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Donnerstag, 30. März 2017

Bernstein, Leonard - West Side Story

Eine Wucht


Label/Verlag: San Francisco Symphony
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Tilson Thomas erfindet mit dem San Francisco Symphony Orchestra und handverlesenen Solisten die 'West Side Story' neu.

Geil. Eine Offenbarung. Zumindest eine Referenzaufnahme. Die Mutter aller Musicals wird ja nun, weiß Gott, in der westlichen Welt wirklich immer und immer wieder gespielt. Weil die 'West Side Story' so ein verdammt gutes, unterhaltsames, archetypisches, tief berührendes Stück ist. Aber es klingt doch meist ähnlich. Klangliche Unterschiede macht in der Regel nur die Tatsache aus, ob die Besetzung aus Opernsängern, Schauspielern oder Musical-Darstellern besteht.

Michael Tilson Thomas hat für die konzertante Aufführung mit ‚seinem‘ Orchester in San Francisco Musical-Sänger ausgewählt, und zwar welche vom Allerfeinsten. So jemanden wie Cheyenne Jackson, den Tony dieser Aufnahme, habe ich überhaupt noch nicht gehört. So sanft. So klar. So fein phrasierend. So subtil im Umgang mit dem Text. So herrlich im Einklang mit ‚seiner‘ Maria Alexandra Silber. Die ganze Cast ist fantastisch ausgesucht, singt auf einer Wellenlänge, fast klassisch, fast nie exaltiert.

Aber die Faszination geht vom Orchester aus. Und vom Klang. Da klingt nichts symphonisch. Tilson Thomas hat die Original-Orchestrierung rekonstruiert. Eine mit Streichern – aber ohne Bratschen! – aufgemotzte Big Band, dominiert vom Schlagzeug. Da erinnert man sich, wie wichtig das Stück für die Geschichte der amerikanischen E-Musik ist, ja, diese mit in die Moderne geführt hat. Und in der amerikanischen Musik ist, von Ives bis Glass und natürlich im Jazz, die Dominanz des Rhythmus wesentlich. Davon geht Tilson Thomas in seiner Deutung aus. Nichts steht auf sicherem Fundament. Alles klingt unruhig, gefährdet, wie improvisiert, droht scheinbar jeden Moment auszubrechen, selbst die Lebensfreude. Und die Musiker vom San Francisco Symphony, der Chor, die Solisten, haben offenbar einen Riesenspaß dabei, wie auch die Fotos im fantastisch gemachten Booklet zeigen.

Natürlich stimmt auch die Dramaturgie, weist alles auf das große 'Tonight'-Quintett am Ende des ersten Aktes hin und findet sich da. Sharks und Jets klingen ganz lebensecht, geradezu lustvoll proletarisch, ihre Anführer dazu ein ganz klein wenig aristokratisch. Und bei der Anita von Jessica Vosk schwingt stets – ganz wenig – der Stolz auf die aufgebaute kleinbürgerliche Gastarbeiterexistenz neben der im Vordergrund sich breit machenden Coolness mit. Nur Julia Bullock singt als ‚a girl‘ Opernphrasen. In 'Somewhere'. Das steigert die Verlorenheit geradezu ins Unendliche und trifft da das so wunderbar zusammenpassende, tragische Liebespaar.

Und wie das Ding klingt: wuchtig, aber stets trennscharf. Glasklar, aber immer sinnlich. Eine Offenbarung. Eine Wucht. Eine Referenzaufnahme. Auch wenn sie ihren Preis hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bernstein, Leonard: West Side Story

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
San Francisco Symphony
1
06.06.2014
EAN:

821936005927


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San Francisco Symphony

Das SAN FRANCISCO SYMPHONY Orchestra gab seine ersten Konzerte im Jahre 1911 und hat seitdem bei wachsender Publikumsbegeisterung unter einer Reihe von Dirigenten konzertiert: Henry Hadley, Alfred Hertz, Basil Cameron, Issay Dobrowen, Pierre Monteux, Enrique Jordá, Josef Krips, Seiji Ozawa, Edo de Waart, Herbert Blomstedt (nun zum Ehren-Dirigenten ernannt) und seit 1995 unter Michael Tilson Thomas. In den vergangenen Jahren konnte das San Francisco Symphony Orchestra einige der weltweit bedeutendsten Schallplatten-Preise gewinnen, wie den französichen Grand Prix du Disque, den britischen Gramophone Award und eine Reihe von Grammys für die Aufnahmen von Werken Brahms', Orffs, Prokofievs und Strawinskys. Die erste Aufnahme des Mahler-Zyklus', die 6. Sinfonie, erhielt 2002 den Grammy für die beste Orchesterproduktion des Jahres, die Aufnahme der 3. Sinfonie wurde 2003 mit dem Grammy der Kategorie "bestes klassisches Album" ausgezeichnet. 2006 wurden dem San Francisco Symphony Orchestra anlässlich der Aufnahme der 7. Sinfonie die beiden Grammys für die beste Orchesterproduktion und für das beste klassische Album des Jahres zuerkannt; die Aufnahme von Mahlers Achter wurde 2009 mit drei Grammys für das beste klassische Album, die beste Chorproduktion und das bestausgeführte klassische Album geehrt. 2004 wurde das multimediale Pädagogikprojekt Keeping Score im TV, auf DVD, über den Rundfunkt und die Website keepingscore.org lanciert.

Für das Label RCA Red Seal hat das SFS unter Michael Tilson Thomas auch Berlioz' Symphonie fantastique, zwei Copland-Alben, eine musikalische Auswahl von Charles Ives und eine Gershwin-Sammlung aufgenommen, die das Programm der Eröffnungsgala der Saison 1998 in der Carnegie Hall New York enthält. Die Celebration of Leonard Bernstein, eine Live-Aufnahme der Carnegie Hall-Eröffnungsgala von 2008, wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt und ist auf DVD erhältlich.

Das San Francisco Symphony Orchestra ist regelmäßig in den USA, Europa und Asien zu hören und debütierte 1990 mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen und beim Lucerne Festival. 1980 übersiedelte das Orchester in die neu erbaute Louise M. Davies Symphony Hall. Im selben Jahr wurde zusätzlich das San Francisco Jugendsymphonie-Orchester gegründet. Der San Francisco Symphony Chorus ist auf dem Soundtrack der drei weltbekannten Filme "Amadeus", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Pate III" zu hören. Das San Francisco Symphony Orchestra hat nicht nur im Jahre 1926 als erstes amerikanisches Orchester überhaupt im Radio symphonische Musik aufgeführt, sondern wird auch noch heute überall in den USA gern gehört und leistet durch seine künstlerische Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zum amerikanischen Musikleben.


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