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Dienstag, 26. Mai 2020

Chopin & Beyond - Friedrich Gulda

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Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Friedrich Gulda versagt vor Chopin.

Arthaus Musik hat einen Auftritt Friedrich Guldas beim Klaviersommer 1986 in der Münchner Philharmonie dokumentiert: ‚Chopin and beyond‘. Der erste Teil des Programms bietet Chopins Nocturne op. 62 Nr. 1, die Barcarolle op. 60, diverse Préludes op. 28 und die Berceuse op. 57. Im zweiten Teil musiziert Gulda mit einer ‚unsterblichen Geliebten‘, der Münchner Klangkünstlerin und Schlagzeugerin Limpe Fuchs.

Gulda wählt breite Tempi und das Risiko mikroskopischer Zergliederung. In einigen Fällen wird es durch rhythmische Strenge gebannt. Nicht selten kreisen Phrasen in sich selbst, ziellos, ohne harmonische Perspektive und Richtung. Beredte Durchbildung der Phrasen findet nicht statt. Der Anschlag ist von derber Natur. So gleicht die Barcarolle einem scheppernden Karren. Am schlimmsten: Gulda hat kein Rubato. Wenn es sein Ziel war, Chopin ‚gegen den Strich zu bürsten’ und sinnhafte Zusammenhänge zu zersetzen, hat Gulda eine genialische Leistung erbracht.

Größer als Gulda ist Guldas Größenwahn. Auch dieses Mal werden den Hörern Eigenkompositionen und -improvisationen zugemutet. 'Invocation and Visit of the Shadow', 'Night Magic and Dance', 'The Shadow Overcome', 'Beyond' – solche Titel deuten an, welch krude Mischung von Pseudo-Weltmusik, Esoterik und selbstgefälligem Humor zu erwarten steht. Mag Limpe Fuchs eine gewitzte Schlagzeugerin sein – Guldas Erwiderungen am Klavier sind erschreckend belanglos. Kontinuität stellt sich höchst selten ein. Die klangliche Einbildungskraft ist begrenzt, von harmonischer Komplexität keine Spur. Vier Mal fünf Minuten mit Schlagzeug, Klavier und Gesang präsentieren sich als willkürliche Aneinanderreihung alberner (doch ernst gemeinter) Aperçus.

Am unterhaltsamsten ist der Bonus: Joachim Kaiser befragt Gulda über Chopin und diverse Probleme der Musizierens. Gulda stuft sich als ‚kühlen Intellektuellen‘ ein, das eigene Chopinspiel ist ‚verdammt gut‘. Ihm sei es um Chopin ‚ohne Schlendrian‘ zu tun, ‚präzise und kontrollierbar‘, befreit von falscher, salonmusikhafter ‚Romantik‘. Erzieherische Aspirationen seien ihm allerdings fremd: ‚Ich hasse den erhobenen Zeigefinger‘ – bei diesen Worten sieht er nicht Kaiser an, sondern den Zuschauer. Als größtes Vorbild in Sachen Chopin betrachtet er Alfred Cortot (!) – wegen dessen unverwechselbarer Handschrift und Magie: Für böse Überraschungen ist Gulda immer gut. Verlässlich bleibt er durch raumgreifende Selbstgewissheit und musikalische Kaltschnäuzigkeit.

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin & Beyond: Friedrich Gulda

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
12.05.2014
Medium:
EAN:

DVD
807280219098


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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