> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Die letzten drei Sinfonien
Donnerstag, 18. Juli 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Die letzten drei Sinfonien

Glänzende Abschiedsfeier


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach und Hartmut Haenchen verabschieden sich nach 34 Jahren Zusammenarbeit mit Glanz und Gloria.

Nein, nicht etwa Namensgeber Carl Philipp Emanuel Bach ist diskographischer Schlusspunkt der jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen Hartmut Haenchen und dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach. Zum prunkvollen Abschluss entschied man sich für Mozarts letzte drei Sinfonien. Das mag nicht allzu sehr verwundern, denn obgleich in diesem Jahr der 300. Geburtstag des Namenspatrons gefeiert wird, sind die letzten Sinfonien Mozarts zum einen absolut geeigneter Gegenstand einer ausgelassenen und abwechslungsreichen Abschiedsfeier, zum anderen auch beim Publikum beliebt. Die vorliegende CD bietet nicht nur eine eindrucksvolle Interpretation dreier ebenso geläufiger wie großartiger Werke, sondern auch ein gewichtiges Abschiedsdokument einer jahrzehntelangen künstlerisch erfolgreichen Zusammenarbeit.

Das Kammerorchester war in seinem Bestreben, das künstlerische Wirken nicht durch finanzielle Rahmenbedingungen diktieren zu lassen, bis dato standfest; nun sieht man sich aufgrund der finanziellen Einschürungen dennoch gezwungen, den Klangkörper aufzulösen. Ein äußerst bedauerlicher Verlust, sind es doch gerade die in intensiver Probenarbeit entstehenden Programme von Hartmut Haenchen, die sich im heutigen Musikbetrieb nur noch selten finden lassen. Der 71-Jährige Dirigent war mit seiner Detailverliebtheit und akribischen Quellenforschung dabei stets Grundstein für eine Partnerschaft, deren hochstehende Resultate man heute auf zahlreichen Platten erleben kann.

Die Mitschnitte von Mozarts Sinfonien-Trias vom 1. Mai 2014 sind nun in einer von Berlin Classics herausgegebenen Jubiläums-Edition erhältlich und nicht nur für Anhänger des Kammerorchesters Carl Philipp Emanuel Bach in jedem Fall ein Muss. Die Atmosphäre dieser Live-Einspielungen vermag zu fesseln. Das Orchester spielt auf modernen Instrumenten, ist aber einem historisch informierten Ansatz verpflichtet, der sich bei Haenchen glücklicherweise nicht nur in schnellen Tempi und absoluter Entsagung jeglichen Vibratos zeigt. Achtlos rasant durch die 'Andante'-Sätze, wie etwa Sir Roger Norrington, eilt Haenchen zum Beispiel nicht und kann gerade hier mehr Tiefe und Ausdruck hineinlegen. Neben den zügigen, flüssigen Tempi ist es vor allem ein stupendes Gespür für die unterschiedlichen Ausdruckslagen, welches die Interpretation hörenswert macht. Die ‚große’ g-Moll-Sinfonie KV 550 lässt beispielsweise trotz der gebotenen Präzision, Ausgeglichenheit und Transparenz wenig an düsterer Dramatik vermissen.

Der Zugang Haenchens lässt bei aller Texttreue zudem erfreulicherweise dynamische Schattierungen zu – nicht so extrem wie bei René Jacobs, aber doch einen persönlichen Effekt anstrebend. Man nehme nur das Arienzitat ‚Un bacio di mano’ aus dem Kopfsatz der ‚Jupiter’-Sinfonie KV 551, welches phrasenweise diminuierend ins Piano zurückgenommen wird. Das wirkt sich speziell auf die Durchführung ungemein spannend aus. Ebenso zeigt Haenchen ein gutes Gespür für die klangliche Balance des Orchesters. Nicht nur den Mittelstimmen – zweiten Violinen und Bratschen – wird als begleitender Schicht die nötige Gewichtung beigemessen, auch solistische Entfaltungen kommen zu ihrem Recht, etwa im Finale der Es-Dur-Sinfonie KV 543, wenn nach der Themeneinführung durch die Solo-Violine die Klarinetten im anschließenden Tutti offensiv hervortretend die Weiterführung aufnehmen.

Die Mitschnitte mögen in ihrer diskographischen Bedeutung am Ende zwar nicht an legendäre Aufnahmen, etwa von Bruno Walter oder Wilhelm Furtwänglers überwältigende, düstere Einspielungen aus den Kriegsjahren, heranreichen, doch sind sie in unserem entromantisierenden Zeitalter sicherlich eine Bereicherung auf dem Plattenmarkt. Ein gebührendes Endzeugnis einer langen, fruchtbaren und erfolgreichen Zusammenarbeit sind sie ohnehin. Das Kammerorchester C. P. E. Bach und Hartmut Haenchen verabschieden sich mit Glanz und Gloria.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Die letzten drei Sinfonien

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
08.08.2014
Medium:
EAN:

CD
885470005874


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Die Orgel der Elphi: Ungewöhnliche Werke für ein ungewöhnliches Instrument. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Daniel Eberhard:

  • Zur Kritik... Ein Zyklus für die Fünfte: Der neue Tschaikowsky-Sinfonie-Zyklus von Philippe Jordan und dem Orchestre de l'Opéra national de Paris ist wie vorheriges Beethoven-Projekt exzellent durchmusiziert. Das magische Erlebnis birgt jedoch eine Einzelsinfonie und nicht der Gesamtzyklus. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Blick in die Zukunft: Die junge Pianistin Julia Rinderle zeigt auf ihrer zweiten CD-Einspielung den Willen, einfallsreich zu interpretieren, und offenbart zugleich, dass es noch Entwicklungspotenzial nach oben gibt. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Otellos große Schuhe: Der 'Otello' an der Royal Opera stellt insgesamt eine grundsolide Produktion dar. Die Titelpartie ist für Jonas Kaufmann aber doch noch eine Nummer zu groß. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
blättern

Alle Kritiken von Daniel Eberhard...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Inspiriert: Das United Continuo Ensemble befreit Johann Erasmus Kindermann gemeinsam mit Ina Siedlaczek und Jan Kobow aus seinem Schicksal einer bloß historischen oder papierenen Größe: inspirierte Musik, köstlich gesungen und gespielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich