> > > Lehár, Franz: Wo die Lärche singt
Sonntag, 25. September 2022

Lehár, Franz - Wo die Lärche singt

Erinnerungen an Bad Ischl


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Franz Lehárs 'Wenn die Lerche singt' hat ohne Zweifel wunderbare Musik zu bieten. Das vermittelt auch die vorliegende Doppel-CD, trotz einiger Abstriche.

Sie gehört nicht gerade zu den populärsten Werken von Franz Lehár: die Operette 'Wo die Lerche singt', deren Handlung irgendwo zwischen rührseliger Heimatverbundenheit und betulichem Augenzwinkern schwankt. Das junge Landmädchen Margit verlässt ihren Großvater und das kleine Dorf, weil sie ihrem Schwarm, dem Maler Sándor, in die große Stadt folgt. Dort muss sie feststellen, dass sie doch hinaus aufs Land gehört, dass ihr die große Stadt die Flügel und die Seele stutzt. Die Musik ist waschechter Lehár mit weitgespannten Melodien, großen Emotionen und der melancholisch perlenden Träne im Knopfloch.

Wirkliche Plattenrarität

Dem Label cpo ist es wieder einmal zu verdanken, dass nun eine Gesamtaufnahme von 'Wo die Lerche singt' auf zwei CDs vorliegt – die momentan einzige neben einer Rundfunkproduktion von 1942. Es handelt sich hier um einen Mitschnitt vom Lehár-Festival in Bad Ischl vom August 2013. Der dortige Intendant hat sich einen Herzenswunsch erfüllt und 'Wo die Lerche singt' in einer zumindest halbszenischen Version auf die Bühne gebracht. Das ist verdienstvoll, denn abgesehen von Margits Entrée 'Durch die weiten Felder' begegnet man dieser Operette eigentlich nie. Mit Marius Burkert am Pult des Franz Lehár-Orchester hat diese Wiederentdeckung einen stilistisch versierten musikalischen Leiter, der seinen Musikern den nötigen Schmelz und die so ungemein schwierige Leichtigkeit zu entlocken versteht. Da blüht Lehárs Partitur in den schönsten Farben, während Burkert seine Solisten mit starker Hand, aber hörbarer Zuneigung durch das Werk führt.

Es wurde fraglos Zeit, 'Wo die Lerche singt' in einer heutigen Interpretation auf Tonträger zugänglich zu machen. Aber eine konkurrenzfähige Aufnahme ist hier in Bad Ischl leider nicht entstanden, auch wenn die einzige Konkurrenz eine historische Rundfunkproduktion ist. Der Bad Ischler Mitschnitt erfüllt in erster Linie die Erwartungshaltung als gelungenes Andenken für jene, die die gut beklatschte und vermutlich stimmungsvolle Aufführung live erleben durften. Ein fesselnder Hörgenuss oder gar eine wirkliche Lanze für ein verkanntes Werk sind die beiden CDs aber nicht.

Das liegt zu einem ordentlichen Teil an den tontechnisch in den Hintergrund gerückten Dialogpassagen. Dieser klangliche Abstrich ist der positiven Liveatmosphäre geschuldet – eine Entscheidung, die vermutlich zugunsten der deutlich vernehmbaren und durchweg gut gelaunten Publikumsreaktionen gefallen ist. Es wird viel gelacht in den Dialogen, die Zuschauer waren offensichtlich angetan von dieser Produktion. Hätte man die Dialoge in derselben Art und Weise im Studio eingespielt, hätte man dem Stück vermutlich keinen Gefallen getan. Der Handlung kann man in den gut eingekürzten Sprechpassagen weitgehend folgen.

Gesamtpakete auf Stimme reduziert

Auf ihre stimmlichen Mittel reduziert, können nicht alle Solisten auf dieser CD überzeugen. Da ist ein reiner Tonmitschnitt auch nicht wirklich fair, denn gerade in der Operette zählt ohne Frage das Gesamtpaket von Gesang, Mimik, Sprache bis hin zu Tanz und Spiel – nicht zu vergessen den schwer zu vermittelnden Charme, den man eigentlich nur vor Ort wahrnehmen kann. Bei Gerhard Ernst in der Rolle des Török Pál allerdings hat es der Charme auf CD geschafft. Schon sein 'Was geh’n mich an die Leute' trifft mit traumwandlerischer Sicherheit den richtigen Tonfall zwischen schlichtem Gesang und lächelnder Altersweisheit. Gerhard Ernst formt mit scheinbarer Leichtigkeit in wenigen Takten einen Charakter, zieht alle Trümpfe eines Operetten-Veteranen, der um den speziellen Zauber dieses Genres weiß.

Da haben es die Kollegen schwer, die mit großen Tönen und hehrer Gesangskunst punkten wollen. Jevgenij Tauntsov singt den Maler Sándor zwar ordentlich, bleibt der Partie aber einiges an Glanz und Selbstironie schuldig – zumindest was die akustische Komponente anbelangt. Ebenso schwierig ist es, der Faszination von Miriam Portmann als Vilma Garamy zu folgen. Sie scheint ein Publikumsliebling in Bad Ischl zu sein; der Grund erschließt sich beim reinen Hörerlebnis leider nicht. Ihr fulminanter, üppiger Sopran klingt sehr oft scharf, das Vibrato ist ausladend. Und was gerade in der Operette fatal ist: Man versteht kein Wort von dem, was sie singt. Wolfgang Gerold entledigt sich seiner Partie als Árpád Ferenczy ohne nennenswerte Ausfälle, aber auch ohne wirkliche Glanzlichter. Als Pista kommt Florian Resetarits zum Einsatz.

Ein Glücksgriff

Doch es gibt auch einen wirklichen Glücksgriff in der größtenteils jungen Besetzung zu verzeichnen: Sieglinde Feldhofer als Margit. Ihr mädchenhaft schillernder Sopran besitzt jene natürliche Unmittelbarkeit im Ausdruck, die für diese Partie von Vorteil ist. Sie verbindet mit bewundernswerter Leichtigkeit Wort und Musik. Das Pathos ihrer Gesangstexte umschifft und bedient sie dabei zugleich. Den großen Bogen beherrscht sie ebenso wie den lockeren Soubrettenton. Diese Margit bezaubert, rührt und lässt auf ein weiteres Wiederhören hoffen.

Franz Lehárs 'Wenn die Lerche singt' hat ohne Zweifel wunderbare Musik zu bieten – das vermittelt die vorliegende Doppel-CD, trotz einiger Abstriche. Dennoch muss man weiterhin auf eine Operetten-Pioniertat warten, die das Werk dem ungerechtfertigten Vergessen entreißt. Wer also diese Produktion in Bad Ischl nicht live erleben durfte, sollte bei Interesse nach wie vor zur alten Aufnahme unter Franz Lehárs eigener Leitung greifen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lehár, Franz: Wo die Lärche singt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
21.06.2014
Medium:
EAN:

CD
761203781621


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Lehár, Franz
 - Wo die Lerche singt - Erstes Bild - Introduktion
 - Wo die Lerche singt - Szene
 - Wo die Lerche singt - Lied des Pál
 - Wo die Lerche singt - Szene
 - Wo die Lerche singt - Duettszene
 - Wo die Lerche singt - Entréelied
 - Wo die Lerche singt - Szene
 - Wo die Lerche singt - Duett
 - Wo die Lerche singt - Szene
 - Wo die Lerche singt - Reminiszenz
 - Wo die Lerche singt - Szene
 - Wo die Lerche singt - Terzett


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Orchester/Ensemble:Franz Lehár-Orchester


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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