des Konzerts herum.

Den Höhepunkt bildet das groß angelegte 'Credo'. Drei Warschauer Chöre, großes Orchester mit zahlreichen Extras, wie ein ausgebautes Schlagwerkensemble, Klavier, Glocken und fünf Gesangssolisten: Iwona Hossa (Sopran), Ewa Vesin (Sopran), Agnieszka Rehlis (Mezzo-Sopran), Rafal Bartminski (Tenor) und Nikolay Didenko (Bass). Wieder einmal beweist Valery Gergiev sein Gespür für große Formate, die er mit langem Atem zu einem klingenden Bild vereint. Besonders das 'Et resurrexit' gelingt zu bebend vollem Klang, während das folgende ausladende 'Et in Spiritum Sanctum' fast schon überladen laut und mächtig dröhnt. Die Chöre singen mit starkem und ebenso ausgefeiltem Ton, der viele Schattierungen kennt. Ebenso das Warschauer Orchester: Die Musiker tragen die vielen unterschiedlichen Klangmomente der sehr verschiedenen Werke, begleiten zurückgenommen die Solisten, treten aber auch massig hervor, wenn es der Dirigent erfragt und ziehen imposante Linien.

Insgesamt ein sehr gelungenes Konzert, in dem sich die Vielfalt des Schaffens von Penderecki gut widerspiegelt. Als Zugabe gab es dann tatsächlich noch ein 'Happy Birthday', von Gergiev persönlich angeleitet. Ein ästhetischer Bruch ohnegleichen, der den Festkonzertcharakter wie mit einem Hammerschlag ins Bewusstsein ruft.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






David Buschmann Kritik von David Buschmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Penderecki, Krzysztof: A Tribute to Krzysztof Penderecki

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
ACCENTUS Music
1
13.06.2014
106:00 (concert), 15:32 (Bonus)
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
4260234830644
ACC20276 (DVD)


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"Krzysztof Penderecki ist einer der erfolgreichsten Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts und zugleich die Ikone der klassischen polnischen Musik. Sein 80. Geburtstag im November 2013 war Anlass für ein außergewöhnliches Stelldichein der international bedeutendsten Musiker und wichtigsten Interpreten seiner Werke: Wegbegleiter und langjährige Freunde des Komponisten wie die Ausnahmegeigerin Anne-Sophie Mutter, Valery Gergiev, Charles Dutoit, Krzysztof Urbański, Roman Patkoló, Daniel Müller-Schott, Arto Noras und Ivan Monighetti erwiesen Penderecki in der eindrucksvollen Kulisse des Warschauer Teatr Wielki ihre Hommage – mit einigen der berühmtesten Werke aus seiner Feder: Threnody to the Victims of Hiroshima, Duo Concertante für Violine und Kontrabass Concerto Grosso für drei Violoncelli und Orchester sowie dem einzigartigen Credo. BONUS: Konzerteinführung durch K. Penderecki"


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ACCENTUS Music

ACCENTUS Music wurde 2010 als Produktionsfirma mit einem sehr erfahrenen Team aus Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Tonmeistern und Cuttern und als gleichnamiges DVD Label auf dem Klassikmarkt gegründet. Die Firma mit Sitz in der Musikstadt Leipzig, unweit der Thomaskirche, produziert weltweit erstklassige Konzertereignisse, Opern sowie Künstlerportraits und Dokumentarfilme. Auf den DVD- und Blu-ray Veröffentlichungen finden sich herausragende Künstler wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Evgeny Kissin, Martha Argerich, Riccardo Chailly, Pierre Boulez, Joshua Bell, Lucerne Festival Orchestra, New York Philharmonic und das Simón Bolívar Jugendorchester. ACCENTUS Music erfüllt sowohl künstlerisch wie auch technisch höchste Ansprüche von Klassik-Liebhabern rund um den Globus.


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